Ein Wirt aus Schleswig-Holstein will das Rauchverbot umgehen. Dazu hat er eine Religionsgemeinschaft gegründet, die Zigaretten verbrennen "wie die Katholiken Weihrauch".

Rauchverbot; AP

Künftig rauchen in der Kirche? Ein 46-jähriger Wirt will Rauchern "Kirchenasyl" geben. (Foto: AP)

Im Kampf gegen das Nichtraucherschutzgesetz greift ein schleswig-holsteinischer Gastronom tief in die Trickkiste: Der Wirt aus Kappeln hat eine Religionsgemeinschaft gegründet, um den Gästen den Griff zum Glimmstängel weiter zu ermöglichen.

"Unsere Christlich-Jüdische Kirche hat inzwischen mehr als 400 Mitglieder", sagte Dirk Bruckner, Besitzer der Kneipe "Mausefalle", am Montag. Das Gründungsprotokoll habe er an die Staatskanzlei in Kiel geschickt.

Der 46-Jährige will Rauchern nach eigenen Worten "Kirchenasyl" geben und sich religiöse Handlungen nicht durch den Staat vorschreiben lassen. In vielen Religionen spiele das Verbrennen von Stoffen eine Rolle. "Bei den Katholiken ist es der Weihrauch, bei den Buddhisten sind es Räucherstäbchen, bei uns die Zigaretten", sagte Bruckner.

Ob er mit dem Trick das neue Antirauchergesetz umgehen kann, ist allerdings fraglich. Das Gesundheitsministerium des Landes erklärte, der Gastronom "kommt damit nicht durch".

Als Reaktion auf das Rauchverbot unterstützen Tabakfirmen Betreiber von Restaurants und Clubs beim Einrichten von Raucherräumen. "Uns ist es wichtig, dass unsere Konsumenten weiterhin Zigaretten rauchen können", sagte der Sprecher des Hamburger Zigarettenherstellers Reemtsma, Sebastian Blohm.

Er bestätigte entsprechende Medienberichte. Das Unternehmen werde den Gastronomen helfen, durch "finanzielle und technische Hilfe" Raucherräume
einzurichten oder Außenbereiche zu gestalten. Über den finanziellen Umfang wollte sich Blohm jedoch nicht äußern.

(AP/dpa/cag/gba)

ANZEIGE


Themen

Weitere Artikel in Panorama

Leserkommentare (10)



16.01.2008 18:22:38

DerekReign:

"Sonst hätte es schon vor dem 1.1.2008 ausreichend Nichtraucherlokale und Restaurants gegeben!"

Komisch, und warum sind dann auch die inzwischen rauchfreien Lokale rappelvoll?? Weil es eben vorher NICHT genug davon gab. So einfach. Wers nicht kapieren will...


2 Besucher haben diesen Kommentar bewertet




vorherige Kommentare neuere Kommentare 1 | 2 ältere Kommentare nächste Kommentare

Wir wollen die Qualität der Nutzerdiskussionen stärker moderieren. Bitte haben Sie deshalb Verständnis, dass wir die Kommentare ab 19 Uhr bis 8 Uhr des Folgetages einfrieren. In dieser Zeit können keine Kommentare geschrieben werden. Dieser "Freeze" gilt auch für Wochenenden (Freitag 19 Uhr bis Montag 8 Uhr) und für Feiertage.


Bilder aus dem Panorama
Mafia-Bosse werden verhaftet, die Menschen feiern, der nächste "Capo" steigt auf - der Kampf gegen die Mafia.
Manchmal unterbewusst, manchmal als gezielte Provokation. Gesten sagen mehr als Worte. Von Mittelfinger bis Vogel, von Wiedeking bis Ackermann.
Erinnerung an den schwulen Aufstand vor 40 Jahren: In beinahe jeder größeren Stadt in Deutschland finden jedes Jahr schwule Paraden statt.
Blutige Ermittlungen: Die mexikanische Marine findet fast eine Tonne Kokain in einer Schiffsladung mit 400 gefrorenen Hai-Körpern.
Gestrandet in "Tent City": Sie haben in den USA Haus und Hof verloren - vor Sacramento treffen sich die Verlierer der Wirtschaftskrise wieder.
Sie sind die gefährlichsten Verbrecher Deutschlands - und alle auf der Flucht:

ANZEIGE

SZ Probeabo
SV-Bilderdienst
Internetsucht
Online-Junkies haben sich aus dem realen Leben verabschiedet und existieren nur noch im Internet. In der Realität jenseits von Chaträumen, Spielen, Cybersex oder Schnäppchenjagd drohen Isolation, Depressionen und Entzugserscheinungen. Als süchtig gilt, wer sich privat mehr als 35 Stunden pro Woche im Internet bewegt. mehr...
Die SZ Junge Cinemathek
12 Lieblingsfilme zum Neu-Entdecken und Erinnern
SZ Cinemathek Dokumentarfilme
Die Welt mit anderen Augen sehen - Amerikanische Perspektiven und Klassiker des Naturfilms
Musik. Genuss. Erleben.
Jahrhundert Geiger und Klavier Kaiser - Die Standardwerke der SZ Klassik Edition.