Mit einer DNS-Datenbank will die israelische Tierärztin Tika Bar-On das Hundehaufen-Problem lösen - zumindest in ihrem Ort.
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Terrier "Cäsar" in Frankfurt: Israelische Hunde haben es künftig schwerer. Ihre Notdurft wird registriert. Foto: dpa
Tika Bar-On hat ein Herz für Hunde, aber keines für Häufchen. Die israelische Tierärztin leitet die Abteilung für herrenlose Vierbeiner in der Stadtverwaltung von Petach Tikwa, einer hässlichen Kleinstadt vor den Toren Tel Avivs mit einem allerdings sehr schönen Namen: "Tor der Hoffnung" heißt Petach Tikwa wörtlich übersetzt. An dieses Stadtmotto angelehnt, hat Frau Bar-On nun in der 190000-Einwohner-Stadt ein Projekt gestartet nach dem Motto "Kampf der Kacke".
Es stinkt der Tierärztin, die selbst einen Hund und eine Katze besitzt, dass die tierlieben Bewohner Petach Tikwas zu faul oder "zu unerzogen" seien, um die stinkenden Verrichtungen ihrer Hunde aufzusammeln und in öffentlichen Mülltonnen zu entsorgen. "Als ich in diesem Sommer in Kalifornien war, habe ich in vier Wochen keinen Hundehaufen gesehen", staunt Bar-On noch heute.
Bar-On hat ein Projekt ersonnen, das weltweit einmalig sei, sagt sie. Es soll für gute Luft und saubere Schuhsohlen sorgen: Mit einer DNS-Datenbank sollen Hundehaufen-Sünder ermittelt und zur Rechenschaft gezogen, das heißt zur Kasse gebeten werden, wenn sie Hundescheiße nicht entsorgen.
Die Tierärztin konnte den Bürgermeister der Kleinstadt für die Idee gewinnen. Umgehend schaufelte er ein Budget frei für das auf zunächst sechs Monate angelegte Pilotprojekt im Stadtteil Neve Oz. Dort leben gut 400 Hunde. Auf Flugblättern und Postern fordert die Stadt nun die dortigen Besitzer auf, an Bar-Ons Projekt teilzunehmen. Bislang 50 Besitzer sind bereits in Bar-Ons Praxis aufgetaucht und haben dort eine DNS-Probe ihrer Vierbeiner anfertigen lassen. Bar-On demonstriert, wie schnell das geht: Mit einem riesigen Q-Tip streicht sie über das Zahnfleisch eines beigen Mischlingshundes namens Zachi.
Im Labor wird anschließend die DNS des Hundes ermittelt. Derweil laufen Angestellte der Stadtverwaltung in Parks und auf Bürgersteigen von Petach Tikva Patrouille. Sehen (oder riechen) sie einen Hundehaufen, entnehmen sie eine Probe und ermitteln im Labor die DNS des Sünders. Falls der Besitzer an dem Projekt teilnimmt, ließe sich so ein Strafzettel an die richtige Adresse senden. 660 israelische Schekel, immerhin 130 Euro, kostet es, wenn man sich nicht überwindet, die stinkende Notdurft zu entsorgen.
Bislang haben zwar, wie gesagt, nur 50 Hundebesitzer die DNS ihrer Vierbeiner registrieren lassen. Bar-On hofft aber, dass bis Ende des Jahres alle 400 Hunde von Neve Oz in ihrer Sünderkartei aufgelistet sind. Sie hat auch einen genialen Trick, wie sie skeptische Hundebesitzer überreden kann. Wenn es ihr Arbeitspensum erlaubt, setzt sie sich in den kleinen Park von Neve Oz und schaut Hunden dabei zu, wie sie ihr großes Geschäft verrichten. Wenn dann die Besitzer die Häuflein mit Plastiktüten auflesen und in Abfalleimer werfen, gibt Bar-On sich zu erkennen. Dann lobt sie die verdutzten Besitzer für vorbildliches Verhalten und schenkt ihnen Hundeknochen, Hundefutter oder Hundequietschenten als Belohnung.
(SZ vom 29.09.2008/grc)


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