Bundeskanzler Gerhard Schröder ist sauer auf die Italiener und macht Urlaub im heimischen Hannover. Das macht aber nichts: In Deutschland hat es im Jahrhundertsommer mindestens süditalienische Temperaturen.
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In Hannover daheim: Gerhard Schröder mit seiner Doris Foto: dpa
Mit Stefano Stefani fing es an. Der bislang in Deutschland unbekannte römische Staatssekretär für Tourismus hatte offenbar die römische Sommerhitze nicht vertragen. Signore Stefano jedenfalls sagte, die Deutschen seien „einförmige, supernationalistische Blonde“, die im Sommer lärmend über Italiens Strände herfielen.
Das geschah, während sich Tausende Deutsche über den Brenner an die Adria und an die Riviera aufmachten. In diesem Sommer ging ein Riss durch die italienisch-deutsche Freundschaft. Besonders litt Bundeskanzler Gerhard Schröder darunter.
Bereits im Juli hatte es Unstimmigkeiten gegeben. Erst hatte der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi den SPD-Abgeordneten Martin Schulz beleidigt. Dann telefonierte Berlusconi mit Schröder und es fiel laut Berlusconi keine Entschuldigung, laut Schröder gab es zumindest ein paar entschuldigende Worte. Kaum schien alles wieder einigermaßen zurecht gerückt, mischte sich Stefani ein.
Der pöbelnde Staatssekretär traf mit seiner Bemerkung mitten ins Schwarze des Sommerlochs. Ein Aufschrei ging durch die schlagzeilenarme Republik und der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder packte seinen Strandkoffer wieder aus.
Statt Pasta gab’s nun "Basta!" (zu deutsch: es reicht!). Schröder erholte sich im hannoveranischen Garten. Da war es nicht so heiß, Berlin nicht so weit weg. Und die Wähler fanden im Grunde auch, dass eine derartige Beleidigung nicht durchgehen dürfe.
Im Grunde war es gut, dass Schröder zu Hause geblieben ist. Denn das, was er in Hannover vor sich hatte, war der Jahrhundertsommer. Ein Hitzerekord folgte dem nächsten, im Saarland wurden zwischenzeitlich sogar 40,8 Grad gemessen. Die Bauern forderten Entschädigung für Ernteausfälle, die Bundesliga-Trainer forderten, den Anstoß beim Fußballspiel auf den Abend zu verlegen, die Bild-Zeitung forderte Himbeereis auf Krankenschein und der Papst, im verschmähten Italien, betete für Regen.
Denn wenn Schröder schon zu Hause blieb und seinen Wein – vermutlich nicht einen italienischen Barolo, sondern einen Rheingauer Riesling - auf der heimischen Terrasse trank, sollte er es wenigstens ruhig haben.
Er hatte gute Chancen: Der Flüsterasphalt machte sich auf Deutschlands Strassen breit. Man sprach von offenporiger Oberfläche, es gab Modellrechnungen über verschwindend geringe Dezibelzahlen und so leise, wie der Asphalt angeblich war, so leise verschwand er dann auch wieder von der Bild- und vielleicht auch von der Straßenoberfläche.
Irgendwann war dann der Sommer vorbei, in Deutschland regnete es wieder, in Frankfurt war der Vizepräsident des Zentralrats der Juden, Michel Friedman, nach einer Kokain-Affäre von allen öffentlichen Ämtern zurückgetreten. In Italien hatte Stefano Stefani – mit einigem Tamtam – endlich sein Amt niedergelegt.
Und Gerhard Schröder? Der war an seinen Regierungsschreibtisch zurückgekehrt. Angela Merkel, damals CDU-Vorsitzende, übrigens begrüßte den Rücktritt Stefanis, in weiser Vorahnung: Im Frühjahr 2007 machte sie selbst Sommerurlaub vom Kanzleramt: Auf der italienischen Insel Ischia.


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