"Tilo" erreicht die deutsche Küste

    Sturmflut an der Nordsee

    09.11.2007, 17:37

    Herbststurm "Tilo" zog mit mehr als 120 Stundenkilometern über die Nordseeküste. Hamburg steht unter Wasser, auf Helgoland werden Millionenschäden befürchtet.

    Sturmflut; Nordsee; AP

    Der Hamburger Fischmarkt steht an der vom Hochwasser ueberfluteten Großen Elbstraße in Hamburg unter Wasser. (Foto: AP)

    Die Nordsee-Insel Helgoland befürchtet Millionenschäden durch das Sturmtief „Tilo“. "So wie es aussieht, sind am Nordstrand der Düne hunderttausende Kubikmeter Sand vom Wasser weggerissen worden", sagte Bürgermeister Frank Botter.

    Nachdem es zunächst nach einem "normalen Herbststurm" aussah, sei Deutschlands einzige Hochseeinsel von der Heftigkeit des Sturms überrascht worden. Einige Arbeiter wurden in Sicherheit gebracht. Ein Hafenbereich wurde zum Teil überspült. Seit dreißig Jahren sei Helgoland nicht mehr so stark von einer Sturmflut getroffen worden. "Das ist dieses Mal sehr derbe. Seit 45 Jahren wohne ich auf Helgoland, aber so heftig habe ich es noch nie gesehen", sagte Lutz Hardersen, der auf der Insel ein Dünenrestaurant betreibt.

    Die erste schwere Herbststurmflut hat am Freitag die deutsche Nordseeküste erreicht. In Hamburg, wo der Scheitelpunkt der Flut gegen 16.00 Uhr erwartet wurde, werden tiefliegende Hafengebiete und der Fischmarkt überspült. Am Nachmittag standen bereits der Fischmarkt und die große Elbstraße unter Wasser. Ein Sturmfluttor hatte nach Angaben der Feuerwehr nicht richtig geschlossen, die Einsatzkräfte dichteten die Stelle mit Sandsäcken ab. An den Landungsbrücken drückte das Wasser so stark von unten in das große Kuppelgebäude, dass die Feuerwehr mit mehreren Pumpen im Einsatz war. Die restliche Stadt ist durch Deiche und Flutschutzmauern gut geschützt. Das Hochwasser wird die Deichkrone nach Einschätzung der Fachleute längst nicht erreichen.

    In der Nacht war das Hochwasser an der gesamten Küste Norddeutschlands deutlich niedriger ausgefallen als befürchtet. Am Vormittag wurde auf der ostfriesischen Insel Borkum ein Wasserstand von 2,48 Metern über dem MHW gemessen. Die Flutwelle traf als Erstes auf die Insel Borkum und drückte das Wasser in den Hafen. "30 Zentimeter mehr, und wir hätten den Hafen evakuieren müssen", sagte ein Inselsprecher. Inzwischen laufe das Wasser dort schon wieder ab, sagte eine Sprecherin des Bundesamtes für Seeschifffahrt und Hydrographie.

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    Auch an der Küste Schleswig-Holsteins schwappte das Wasser bei Windgeschwindigkeiten von weit mehr als 100 km/h an die Ufer. Größere Schäden blieben hier zunächst aus, auch von Verletzten wurde bis zum Nachmittag nichts bekannt. Die Deutsche Bucht sei das am stärksten von den Sturmfluten bedrohte Gebiet.

    Keine Fähren in Nordfriesland

    In Nordfriesland fährt keine Fähre zwischen Sylt und der dänischen Insel Rømø. Auch die Schiffsverbindungen vom Festland zu den Halligen Hooge und Langeneß sind unterbrochen, weil der Wasserstand an den Molen zu hoch zum An- und Ablegen ist. Auf den Halligen könnten die Orkanböen am Freitagabend bis zu 140 Stundenkilometer erreichen, warnte der Wetterdienst Meteomedia. Die Meteorologen riefen am Freitagmorgen für die nordfriesische Küste die höchste Warnstufe "violett" aus.

    Wegen der erwarteten schweren Sturmflut war Freitagvormittag das insgesamt 476 Meter lange Emssperrwerk an der niedersächsischen Küste bei Emden geschlossen worden, um die Überflutung des Hinterlandes zu verhindern.

    Im Osten Englands sind offenbar Tausende Menschen zunächst von schweren Überschwemmungen verschont geblieben. Die Pegel der Nordsee stiegen zwar in der Nacht zum Freitag gefährlich an, blieben aber meist unter dem Niveau der Schutzwälle. Nur vereinzelt wurden in Küstenorten Straßen und Keller überschwemmt.

    Evakuierungen in Großbritannien

    Die Bevölkerung war zuvor aufgerufen worden, sich vor den möglicherweise schweren Überschwemmungen durch die Sturmflut in der Nordsee in Sicherheit zu bringen. Seit Donnerstagabend waren bereits mehrere hundert Menschen in höher liegende Gebiete der Grafschaften Norfolk und Suffolk in Sicherheit gebracht worden.

    Neben Wohnhäusern waren auch Altenheime und Krankenhäuser evakuiert worden. Fast 1000 Menschen hatten die Nacht zum Freitag in Notunterkünften verbracht. Von der Flut gefährdet sind auch Teile der Grafschaften Kent und Essex. In London kam am Morgen erneut die Notfall-Kommission der Regierung unter Leitung von Premierminister Gordon Brown zusammen.

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    Leserkommentare (2)



    09.11.2007 17:09:27

    szl3636: Nix los.

    Der Fischmarkt steht ständig unter Wasser und daß die Helgoländer Düne Sand verloren hat, kann man wohl auch kaum als große Katastrophe bezeichnen.


    3 Besucher haben diesen Kommentar bewertet





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