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Verbraucher

Ein Jahr Pflege-Bahr: Versicherung deckt nicht alle Kosten ab

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa/tmn) - Pflege kostet Geld. Gegen das finanzielle Risiko können sich Verbraucher seit gut einem Jahr mit einer geförderten Zusatzversicherung absichern. Angebote gibt es inzwischen viele. Die Verträge lohnen sich allerdings nicht immer.

Eine Versicherung soll vor einem Risiko schützen und im Ernstfall finanzielle Lücken schließen. Doch nicht immer hat man ein bestimmtes Risiko klar vor Augen. Zum Beispiel das Risiko, zu einem Pflegefall zu werden. "Für die meisten wird Pflege erst später ein Thema", sagt Sabine Baierl-Johna von der Stiftung Warentest. "Jüngere beschäftigen sich erstmal mit anderen Themen wie der Familie oder dem Beruf."

Das Problem: Die gesetzliche Pflegeversicherung reicht in der Regel nicht, um die kompletten Pflegekosten zu decken. Wie groß die Lücke sei, hängt von den persönlichen Lebensumständen und den eigenen Ansprüchen ab, erläutert Baierl-Johna.

Wer im Alter eine private Pflegeversicherung abschließen will, bekommt wegen schon bestehender gesundheitlicher Probleme oft keine. Oder die Police wird sehr teuer. Deshalb gibt es seit gut einem Jahr den Pflege-Bahr, eine staatlich geförderte Pflegetagegeldversicherung, benannt nach dem früheren Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

Der große Vorteil: "Es findet keine Gesundheitsprüfung statt", erklärt Baierl-Johna. Für zahlreiche Verbraucher ist der Pflege-Bahr deshalb die einzige Möglichkeit, sich zu versichern. Schließen Verbraucher einen solchen Vertrag ab, schießt der Staat jeden Monat 5 Euro zu. Die Voraussetzung: Die Kunden zahlen jeden Monat mindestens 10 Euro in den Vertrag ein, erklärt der Verband der privaten Krankenkassen (PKV) in einer Broschüre. Inzwischen werden 25 entsprechende Tarife von Krankenversicherungsgesellschaften angeboten, hat das unabhängige Analysehaus Morgen & Morgen in Hofheim am Taunus ermittelt.

Doch nach Ansicht der Versicherungsexperten ist das Thema nach wie vor sehr komplex. "Starke Beitragsunterschiede bei älteren Versicherungsnehmern, extrem variierende Pflegemonatsgelder bei jüngeren Versicherten, unterschiedliche Leistungen innerhalb der Pflegestufen machen die geförderte Pflege beratungsintensiver als ursprünglich angenommen", heißt es in der Untersuchung.

Ein großes Manko: "Die Leistungen der geförderten Pflegetagegeld-Versicherung reichen in der Regel nicht aus, um die finanzielle Lücke im Pflegefall zu schließen", erklärt Baierl-Johna. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt Morgen & Morgen: Die Deckungslücke kann demnach in Pflegestufe I im ambulanten Bereich 360 Euro betragen, aber durchaus auch bei rund 1700 Euro im stationären Bereich der Pflegestufe III liegen, erklären die Experten.

Auch die Bedingungen sind häufig nicht so gut wie bei manchen ungeförderten Pflegetagegeldern. "Die gesetzlichen Vorgaben bieten kaum Spielraum, um die Pflege-Bahr-Tarife an sich weiter auszubauen", heißt es in der Analyse.

Allerdings bieten einige Versicherer inzwischen sogenannte Aufbaustufen als ergänzende Tarife zum Pflege-Bahr-Abschluss an, hat Morgen & Morgen beobachtet. Diese sind meist mit höheren Leistungen im Pflegefall und ergänzenden Bedingungen ausgestattet. Aktuell bieten vier Gesellschaften solche Aufbaustufen an. Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, den Pflege-Bahr-Tarif mit weiteren Tarifangeboten zu kombinieren und damit eine bessere Abdeckung des Pflegerisikos zu erreichen. Dennoch: "Eine normale Pflegetagegeld-Versicherung eignet sich besser, um das finanzielle Risiko abzusichern", sagt Baierl-Johna. "Vorausgesetzt natürlich man bekommt sie."

Service:

Elke Weidenbach: Private Kranken- und Pflegezusatzversicherungen, Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, 160 Seiten, 9,90 Euro, ISBN-13: 978-3-86336-019-1. Das Buch ist bestellbar im Internet unter www.ratgeber-verbraucherzentrale.de oder unter der Telefonnummer 0211/380 95 55.