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Tischtennis

Plastik statt Zelluloid: Neue Tischtennisbälle kommen

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Tokio (dpa) - Im Tischtennis hat der kleine Zelluloidball nach 88 Jahren ausgedient. Die Team-Weltmeisterschaft in Tokio ist das letzte WM-Turnier, bei dem das traditionelle Spielgerät zum Einsatz kommt.

Weil das Material Zelluloid leicht entflammbar ist und die Gesundheit gefährdet, führt der Weltverband ITTF zum 1. Juli einen neuen Plastikball ein. Die Umsetzung dieses Beschlusses erweist sich aber als schwierig. Es sind nur wenige Polybälle - wie der neue Ball auch genannt wird - im Umlauf. "Ich habe bisher nur ein oder zweimal den neuen Ball ausprobiert. Dabei soll bereits im Sommer in der chinesischen Superliga mit dem Plastikball gespielt werden. Die Auswirkungen kann ich deshalb schwer beurteilen", sagte Rekord-Europameister Timo Boll.

Der 33 Jahre alte WM-Dritte von 2011 und der deutsche Olympia-Dritte Dimitrj Ovtcharov schlagen auch in diesem Jahr als Gastspieler bei einem chinesischen Firmenclub auf. Nur im Reich der Mitte sowie in Japan werden in der heutigen Zeit noch Tischtennisbälle hergestellt.

Die Produktion der neuen Bälle verläuft indessen nicht reibungslos. Neben einem Patent-Streit gibt es technische Schwierigkeiten. Die herkömmliche Zelluloidkugel besteht in der Regel aus zwei Hälften. Die Kontrolle der Naht gehört zu den wichtigsten Qualitätskriterien. "In einer Firma in China wurde versucht, den Plastikball aus einem Teil herzustellen", berichtete Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Tischtennis-Bundes (DTTB). Bei einer Herstellerfirma sollen mehrere Bälle zerbrochen sein.

Der Weltverband hat inzwischen auf die Probleme der Unternehmen reagiert. So sollen bei internationalen Jugendturnieren auch in Zukunft die alten Bälle zugelassen sein. Der französische Verband lehnt den Polyball in seinen Ligen komplett ab. Der DTTB hat empfohlen, kommende Saison in den höchsten Ligen auf den Plastikball umzustellen. In den unteren Spielklassen kann der Zelluloidball noch weiterleben.

Das kommt den Vereinen und den Ausrüsterfirmen entgegen. Sie sollen die neuen Bälle flächendeckend einführen, haben andererseits noch erhebliche Lagerbestände mit Zelluloidbällen. Ein finanzielles Desaster wie bei der Einführung des 40-Millimeter-Balls, der 2001 den 38-Millimeter-Ball abgelöst hatte, möchten sie nicht noch einmal erleben.

"Damals wollten alle Vereine fast auf einen Schlag die größeren Bälle haben. Wir hatten zigtausende der alten Bälle auf Lager, die wir für zwei oder drei Cent verscherbeln mussten", sagte Wilfried Micke von der Firma Schöler+Micke. Das Ende des Zelluloidballs hält er aber für richtig. "Das ist ein Gefahrengut, das mit Container-Schiffen transportiert werden muss", sagte der frühere Düsseldorfer Spieler.

Die sportlichen Auswirkungen der Reform hält Boll für eher gering. "Ich glaube nicht, dass sich die Verhältnisse großartig ändern werden", erklärte Boll. "Da müssten sie schon die chinesischen Beläge verändern, das wäre vielleicht ein größerer Eingriff."