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Ski alpin

Zu Bescheidenheit verdammt: Slalom-Damen noch hinterher

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Flachau (dpa) - Nach getaner Arbeit posierten die drei deutschen Slalom-Damen im Zielraum von Flachau grinsend für Erinnerungsfotos.

Hinter Lena Dürr, Maren Wiesler und Christina Geiger schlängelten sich am Dienstag noch die besten Skirennfahrerinnen den Weltcup-Hang herunter, für einen vorderen Rang hatte es beim DSV-Trio wieder nicht gereicht. Die Stimmung war dennoch gut, selbst für Alpin-Chef Wolfgang Maier geht es "langsam vorwärts". Nach erfolgreichen Jahren unter Maria Höfl-Riesch muss sich das Team in Bescheidenheit üben.

Unter die Hoffnung auf bessere Zeiten und den Ärger über Verletzte mischt sich aber auch Frust ob vieler verschenkter Möglichkeiten. "Da ist noch viel Potenzial vorhanden, das wir einfach nicht richtig abrufen können", haderte Maier. Er bezog sich damit auf den zweiten Lauf beim Flutlicht-Rennen von Flachau, doch als Resümee passt der Satz auf den gesamten Winter der deutschen Slalom-Damen.

Statt der erhofften Resultate weiter vorn sprang noch kein Top-Ten-Rang heraus. Nach sechs Slaloms sind zwei elfte Plätze die besten Ergebnisse, am Dienstag gelang Dürr mit Rang 14. zumindest ihre persönliche Bestleistung in dieser Saison.

An den skifahrerischen Möglichkeiten liege es nicht, dass trotz der Abwesenheit von Slalom-Star Mikaela Shiffrin derzeit andere um die Spitzenplätze fahren, etwa Flachau-Siegerin Veronika Velez Zuzulova. DSV-Cheftrainer Markus Anwander attestiert seinen Schützlingen zwar eine professionelle Einstellung im Training. Erfolge im Rennen sind aber vor allem Kopfsache. "Alle Mosaiksteine müssen passen", sagt der Coach, nur: "Der mentale Bereich wird ein bisschen vernachlässigt."

In Torläufen sind diejenigen erfolgreich, die das richtige Maß an Risiko finden. Bei Dürr, die immerhin schon einmal einen Weltcup gewonnen hat, schien das Selbstvertrauen nach zwei Ausfällen in den ersten beiden Saisonrennen in Aspen weg zu sein. Ihre Läufe danach wirkten oft, als ginge es für sie nur noch um Schadenbegrenzung.

Flachau wertete die 24-Jährige als "Schritt in die richtige Richtung", weiß aber, dass "immer noch ein Ticken mehr" gehe. Vor dem Slalom am Freitag an gleicher Stelle glaubt sie, "dass ich jetzt richtig in Fahrt komme und auch das Selbstvertrauen am Start habe".

Beim DSV hofft man eindringlich auf die Trendwende, hatte der Verband doch vor der Saison sein Trainingsprogramm umstrukturiert und größere Gruppen gebildet: Die Arrivierten sollten von den Jungen angestachelt werden, der Nachwuchs wiederum hätte sich abgeschirmt vom Druck in Ruhe entwickeln können. Das zumindest war der Plan vor der Saison.

Dann aber ereilte die Deutschen das Verletzungspech, aktuell können in Marina Wallner (Kreuzbandriss), Marlene Schmotz (Sprunggelenk), Veronique Hronek (Kreuzbandriss), Andrea Filser (Reha), Michaela Wenig (Epstein-Barr-Virus) und Jessica Hilzinger (Knorpelschaden im Knie) gleich sechs DSV-Athleten nicht an den Start gehen.

Nach der Ära Höfl-Riesch haben die deutschen Technikerinnen nur einen Top-Ten-Rang herausgefahren, im Februar 2015 hatte Dürr in Maribor den fünften Rang gesichert. Vielleicht klappt es schon am Freitag wieder. "Es geht auf jeden Fall bergauf", meint Maren Wiesler, die in Flachau auf Rang 17 gefahren war, zwei Plätze vor Geiger. Die beiden haben immerhin schon je einen elften Rang in der Saison vorzuweisen. Dennoch ist auch Wiesler klar: "Es gibt noch was zu tun."