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Leichtathletik

IAAF tagt zu Russland und Doping

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Monaco (dpa) - Passend zu den immer neuen Doping-Skandalen dieser Woche hat in Monaco eine wichtige Sitzung des Leichtathletik- Weltverbandes begonnen. Das 27-köpfige Council der massiv unter Druck geratenen IAAF wird auch über den drohenden Olympia-Ausschluss der russischen Leichtathleten sprechen.

Nach den gigantischen Doping-Enthüllungen des vergangenen Jahres ist der russische Verband (RUSAF) von der IAAF zunächst nur vorläufig für alle internationalen Wettbewerbe gesperrt worden. Eine Hintertür für die Teilnahme an den Olympischen Spielen im August in Rio de Janeiro gibt es dennoch, da die RUSAF tiefgreifende Reformen angekündigt hat, die wiederum von einer Taskforce der IAAF überwacht werden. Deren Leiter Rune Andersen wird dem Council am Freitag erstmals berichten.

Vertrauen in die russischen Funktionäre bzw. deren Reformwillen hat allerdings niemand mehr. Erst am vergangenen Sonntag lieferte die WDR-Dokumentation "Geheimsache Doping: Russlands Täuschungsmanöver" neue Belege dafür, dass in der russischen Leichtathletik weiter massiv gegen Auflagen der IAAF und der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA verstoßen wird. "Angesichts der neuen Vorwürfe wäre es für mich eine große Überraschung, wenn der russische Verband für Olympia zugelassen würde", sagte Clemens Prokop, der Präsident des deutschen Verbandes.

Angesichts der jüngsten Fälle von Meldonium-Doping im Weltsport und rechtzeitig zu Beginn der IAAF-Sitzung hat Russlands umstrittener Sportminister Witali Mutko noch einmal öffentlichkeitswirksame Entschlossenheit demonstriert. Der Agentur Interfax zufolge kündigte er für die kommenden Tage mehrere Treffen mit Ärzten, Trainern und Sportlern an. Die Behörden in seinem Land forderte er dazu auf, Ermittlungen zum Thema Meldonium-Missbrauch einzuleiten.

Das Herzmittel steht erst seit Januar 2016 auf der Doping-Liste. Allein in dieser Woche wurden aber unter anderen die positiven Proben der russische Tennisspielerin Maria Scharapowa, der schwedischen Weltklasse-Läuferin Abeba Aregawi und besonders vieler weiterer russischer Sportler bekannt.

Neben den Doping-Enthüllungen in Russland, Kenia und zuletzt auch Äthiopien muss sich die IAAF in Monaco aber auch mit ihrer eigenen Zukunft und ihren eigenen Strukturen befassen. Der Weltverband war zuletzt stark in Verruf geraten, weil der langjährige Präsident Lamine Diack an der Spitze ein kriminelles System aus Korruption und Vetternwirtschaft etabliert hatte.