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Fußball

DFB-Sponsoren geben sich vor Freshfields-Report abwartend

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Frankfurt/Main (dpa) - Die größten Sponsoren des Deutschen Fußball-Bundes erwarten den Report zur WM-Affäre mit Spannung. An diesem Freitag - viereinhalb Monate nach der Enthüllung der Sommermärchen-Affäre - erhoffen sie sich endlich eine klare Antwort.

Darauf, ob die Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland unter anderem auch mit Hilfe von Geld gekauft worden ist.

Wie haben sich die Sponsoren in der Affäre bislang verhalten - und was erwarten Sie vom Report?

Die großen Geldgeber des DFB standen bisher stets zu ihrem Engagement, forderten vom Verband aber auch eine lückenlose Aufklärung. "Wir beobachten die Entwicklung genau und begrüßen eine lückenlose Aufklärung", sagte nach dem Aufkeimen der Vorwürfe beispielsweise ein Daimler-Sprecher. Im unmittelbaren Vorfeld der Veröffentlichung des Berichts zeigten sich die Unternehmen zurückhaltend. Man warte den Abschluss der Untersuchungen ab, hieß es etwa von Coca-Cola, Adidas, Daimler und der Commerzbank.

Können Sponsoren Geld zurückfordern, wenn sich die Vorwürfe bestätigen?

Sponsoring bedeutet aus juristischer Sicht, das positive Image des Gesponserten gegen Geld auf die eigene Firmenmarke übertragen zu dürfen. "Wenn das Identifikationspotenzial dann nicht mehr da ist, ist das rechtlich gesehen eine Vertragsstörung", sagt der Frankfurter Sportrechtsanwalt Hermann Schlindwein. Auch mit Blick auf die Verjährungsfrist in diesen Fällen - regelmäßig drei Jahre nach Bekanntwerden der Vorwürfe - könnten mögliche Ansprüche theoretisch noch rechtlich geltend gemacht werden, betont sein Kollege, der Münchner Sportrechtsanwalt Simon Karlin.

Sind solche Forderungen realistisch?

Nein. Zwar enthielten vernünftige Sponsoringverträge auch "Skandalklauseln". In Vertragsverhandlungen mit einem Verband, der mit der Nationalmannschaft ein derartiges Premiumprodukt im Portfolio habe, seien solche Klauselforderungen von der Sponsorenseite aber eher unrealistisch, meint Schlindwein.

Dazu kommen laut Rechtsanwalt Karlin auch wirtschaftliche und sportpolitische Überlegungen. Zum Beispiel die Frage, ob man als Großsponsor zehn Jahre nach dem eigentlichen gesponserten Ereignis noch eine juristische Auseinandersetzung anstreben will - mit ungewissem Ausgang in rechtlicher als auch wirtschaftlicher Sicht. "Denn es ist nur schwer möglich, ganz exakt zu beziffern, wie groß der tatsächlich entstandene Schaden ist, und inwieweit dieser kausal auf diese Vorfälle zurückzuführen ist", sagt Karlin.

Aus dem Mantra "In guten wie in schlechten Zeiten" könne außerdem auch eine eigene Kampagne gestrickt werden, meint Schlindwein. Beispiel dafür sind etwa Sponsoren von Vereinen, die auch nach einem Abstieg dem Club als potenter Geldgeber treu bleiben. "Den Partner nicht im Regen stehen zu lassen, wird von den Kunden goutiert."

Ist das Image der Sponsoren des DFB bereits beschädigt?

An einen Schaden für die derzeitigen Sponsoren oder wegweisende Verluste im Verkaufsgeschäft glauben die meisten Experten nicht. Deutsche gelten generell als recht markentreu, dazu ist das Thema Korruption - anders als zum Beispiel Kinderarbeit - für den Verbraucher recht abstrakt.

Da sich der Vorwurf des Stimmenkaufs auf die WM 2006 beziehungsweise die WM-Vergabe im Jahr 2000 bezieht, glaubt auch André Bühler vom Deutschen Institut für Sportmarketing nicht an einen Ansehensverlust. "Das Image der derzeitigen DFB-Sponsoren wäre dann in Gefahr, wenn herauskommen sollte, dass der DFB als Institution irgendetwas vertuschen wollte", sagt Bühler. Zurzeit stünden aber eher (Ex-)Funktionäre wie Franz Beckenbauer oder Wolfgang Niersbach massiv in der Kritik. "Der DFB hingegen scheint durch die Beauftragung einer externen Prüfung ja an Aufklärung interessiert", betont Bühler.

Könnte der DFB künftig Probleme bekommen, Sponsoren zu finden?

Kritisch wird es nach Einschätzung von Fachleuten für den DFB erst, wenn sich Beweise für ein institutionelles Fehlverhalten des Verbandes ergeben. Derzeit sieht Sportmarketing-Experte Bühler eher das Image einzelner früherer oder heutiger Funktionäre in Gefahr. "Er dürfte bei stichhaltigen Beweisen als Testimonial für die werbetreibende Wirtschaft ausgedient haben", meint Bühler.

Sollten sich die Vorwürfe gegen einzelne Funktionäre bewahrheiten, hänge die künftige Außenwirkung des DFB maßgeblich davon ab, wie konsequent gegen diese Personen vorgegangen wird. "Ein zu lasches Vorgehen kann sich der DFB in einer Zeit, in der ganz genau hingeschaut wird, wer wen sponsert, nicht erlauben", betont Bühler. Dann müssten auch die Sponsoren einen klaren Standpunkt einnehmen und den DFB unter Druck setzen.