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Fußball

Deutsche als Interimsfraktion bei FIFA-Kongress

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Zürich (dpa) - Als sich die Funktionärswelt im Mai 2015 zum FIFA-Kongress in Zürich traf, war der deutsche Fußball noch die Instanz für eine moralische Wende im Weltverband. Neun Monate später steckt auch der DFB wegen des Sommermärchen-Skandals in der Krise. 

Wenn am Freitag ein Nachfolger für den gesperrten FIFA-Chef Joseph Blatter gewählt wird, bekleiden fast alle wichtigen deutschen Kongressteilnehmer nur ein Übergangsamt. Der deutsche Fußball präsentiert sich in der wichtigen Kongresswoche mit außerordentlichen Vollversammlungen der FIFA und der UEFA als Interimsfraktion.

REINHARD RAUBALL: Der DFB-Interimschef ist Delegationsleiter der deutschen Funktionäre in Zürich. Durch sein Engagement als Ligapräsident und Präsident von Borussia Dortmund ist er auf der internationalen Ebene respektiert. Sonderlich beliebt ist Rauball in FIFA-Kreise aber nicht. Zu oft äußerte der Jurist Fundamentalkritik an den Zuständen in Zürich und am umstrittenen WM-Gastgeber 2022, Katar. Die Kongresswoche in der Schweiz kommt für Rauball zudem reichlich ungelegen. Eine Woche vor der Präsentation des internen Freshfield-Reports zu den Machenschaften vor der WM-Vergabe 2006 hat Rauball auf nationaler Ebene genug um die Ohren.

RAINER KOCH: Auf seine Wurzeln im Amateurfußball ist der zweite DFB-Interimschef stolz. Der Jurist ist und bleibt ein Mann der Fußball-Basis. Koch ist aber auch ein begnadeter Strippenzieher und wird beim Auswärtsspiel auf internationalem Parkett sicherlich keine schlechte Figur abgeben. Doch es wird ein Intermezzo bleiben. Wenn die Nachfolgeregelung im DFB mit dem designierten Präsidenten Reinhard Grindel im April vollzogen ist, wird sich Koch wieder auf sein Kerngeschäft als Boss der bayrischen Fußballwelt und Justiz-Experte im DFB konzentrieren.

HELMUT SANDROCK/REINHARD GRINDEL: Generalsekretär Helmut Sandrock musste seine Kongressteilnahme wegen Krankheit kurzfristig absagen. Im Hallenstadion wird anstelle des wegen seiner Nähe zu Niersbach nicht unumstrittenen Funktionär nun der designierte Präsident Grindel als drittes Delegationsmitglied auf dem Platz mit dem Schild Germany sitzen. Der Schatzmeister kann somit schon einmal Kongressluft schnuppern. Zu klären wird die Frage sein, wer den deutschen Stimmzettel in die Wahlurne werfen kann. Dieses Privileg hatte zuletzt immer Sandrock gehabt. 

WOLFGANG NIERSBACH: Als Mitglied des Exekutivkomitees wird der wegen des Sommermärchen-Skandals zurückgetretene Ex-DFB-Boss auf dem Podium der Macht von FIFA und UEFA sitzen. Kaum glaubhaft: Seine Reputation soll durch die nationalen Wirren nicht gelitten haben, heißt es aus Kreisen des Weltverbandes. Zumindest eine gewisse Schadenfreude über den Absturz des Moralapostels ist aber vernehmbar. Die Funktionärszukunft hängt für Niersbach davon ab, wie die FIFA-Ethikkommission auf die Veröffentlichung des Freshfield-Reports reagiert und die Ermittlungen der Frankfurter Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung in der WM-Causa laufen.

KARL-HEINZ RUMMENIGGE: Noch steht der Bayern-Boss bei der UEFA in der zweiten Reihe. Doch der Einfluss Rummenigges als künftiges Exekutivmitglied wächst. Im Mai wird er in seiner Funktion als Chef der European Club Association, der Vereinigung der wichtigen Fußball-Clubs, offiziell in das Gremium aufrücken. Beim Kongress des Kontinentalverbandes am Donnerstag gehört er als sogenanntes co-optiertes Exekutiv-Mitglied zum erweiterten Zirkel der Macht dazu.

MARKUS KATTNER: Markus wer? Dem breiten Fußball-Publikum ist der Top-Funktionär des Weltverbandes unbekannt. In dieser Woche kommt dem gebürtigen Bayreuther eine besondere Rolle zu. Als Interims- Generalsekretär wird der 45-Jährige den Statuten gemäß durch den Kongress führen und auch den Namen des neu gewählten FIFA-Präsidenten verkünden.

Kattner gilt seit dem Radikalumbruch im Herbst als heimlicher Herrscher bei der FIFA, als Chef Blatter und Generalsekretär Jérôme Valcke ihre Büros räumen mussten. 2003 kam er als Finanzdirektor von der Unternehmensberatung McKinsey zum Weltverband. Verdachtsmomente über Verwicklungen in krumme Geschäfte gibt es gegen ihn nicht. Aber diverse dubiose Zahlungsflüsse beim Weltverband sollten ihm bekannt gewesen sein.