Sie haben Ihren Adblocker auf unserer Seite aktiviert. Bitte deaktivieren Sie diesen für SZ.de! mehr zum Thema

bedeckt München

Fußball

Brychs bescheidene Bilanz: Zwei Spiele trotz guter Noten

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Rio de Janeiro (dpa) - Die harten Regeln für WM-Schiedsrichter kannte Felix Brych schon vorher ganz genau. Und doch war das Turnier-Aus bitter.

Nach dem Halbfinal-Einzug der deutschen Nationalmannschaft konnte der Vorzeige-Referee des Deutschen Fußball-Bundes noch zwei Tage auf eine Ausnahmeregel hoffen. Erst am Sonntagabend (Ortszeit) wurde das Turnierende für den 38-Jährigen zur Gewissheit.

"Natürlich ist es schade, dass das Turnier für uns jetzt vorbei ist. Aber für mein Team und mich war die WM in Brasilien dennoch eine besondere Erfahrung und der bisherige Höhepunkt unserer Schiedsrichter-Karriere. Wir fahren mit einem guten Gefühl nach Hause", sagte Brych am Montag auf der Internetseite des DFB.

Gemeinsam mit 16 weiteren Schiedsrichtern ist die WM am Zuckerhut für Brych vorzeitig vorbei. Im Gegensatz zu anderen Vertretern der in diesem Sommer wieder einmal viel gescholtenen Gilde aber nicht wegen schlechter Leistungen, sondern wegen der FIFA-Länderregel.

Nur in großen Ausnahmefällen können Referees vom Halbfinale an im Turnier bleiben, wenn ihre Mannschaft noch um den WM-Sieg spielt. Diese Schiri-Wildcard gab die FIFA aber als Brasilien-Bonus an den einheimischen Sandro Ricci aus Poços de Caldas im Bundesstaat Minas Gerais. Auch der Spanier Carlos Velasco, der im Viertelfinale Brasilien gegen Kolumbien das Foul an Superstar Neymar nicht mit einer Gelben Karte geahndet hatte, darf noch auf einen weiteren Einsatz hoffen.

Brych dagegen muss das WM-Quartier der Schiedsrichter vor den Toren von Rio de Janeiro mit seinen Assistenten Mark Borsch und Stefan Lupp verlassen. Inmitten der heftigen und häufig auch unreflektierten Kritik an den WM-Schiedsrichtern hatte Brych einen ordentlichen Job gemacht. Die Gruppenspiele Costa Rica - Uruguay (3:1) in Fortaleza sowie Belgien - Russland (1:0) im Maracanã von Rio de Janeiro hatte Brych gut geleitet und freundliche Beurteilungen bekommen.

Auf einen dritten Einsatz hatte er hingegen in der K.o.-Runde vergeblich gewartet. "In beiden Partien hat das Gespann gute Leistungen gezeigt und daher sicherlich zumindest einen dritten Einsatz verdient gehabt. Darüber zu befinden ist allerdings allein Angelegenheit der FIFA", sagte der Chef der DFB-Schiedsrichterkommission, Herbert Fandel.

Gerade das zweite Spiel in Brasiliens Fußball-Heiligtum war keine leichte Aufgabe. Ein nicht gegebener Elfmeter für Russland war eine knifflige Entscheidung. Ob Brych wirklich richtig lag, war auch durch das Studium der TV-Bilder nicht zu klären. Entlastend wirkte, dass selbst die Russen nicht reklamierten. "Wenn es so viele Zweifel gibt, ist ein Schiedsrichter gut beraten, das Spiel weiterlaufen zu lassen", urteilte der deutsche Schiri-Boss Herbert Fandel.

Beim Achtelfinale zwischen Brasilien und Chile (3:2 i.E.) war Brych als Vierter Offizieller an der Seitenlinie im Einsatz. Diese Funktion hatte er auch schon beim Confederations Cup 2013 häufiger ausgeübt - unter anderem im Finale zwischen Brasilien und Spanien (3:0). Offenbar traut ihm die FIFA den deeskalierenden Job zwischen den Trainerbänken in besonderer Weise zu.

Grund für Gram gibt es bei Brych nicht. Nach einer turbulenten Saison mit dem Phantomtor des Leverkuseners Stefan Kießling hat er seine Zughörigkeit zu den weltbesten Referees zumindest untermauert. Und auch andere WM-Schiedsrichter kamen nur auf zwei Einsätze - wie beispielsweise Markus Merk beim Turnier 2002. Vier Jahre später durfte dieser nochmal ran. Gleiches ist für Brych nicht ausgeschlossen.

Und auch in diesem Jahr befindet er sich in guter Gesellschaft. Auch für den Niederländer Björn Kuipers und Nestor Pitana aus Argentinien ist die WM vorzeitig vorbei - für beide gilt, dass sie trotz guter Leistungen wegen der Erfolge ihrer Teams früher in den Sommerurlaub gehen müssen. Brych habe "das gleiche Schicksal ereilt, wie so viele gute Spitzenschiedsrichter aus Deutschland vor ihm. Dadurch, dass unsere Mannschaft bei den großen Turnieren regelmäßig zu den besten Teams gehört, müssen die deutschen Unparteiischen eben oftmals frühzeitig abreisen", urteilte Fandel.

Der Brasilianer Ricci ist durch seinen Verbleib ein heißer Kandidat für das Finale oder das Spiel um Platz 3 - je nachdem, welches Spiel die Seleçao nicht erreicht.