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Fechten

Deutschen Fechtern droht Olympia ohne Team-Teilnahme

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Bonn (dpa) - Nach dem nächsten sportlichen Tiefschlag drohen Deutschlands Fechtern erstmals Olympische Spiele ohne Team-Event.

Die Florettherren um den viermaligen Einzel-Weltmeister Peter Joppich und Peking-Gewinner Benjamin Kleibrink vergaben ihre Mini-Chance mit dem 41:45 im Viertelfinale beim Heim-Weltcup in Bonn gegen Europameister Frankreich. Team-Bronze wie noch 2012 in London wird es mit dem Florett in Rio de Janeiro nicht geben.

Der neue Präsident des Deutschen Fechter-Bundes kommentierte das Aus mit resigniertem Unterton. "Wir werden in Brasilien nur mit einer kleinen Mannschaft vertreten sein", sagte Dieter Lammer. Nach aktuellem Stand der Qualifikation sind es wohl vier Einzelstarter: Säbel-Ass Max Hartung und ein zweiter Deutscher mit dieser Waffe, Joppich und die ehemalige Florett-WM-Zweite Carolin Golubytskyi.

Nutzen die Degenherren am kommenden Wochenende in Vancouver ihre letzte Chance ebenfalls nicht, wäre das Debakel perfekt. Dann fänden olympische Fechtwettbewerbe nach jetzigem Modus erstmals ohne deutsche Teams statt. "Das wäre dann schon eine maßlose Enttäuschung", bemerkte Sportdirektor Sven Ressel.

Nachdem schon die einst so erfolgreichen Degendamen um Peking-Olympiasiegerin Britta Heidemann den Team-Start in Brasilien nicht geschafft hatten, will der DFeB schnell den Umbruch starten. "Wir haben uns zu lange von unseren Topathleten ernährt", meinte der enttäuschte Florett-Bundestrainer Uli Schreck. Spätestens jetzt soll der Verband "voll auf die Jugend setzen. Dann können wir vielleicht 2024 wieder richtig wettbewerbsfähig sein", meinte der Team-Olympiasieger von 1992.

Seine Jungs machten es am Sonntag in der Hardtberghalle extrem spannend. Den direkten Konkurrenten Großbritannien besiegten Joppich, der im Einzel als 19. bester Deutscher war, Kleibrink, Sebastian Bachmann und André Sanita unter den Top 16 noch mit 41:40 im "Sudden Death" - doch gegen die für Rio qualifizierten Franzosen war das "kleine notwendige Wunder", von dem Schreck vorher sprach, schnell vorbei.

Lammer, erst vor einer Woche zum Verbandschef gekürt, will nicht lange warten, um seine Fechter wieder hoffähig zu machen. Der Kriminalbeamte aus Tauberbischofsheim kündigte schon mit seiner Amtsübernahme an, "über alles reden" zu wollen. Lammer möchte die Leistungssport-, Ausbildungs- und Trainerstrukturen einer kompletten Überprüfung unterziehen. Uli Schreck indes sieht dabei einen hohen Zeitfaktor: "Das wird ein langer Prozess."