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Biathlon

Greis vor der Berufswahl: «Weiß ich noch nicht genau»

Direkt aus dem dpa-Newskanal

München (dpa) - Zehn Jahre nach seinem Gold-Hattrick bei Olympia in Turin ist Michael Greis auf der Suche nach dem richtigen Beruf. Der mittlerweile 39-Jährige schreibt gerade seine Bachelor-Arbeit. "Wo es genau hingeht, weiß ich noch nicht genau", sagt er. Auf jeden Fall soll der Beruf Spaß machen.

Mit zumindest einer Medaille in Turin hatte der Allgäuer 2006 gerechnet. "Ich bin runtergefahren, um eine Medaille zu gewinnen. Definitiv. Und ich habe mir gedacht: Je weiter oben auf dem Podest, umso besser." Am Ende wurde es ein Triumphzug: "Und so habe ich die Heimreise mit drei Goldmedaillen antreten dürfen. Was natürlich historisch und sensationell war."

Erinnern Sie sich noch an den 11. Februar 2006?

Michael Greis: Natürlich, den Tag werde ich nie vergessen. Als es geschafft war, war da Freude pur. Ich wusste, dass sich meine Investition in den Sport ausgezahlt hat.

Hand auf's Herz. Mit welchen Erwartungen sind Sie zu den Olympischen Spielen nach Turin gefahren?

Greis: Ich wusste, dass ich best möglichst vorbereitet war. Ich wusste, dass ich alles gemacht habe, um erfolgreich zu sein. Ich bin runtergefahren, um eine Medaille zu gewinnen. Definitiv. Und ich habe mir gedacht: Je weiter oben auf dem Podest, umso besser. Das ist doch ganz klar. Ich habe mich auf Olympia gefreut.

Hatten Sie alles auf den Einzel-Wettkampf gesetzt?

Greis: Das Einzel, das war der Wettkampf, den man kontrolliert angehen kann, für den man sich eine Taktik zurechtlegen kann, der im Kopf entschieden wird. Ich hatte zu dem Zeitpunkt ja auch das Rote Trikot in der Einzelwertung. Ich wusste also, es passt läuferisch. Und wenn ich im Schießen gut durchkomme, dass sich was ergeben konnte. Die Medaille habe ich irgendwie geplant. Das war für mich die Initialzündung.

14 Tage später waren Sie sogar dreimaliger Olympiasieger.

Greis: Stopp! Erst einmal war es cool, dass wir mit einer tollen Mannschaftsleistung Gold in der Staffel geholt haben. Das war das Zuckerl.

Und dann kam der 21. Februar, der Massenstart.

Greis: Wenn man zwei Wochen Olympia hinter sich hat, ist man kaputt und irgendwie in Gedanken bei der Abreise. Das hat man dann auch gemerkt. Beim letzten Schießen haben Tomasz Sikora und Ole Einar Björndalen Fehler geschossen, und die Chance habe ich genutzt. Und so habe ich die Heimreise mit drei Goldmedaillen antreten dürfen. Was natürlich historisch und sensationell war.

Was hat sich dadurch in ihrem Leben geändert?

Greis: Damals war für mich die sportliche Weiterentwicklung wichtig. Ich wollte mich nicht als Olympiasieger feiern lassen und keine Leistung mehr bringen.

Einfach war das aber nicht. Oder?

Greis: Diese Resonanz auf das Gold war der Wahnsinn. Die mediale Aufmerksamkeit war eine komplett andere. Aber es hat definitiv auch Spaß gemacht. Das ist ja irgendwie auch eine Würdigung der sportlichen Leistung. Dass die Leistung wertgeschätzt wird. Und das war bei mir in einem abartigen Maß der Fall.

Also doch zuviel des Guten?

Greis: Man merkt, dass Olympische Spiele etwas ganz besonderes sind. Weltmeister gibt es viele, aber Olympiasieger ist noch eine Stufe höher. Wenn man sagt, man ist Olympiasieger, da kann jeder etwas damit anfangen - auf der ganzen Welt. Olympiasieger, das ist gewissermaßen ein geschützter Name.

Und Millionär sind Sie ja auch geworden.

Greis: Meine Kontoanzüge habe ich noch nicht angeschaut. Im Ernst, Olympia-Gold wirkt sich natürlich wirtschaftlich aus. Ich hatte schon vor Turin tolle Partner, mit denen ich weitergemacht habe. Und neue Partner sind dazugekommen. Da ist der sportliche Erfolg natürlich der treibende Faktor.

Dann haben Sie ja ausgesorgt, hätten gar nicht studieren müssen?

Greis: Aus der Vergangenheit weiß man, ganz egal wie viel man verdient, es hängt immer vom Lebensstil ab, den man sich leistet. So wie ich mich im Sport über Leistung definiert habe, so möchte ich mich auch jetzt in einer gewissen Art und Weise qualifizieren. Und da ist das Studium die Basis. Wichtig ist, dass ich später einen Job mache, der mir Spaß macht.

Sie schreiben gerade ihre Bachelor-Arbeit. Was haben Sie sich vorgestellt?

Greis: Wo es genau hingeht, weiß ich noch nicht genau. Klar, der Sport ist meine Leidenschaft, das wäre sicherlich eine Perspektive, die Option, die ich mir gerne offen lassen würde.

Also könnte Michael Greis sein Wissen irgendwann auch einmal als Bundestrainer weitergeben?

Greis: Eher nicht, sonst wäre ich direkt eingestiegen. Aber ausschließen soll man nie etwas. Es kann in alle Richtungen gehen. Auch abseits vom Sport. Mal sehen, was auf mich zukommt.

Zur Person: Michael Greis ist dreimaliger Olympiasieger. 2006 gewann der 39-Jährige drei Mal Biathlon-Gold. Im Jahr darauf sicherte sich der Allgäuer die Weltcup-Gesamtwertung und den WM-Titel im Massenstart. Insgesamt hat er elf Weltcup-Rennen gewonnen. Momentan studiert Greis in Ansbach "International Management", schreibt seine Bachelor-Arbeit