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Parteien - Hamburg

Hoher Andrang auf Parteimitgliedschaft nach Bundestagswahl

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Hamburg (dpa/lno) - Die Bundestagswahl beflügelt Hamburgs Bürger offensichtlich zum Eintritt in eine Partei. So verzeichneten SPD, Grüne, Linke und FDP seit dem Wahlsonntag überdurchschnittlich viele Neumitglieder, wie eine Umfrage der Deutschen Presse-Agentur unter allen in der Bürgerschaft vertretenen Parteien ergab. Die CDU meldete viele Neueintritte während des Wahlkampfs, allerdings keinen signifikanten Anstieg in der ersten Woche seit der Bundestagswahl. Die AfD reagierte zunächst nicht auf die Anfrage.

Die SPD Hamburg - mit rund 11 300 Mitgliedern die größte Partei in der Hansestadt - verzeichnete nach eigenen Angaben 130 Neueintritte, 125 davon online. Bundesweit seien es mehr als 2800. "Das Wahlergebnis mobilisiert jetzt offenbar Bürgerinnen und Bürger, politisch aktiv zu werden und Haltung zu zeigen", sagte Hamburgs SPD-Chef Olaf Scholz. Viele wollten dies gemeinsam mit der SPD tun. "Das freut mich besonders."

Bei der Bundestagswahl hatte die SPD eine krachende Niederlage erlitten. Sowohl im Bund mit 20,5 Prozent als auch in Hamburg mit 23,5 Prozent fuhren die Sozialdemokraten ihr schlechtestes Zweitstimmenergebnis seit 1949 ein. Auch die Union verlor in der Hansestadt, allerdings nicht ganz so viel wie die SPD. CDU und CSU kamen im Bund auf 32,9 Prozent, in Hamburg schaffte die CDU 27,2 Prozent. Gewinner der Wahl waren die kleinen Parteien Grüne, FDP, Linke und AfD, die sämtlich zulegten.

"Im Zuge des Wahlkampfes konnte die CDU Hamburg zahlreiche Neueintritte verzeichnen, was in Wahlkämpfen bei uns nicht unüblich ist", sagte ein Parteisprecher. Seit dem Wahlsonntag habe es darüber hinaus jedoch keinen signifikanten Anstieg von Neumitgliedern gegeben. Die Mitgliederzahl bezifferte der Sprecher zum Stichtag 31. Dezember 2016 auf rund 7100.

Bei den Grünen mit ihren rund 1650 Mitgliedern seien seit dem Wahlsonntag rund 50 Mitgliedsanträge oder Interessensbekundungen für eine Mitgliedschaft eingegangen. Das sei ungewöhnlich viel. "Viele Menschen sind nicht bereit, den Einzug der AfD in den Bundestag einfach hinzunehmen. Mit ihrem Engagement bei uns wollen sie dem etwas entgegensetzen", sagte Parteichefin Anna Gallina. Andere wiederum wollten die Grünen bei möglichen Koalitionsverhandlungen stärken, und träten deshalb der Partei bei. "Es gibt im Moment sehr viele gute Gründe für politisches Engagement."

Auch die Linken verzeichneten zahlreiche Neueintritte. So sei die Zahl der Mitglieder seit dem 1. Juli um 128 auf 1537 gestiegen. Allein seit dem Wahlabend seien es 55 gewesen. "Die Linke ist die einzige politische Kraft im Deutschen Bundestag, die entschieden für soziale Gerechtigkeit kämpft und erhält deswegen auch mehr Zuspruch - auch durch viele neue Mitglieder", sagte Landesgeschäftsführer Martin Wittmaack. "Wir freuen uns, wissen aber auch, dass dies angesichts der gestärkten politischen Rechten in diesem Land ein große Herausforderung ist."

Die rund 1400 Mitglieder zählende FDP freut sich ebenfalls über ungewöhnlich viele Neumitglieder. Allein in den ersten beiden Tagen nach der Wahl seien rund 20 Aufnahmeanträge eingegangen, sagte ein Sprecher. "Dies ist mehr als in der Vergangenheit und das, obwohl wir in den vergangenen zwei Jahren bereits einen großen Mitgliederzuwachs verzeichnen konnten."