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Konflikte

Demonstranten in Pakistan stürmen staatlichen Fernsehsender

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Islamabad (dpa) - Regierungskritische Demonstranten in Pakistan haben den staatlichen Fernsehsender PTV in Islamabad gestürmt und eine vorübergehende Sendpause erzwungen.

Die rund 1000 Demonstranten wurden am Montag anschließend von Soldaten aus dem Gebäude gedrängt, wie Informationsminister Pervaiz Rashid sagte. Der Sender habe nach gut einer halben Stunde den Betrieb wieder aufgenommen.

Die Demonstranten fordern den Rücktritt von Premierminister Nawaz Sharif, dem sie Wahlbetrug vorwerfen.

Der Chef des mächtigen Militärs, General Raheel Sharif, kam am Montag zu einer Krisensitzung mit dem Regierungschef zusammen. Der private Sender Dunya TV meldete, der Armeechef habe den Premierminister aufgefordert, das Amt 90 Tage ruhen zu lassen, um eine unabhängige Untersuchung der Betrugsvorwürfe zu gewährleisten. Die Armee nannte den Bericht "vollkommen ohne Grundlage". Weitere Mitteilung zu dem Krisengespräch machten weder Armee noch Regierung.

Die Armee hatte am Sonntagabend zu einer politischen Lösung des Konflikts aufgerufen, "ohne Zeit zu verschwenden und ohne Gewalt anzuwenden". Weiter hieß es in der Mitteilung: "Die Armee bleibt ihrer Rolle verpflichtet, die Sicherheit des Staates zu gewährleisten."

Die eskalierende Gewalt hat Sorge vor einem Eingreifen des Militärs geschürt, das in der Vergangenheit bereits häufiger geputscht hat. Das Verfassungsgericht rief am Montag zu einer verfassungskonformen Lösung der eskalierenden Krise auf.

Die vom Oppositionspolitiker Imran Khan und dem Prediger Tahirul Qadri angeführten Proteste dauern seit dem Unabhängigkeitstag am 14. August an. Sharif lehnt einen Rücktritt ab.

Khan wirft Sharif vor, die Parlamentswahl im Mai vergangenen Jahres durch Betrug gewonnen zu haben. Qadri fordert den Rücktritt der Zentral- und der Provinzregierungen. Dann soll eine Übergangsregierung das Wahlsystem reformieren und Neuwahlen ausrufen.

Die Polizei teilte mit, rund einen Kilometer von der Residenz Sharifs entfernt sei es am Montag wieder zu Zusammenstößen von rund 3000 Demonstranten mit Sicherheitskräften gekommen. Nach Krankenhausangaben wurde ein Polizist verletzt. Am Wochenende waren mindestens drei Menschen getötet und mehr als 500 verletzt worden, als Demonstranten versuchten, zu Sharifs Residenz vorzudringen.

Mehr als 40 000 Sicherheitskräfte sind im Einsatz, um das Regierungsviertel zu schützen. Die Demonstranten hatten zunächst friedlich vor dem Parlament ausgeharrt, bis Khan und Qadri sie am Wochenende dazu aufriefen, zu Sharifs Residenz vorzudringen.