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Kirche

Bewegende Versöhnungsfeier mit Kriegsopfern und Papst

Kirche

Ein ehemaliger Rebellenkämpfer, der seine linke Hand verloren hat, unterhält sich während des Versöhnungstreffens in Villavicencio mit Papst Franziskus. Foto: Andrew Medichini

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Villavicencio (dpa) - Es war einer der Höhepunkte des Besuchs von Papst Franziskus in Kolumbien: Mit rund 6000 Opfern des blutigen Konflikts hat er bei einem Versöhnungsakt in der Konfliktregion Villavicencio für einen Neubeginn in Frieden geworben.

Vier Personen erzählten aus unterschiedlichen Perspektiven ihre Verwicklung in den Konflikt: Ein Ex-Guerillakämpfer, ein früheres Mitglied der rechten Paramilitärs, ein Opfer einer Antipersonen-Mine und eine Frau, deren Mann und zwei Kinder ermordet worden waren. Seit 1964 starben über 220.000 Menschen, 7,5 Millionen wurden vertrieben - Franziskus legte weiße Rosen am Kreuz der Versöhnung zu Ehren aller Oopfer nieder.

"Auch wenn Konflikte, Gewalt oder Rachegefühle fortbestehen, dürfen wir nicht verhindern, dass Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sich umarmen und so die Leidensgeschichte Kolumbiens auffangen", sagte der Papst. Er warb trotz der Verbrechen um Vergebung. "Heilen wir diesen Schmerz und nehmen wir jeden Menschen auf, der Straftaten begangen hat, sie bekennt, bereut und sich zur Wiedergutmachung verpflichtet, indem er zum Aufbau der neuen Ordnung beiträgt." Zwei kleine Jungen und zwei Mädchen überreichten ihm zwei Setzlinge zum segnen, damit sie als Bäume im "Wald der Aussöhnung" angepflanzt werden. Einen Baum pflanzte Franziskus symbolisch selbst ein und griff zu einem Spaten. Kinder - als Zukunft Kolumbiens - gossen die Erde.

"Wir wollen eine Zukunft in Frieden", sagt eines der Mädchen zu Franziskus. Präsident Juan Manuel Santos - im weißen Hemd - dankte Franziskus für seinen Einsatz um Aussöhnung. Santos hatte für die vom Vatikan unterstützen Friedensverhandlungen mit der linken Farc-Guerilla 2016 den Friedensnobelpreis erhalten. Tausende Menschen nahmen ganz in weiß an der bewegenden Versöhnungszeremonie teil.

Als Symbol des Aussöhnungsprozesses segnete Franziskus den schwarzen Christus von Bojayá und widmete ihm ein Gebet. Der verstümmelte Holzkorpus, dessen Arme und Beine abgerissen worden waren, war im Mai 2002 zwischen Leichen auf dem Boden einer Kirche in Bojayá entdeckt worden. Bei einer Bombenattacke der Farc starben in der Kirche in der abgelegenen Regenwaldregion im Department Chocó rund 100 Menschen.

Über zwei Millionen Menschen waren in den vergangenen Tagen bei den Messen und an den Wegstrecken des Papamobils dabei. Bei einer Messe mit 600.000 Menschen in Villavicencio sprach Franziskus den Bischof Jesús Emilio Jaramillo und den Priester Pedro María Ramírez selig.

Jaramillo war Bischof der Diözese Arauca, als er 1989 von der ELN-Guerilla entführt und ermordet wurde. Ramírez war bereits im Jahr 1948 ermordet worden. Kurz vor dem Papstbesuch erklärte sich auch die ELN als letzte verbliebene Guerillagruppe zu einer Waffenruhe bereit, seit Februar werden auch mit der ELN-Guerilla Friedensgespräche geführt. Mit Besuchen in Medellín und Cartagena geht am Wochenende der erste Papstbesuch seit 1986 in Kolumbien zu Ende.