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Kirche - Münster

Kirchenkritiker und Buchautor Horst Herrmann gestorben

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Münster (dpa) - Der Kirchenkritiker Horst Herrmann ist tot. Der Theologe, Rechtswissenschaftler und Soziologe ist im Alter von 77 Jahren bereits am 19. September in Süddeutschland gestorben. Das bestätigte seine Frau Barbara am Samstag der Deutschen Presse-Agentur. "Mein Mann ist am Schreibtisch bei der Arbeit plötzlich und überraschend eingeschlafen", sagte Herrmann.

Heinrich Tenhumberg erkannte als Bischof von Münster Hermann 1975 die Lehrerlaubnis als Theologie-Professor (Missio canonica) ab. Auch die nächsten beiden kirchlichen Instanzen, das sogenannte Lehrbeanstandungsverfahren vor der Deutschen Bischofskonferenz (1977) und die Berufung bei der vatikanischen Glaubenskongregation bestätigten die Maßregelung. Dem katholischen Theologen, Priester und Buchautor ("Die sieben Todsünden der Kirche", "Allgemeinbildung für Dummies") wurde eine Verfälschung der kirchlichen Lehren vom unfehlbaren Lehramt der Kirche, von der Unauflöslichkeit der Ehe und vom Fortleben Jesu Christi in der Kirche vorgeworfen.

Der 1940 in Schruns im heutigen Österreich geborene Herrmann war kein Einzelfall. Zahlreichen katholischen Theologen wurde die Lehrerlaubnis entzogen, so Hans Küng (1979), Eugen Drewermann (1991) oder Uta Ranke-Heinemann (1987).

Nach seinem Bruch mit der katholischen Amtskirche lehrte Herrmann bis 2005 als Soziologie-Professor an der Uni Münster. Bis 1975 stand der Priester als Dekan dem Fachbereich Katholische Theologie vor. Als Autor schrieb er zahlreiche Bücher, darunter neben den Kirchenkritiken auch Ratgeber, Biografien und Krimis. Herrmann war Mitglied des Schriftstellerverbandes PEN Deutschland.