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Ausbildung - Berlin

Öffentlicher Dienst: Mehr Azubis mit ausländischen Wurzeln

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa/bb) - Der öffentliche Dienst Berlins und die landeseigenen Betriebe haben im vergangenen Jahr so viele Azubis mit ausländischen Wurzeln eingestellt wie noch nie. 547 der 2186 neuen Auszubildenden hatten Migrationshintergrund - fast genau ein Viertel (25,1 Prozent). 2015 hatte die Quote noch bei 21,4 Prozent gelegen. Seinerzeit waren 420 von 1960 Auszubildenden nichtdeutscher Herkunft.

Allerdings gibt die neue Statistik nach den Worten von Arbeits- und Integrationssenatorin Elke Breitenbach nicht nur Anlass zur Freude. Denn bei etlichen Behörden und Landesbetrieben stagniere die Quote oder sei sogar zurückgegangen. "Die Zielmarke von 25 Prozent wird tatsächlich nur von wenigen erreicht", sagte die Linke-Politikerin am Freitag. "Wir sind auf dem richtigen weg, müssen aber an einigen Stellen noch mal anschubsen."

Ein "Leuchtturm", wie es Breitenbach nannte, war die Polizei: Sie stellte mit 32,1 Prozent einen überdurchschnittlich hohen und auch in absoluten Zahlen wachsenden Anteil junger Leute nichtdeutscher Herkunft ein. Als positive Beispiele nannte die Senatorin auch die Bezirksämter Friedrichshain-Kreuzberg (57,1 Prozent), Tempelhof-Schöneberg (27,8) und Neukölln (26,7) sowie unter den Betrieben das Vivantes-Klinikum (48,0).

Unter dem Durchschnitt lagen dagegen etwa die Bezirksämter Treptow-Köpenick (0,0 nach 5,6 im Jahr 2015) und Lichtenberg (8,3 nach 5,0 in 2015), die Humboldt-Universität (4,2 nach 14,8 in 2015) und die Senatsinnenverwaltung (7,0 nach 16,2 in 2015), BVG (16,2) und BSR (17,6).

Der Integrationsbeauftragte Andreas Germershausen verwies darauf, dass in Berlin etwa 28 Prozent der Bevölkerung Migrationshintergrund haben. Bei den jungen Menschen bis 18 liege der Anteil sogar bei mehr als 40 Prozent. Vor diesem Hintergrund könne Berlin bei der Ausbildung "nach oben noch besser werden".

Ein Problem sei, dass gerade Abgänger integrierter Sekundarschulen aus Familien mit hoher Arbeitslosigkeit oft nicht in der Berufsausbildung ankämen. Diese nähmen zwar an der Berufsorientierung in der Schule teil, scheiterten dann aber - etwa wegen Sprachproblemen - an den Einstellungstests.

In Zusammenarbeit mit einigen Landesbetrieben wurde deshalb ein Projekt gestartet, das 60 Lehrstellen ohne diesen förmlichen Test als Einstellungsvoraussetzung vergibt. "Das soll die Qualität der Ausbildung nicht schmälern, aber den Zugang vereinfachen", so Germershausen.

Eine zusätzliche Herausforderung sind die vielen Flüchtlinge, die zuletzt nach Berlin gekommen sind. Haupthindernis für eine Lehre seien fehlende Sprachkenntnisse, sagte Breitenbach. Das Land wolle deshalb mit verschiedenen Branchen darüber reden, wie Hilfsangebote und berufsbezogene Sprachkurse verbessert werden könnten. Die Integration der Flüchtlinge in den Arbeits- und Ausbildungsmarkt werde "ein schwieriger Weg", so Breitenbach.