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Schulen - Berlin

Mehr Schüler und Lehrer-Quereinsteiger an Berliner Schulen

Direkt aus dem dpa-Newskanal

Berlin (dpa/bb) - Wegen des bundesweiten Lehrermangels kann Berlin nach den Worten von Bildungssenatorin Sandra Scheeres nicht auf qualifizierte Seiteneinsteiger verzichten. "Wir werden weiter mit Quereinsteigern im Lehrerberuf arbeiten", kündigte die SPD-Politikerin am Donnerstag an. Berlin müsse sich gegen starke Konkurrenz anderer Bundesländer behaupten. Das habe zum neuen Schuljahr gut funktioniert: Denn im Gegensatz zu anderen Ländern sei es der Hauptstadt gelungen, alle freien Lehrerstellen zu besetzen.

Berlin stellte in diesem Jahr 3000 neue Lehrkräfte ein - allein 2000 zum neuen Schuljahr, das am kommenden Montag (4. September) beginnt. Darunter waren so viele Seiteneinsteiger wie noch nie: Zwei Fünftel (41 Prozent) der neuen Lehrer - insgesamt 1247 - wechselten aus anderen Berufen an die Schulen. Insgesamt erhöhte sich der Anteil dieser Lehrkräfte an den Grundschulen auf 6 Prozent, an den Sekundarschulen auf 4 Prozent und an den Gymnasien auf 1,7 Prozent.

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) Berlin zeigte sich besorgt. Scheeres scheine die Auswirkungen des Fachkräftemangels auf die Qualität der Berliner Schulen nicht ernst genug zu nehmen, erklärte der Landesvorsitzende Tom Erdmann. Quereinsteiger hätten eine extrem hohe Arbeitsbelastung durch ihre berufsbegleitende Ausbildung, auch für die Schulen sei die Situation schwierig.

Die Senatorin wies die Bedenken zurück. Viele der Betreffenden hätten zuvor etwa an Hochschulen, Instituten, im künstlerischen oder im Sportbereich gearbeitet. Ein Teil sei auch schon als Vertretungslehrer im Einsatz gewesen.

Dass Berlin eine wachsende Stadt ist, schlägt sich auch in den Schulen nieder. Im neuen Schuljahr 2017/2018 lernen an den allgemeinbildenden und beruflichen Schulen 441 330 Schüler. Das sind 6700 mehr als zuletzt, wie Scheeres mitteilte. Gleichzeitig steigt die Zahl der Lehrer auf 33 383.

Die Senatorin verwies darauf, dass der Bedarf absehbar auch in den kommenden Jahren steigen werde. Daher seien Ausbildungskapazitäten erhöht worden. Zudem hoffe man, dass die verbesserte Bezahlung für Grundschullehrer dabei helfe, auch künftig genügend Bewerber zu finden.

Ein leichtes Minus gibt es bei den Erstklässlern, die erst am 9. September eingeschult werden und dann am 11. September mit dem Unterricht starten. Die Bildungsverwaltung geht von 31 880 Abc-Schützen aus. Das sind 46 weniger als im vergangenen Schuljahr.

Wie Scheeres weiter sagte, lernen derzeit 20 000 Flüchtlingskinder und -jugendliche an Berliner Schulen, viele in Willkommensklassen. "Dies war eine Riesenherausforderung", sagte die Senatorin. Allein 1200 Lehrkräfte seien für diesen Bereich eingestellt worden. Mittlerweile seien 250 davon fest übernommen worden. "Wir sind damit einer Forderung der Gewerkschaften nachgekommen, personelle Ressourcen der Willkommensklassen in das reguläre Schulsystem zu übernehmen", sagte Scheeres. Auch dabei handele es sich zumeist um Seiteneinsteiger.

Ein Problem ist der marode Zustand vieler Schulen. Bis 2026 will der rot-rot-grüne Senat deshalb 5,5 Milliarden Euro investieren, um Schulen zu sanieren und 42 Neubauten zu realisieren. "Schulsanierung und Schulbau hat für uns in der Koalition Priorität", versicherte die Senatorin. Um einen besseren Überblick über den Bedarf und eine bessere Koordinierung zu erreichen, werde nun eine "ständige Projektgruppe" eingesetzt.