Zweite Stammstrecke vor dem Aus Anpacken statt rumstreiten

Nicht der Münchner OB ist für den Ausbau der S-Bahn zuständig, sondern Bayern und der Bund. Sollte die zweite Stammstrecke scheitern, tragen Horst Seehofer und Peter Ramsauer ein gehöriges Maß an Mitschuld. Jetzt muss in Berlin eine Lösung gefunden werden - zum Beispiel über eine Pkw-Maut.

Ein Kommentar von Marco Völklein

Um es noch einmal zu sagen: Auch wenn viele Fahrgäste meinen, der Münchner Oberbürgermeister sei für die S-Bahn zuständig, Ausbau und Betrieb der S-Bahn sind Aufgabe des Freistaats. Und der erhält, wenn alles klappt, ausreichend Geld vom Bund, um diese Aufgabe meistern zu können. Doch genau daran hapert es derzeit: Der Bund ist so klamm, dass er seinen Beitrag zur geplanten zweiten S-Bahn-Stammstrecke nicht leisten kann. So einfach ist das.

Alles andere sind Rückzugsgefechte, Schein-Debatten und Schwarze-Peter-Spiele. Insbesondere in der CSU gibt es derzeit einige, die dennoch diese Spielchen spielen - denn deren Protagonisten wie Horst Seehofer oder Peter Ramsauer tragen ein gehöriges Maß an Mitschuld am Scheitern des Projekts. Auch das ist eine einfache Wahrheit, die gesagt gehört.

Und damit muss dann auch mal Schluss sein mit dem ewigen Streit um den zweiten Tunnel. Man kann das Gezeter und Gezerre nicht mehr hören.

Anpacken statt rumstreiten ist jetzt angesagt. Insbesondere in Berlin müssten Seehofer, Ramsauer und die anderen schwarz-gelben Verkehrspolitiker eine Lösung finden, um den immensen Investitionsstau aufzulösen - etwa über eine Pkw-Maut.

Das Geld braucht nicht nur München; auch in anderen Städten fehlt es für den Ausbau des Schienennahverkehrs. München allerdings weist - neben einigen anderen Kommunen vor allem im Süden Deutschlands - eine Besonderheit auf: Die Region wird in den nächsten Jahren weiter Bevölkerung anziehen. Und damit wächst die Verkehrsbelastung. Der Bund muss daher auf diese Region ganz besonders schauen.