Zuschüsse für Kultureinrichtungen Am Tropf

Lorin Maazel bei seinem Antrittskonzert bei den Philharmonikern im September

(Foto: Münchner Philharmoniker)

Bei den Philharmonikern zahlt die Stadt pro Besucher 98 Euro drauf, beim Volkstheater 48 Euro: Ohne Zuschüsse könnten die meisten städtischen Freizeit- und Kultureinrichtungen nicht überleben. Wer wieviel Geld aus der Stadtkasse bekommt.

Von Katja Riedel

Der Laden müsste eigentlich längst dichtmachen: Nur acht bis zehn Prozent der Gesamtkosten kann er erwirtschaften. Doch der "Laden" ist gar keiner, es handelt sich um die Münchner Stadtbibliothek, die größte in Deutschland. Dicht machen muss sie nicht, denn die Landeshauptstadt subventioniert sie mit etwa 35,5 Millionen jährlich - pro entliehenem Buch, Film oder Hörspiel sind das 2,69 Euro.

Wer wie viel Geld aus der Stadtkasse bekommt, das stellte Kämmerer Ernst Wolowicz am Freitag vor - und betont, dass er niemanden "auf die Anklagebank setzen" wolle. Es handele sich um "ganz bewusste politische Entscheidungen", Einrichtungen kultureller und sozialer Art zu fördern, die ihre Kosten niemals vollständig erwirtschaften könnten. Dennoch will die Kämmerei Transparenz schaffen, für die Münchner, die das alles über ihre Steuern bezahlen - mit der Broschüre "Leistungen und Gebühren 2013", die auch für Laien weit spannender ist, als der dröge Titel vermuten lässt. Man sieht zum Beispiel auf einen Blick, wie unterschiedlich rentabel die städtischen Kultureinrichtungen arbeiten - und wie unterschiedlich sie beim Publikum ankommen.

Bei den Münchner Philharmonikern etwa zahlte die Stadt 2010 und 2011 pro Besucher zwischen 103 und 98 Euro drauf. Die eigenen Einnahmen hätten im Jahr 2011 nur für 27,5 Prozent des Budgets gereicht. Ohne Zuschüsse wäre jede Karte etwa 100 Euro teurer. Wie viele Besucher für ihre Karte voll gezahlt haben, führt die Philharmonie nicht auf. Genauso bedeckt halten sich die Kammerspiele, die ebenfalls nicht zwischen Besuchern und verkauften Karten unterscheiden. Sie können 2011 mit ihren Einnahmen nur 14 Prozent der Kosten selbst decken. Sie haben damit den mit Abstand schlechtesten Deckungsgrad der Münchner Bühnen, die städtische Zuschüsse bekommen.

Für Kammerspiele, Otto-Falckenberg-Schauspielschule und Theater der Jugend zahlt die Stadt an die Kammerspiele insgesamt fast 32 Millionen Euro. Im Schauspielhaus sind etwa 70 Prozent der Plätze pro Vorstellung besetzt - wie viele Freikarten dazu zählen, wolle die Kämmerei künftig wissen, um dies dem Stadtrat offenzulegen, sagte Wolowicz.

Klarer Gewinner in punkto Wirtschaftlichkeit ist das Deutsche Theater: Mit nur 3,2 Millionen Euro Zuschüssen, 14,30 Euro pro Besucher, glänzt das Haus, das derzeit ohne feste Spielstätte ist. 66,2 Prozent der Betriebskosten kann es durch Einnahmen selbst stemmen. Mit 55 Prozent Besucher- und 46 Prozent Kaufauslastung steht das Theater 2011 gut da - obwohl es im provisorischen Zelt am Stadtrand spielt.

Bundesweit könnten städtische Bühnen meist nur weniger als 20 Prozent der Kosten reinholen, sagt Wolowicz. Damit steht auch das Volkstheater vergleichsweise gut da, das 2011 immerhin 26,4 Prozent der Kosten erwirtschaftete - und mit sehr hohen Besucherzahlen aufwartet: 87 Prozent Auslastung, 80 Prozent durch verkaufte Karten.

Weit besser als Kulturbetriebe schafft es der Tierpark Hellabrunn, seine Betriebskosten durch Eintrittsgelder und andere Einnahmen zu finanzieren. 2011 hat der Zoo bei etwa zwei Millionen Euro Zuschuss sogar 1,8 Prozent Plus gemacht, das Geld landet nun im Investitionstopf. Aufgrund zahlreicher Umbauprojekte kommt der Tierpark die Landeshauptstadt übrigens dann doch noch teuer zu stehen, was jedoch nicht in der Broschüre aufgeführt ist, wie Kämmerer Wolowicz einräumt.

Interessant sind auch Vergleiche mit Sozialeinrichtungen, die gemeinhin als teuer gelten: Die städtischen Kindertagesstätten etwa, bei denen ein Viertel der Eltern gar keine Beiträge zahlen müssen, da sie sehr wenig verdienen, schaffen es immerhin, 14,3 Prozent der Kosten zu bestreiten. Der Rest sind Zuschüsse von Stadt (188 Millionen für den Betrieb), Land und Bund. Auch bei dem Familienpass für die Ferien tragen Eltern selbst einen hohen Anteil, nämlich fast 37 Prozent.

Etwas überraschend sind die Betriebskostenzuschüsse für den Olympiapark. 15,9 Millionen Euro hat die Stadt 2010 dort zugeschossen - und subventioniert damit nicht nur Eintrittskarten für kostenintensive Betriebe wie die Eislaufhalle, sondern auch für Rockkonzerte in der Olympiahalle oder den Zutritt zum Besuchermagnet Olympiaturm. 2010 legte die Stadt für jedes gekaufte Ticket 5,62 Euro, 2011 noch 4,75 Euro drauf. Doch das scheint geradezu marginal, verglichen mit den Schülern der Musikschule: Sie sind mit 409,83 Euro pro Kind Zuschuss-Spitzenreiter.