Zum Tod von Andreas Nagel Der Mann, der für den Münchner Nahverkehr kämpfte

Andreas Nagel im Infostand des MVV am Stachus.

(Foto: Robert Haas)

Der Zeittakt der S-Bahn, das Tarifsystem oder neue Tram-Linien: Andreas Nagel setzte sich fast 30 Jahre lang für mehr Qualität im Nahverkehr ein. Nun ist der Eisenbahningenieur gestorben.

Nachruf von Martina Scherf

Ohne den gebürtigen Schwaben sähe der Münchner Nahverkehr anders aus. Ob es der Zeittakt der S-Bahn war, das Tarifsystem oder sein Einsatz für neue Tram-Linien: Andreas Nagel kämpfte fast 30 Jahre lang für mehr Qualität und Sicherheit im Nahverkehr der bayerischen Landeshauptstadt. Er konnte unbequem sein, auf den Tisch hauen und einen Vorschlag des Finanzministers eine "Schnapsidee" nennen, aber er war immer um Ausgleich bemüht - und in seinem Wirken überaus erfolgreich. Am vergangenen Freitag ist Nagel völlig unerwartet im Alter von 57 Jahren verstorben. Er hatte sich unwohl gefühlt und brach auf dem Weg zum Arzt mit einer Lungenembolie zusammen, wie die Aktion Münchner Fahrgäste mitteilte.

Zum Studium der Schienen-Verkehrstechnik war Nagel in den Achtzigerjahren von Tübingen nach München gekommen. Damals sollte die Trambahn aufs Abstellgleis geschoben werden, das war für den angehenden Ingenieur der Anlass, 1989 die Aktion Münchner Fahrgäste zu gründen. Und die Tram blieb seine Herzensangelegenheit. Er kämpfte für einen besseren Zeittakt, den Erhalt alter Linien ("ohne ihn würde die Linie 25 heute wohl nicht mehr bis nach Grünwald fahren", heißt es in der Presseerklärung der Aktion Fahrgäste) und den Bau neuer Verbindungen, wie der immer wieder diskutierten Linie durch den Englischen Garten. 1994 startete er die beliebte Christkindl-Trambahn. Auch die Silvester-S-Bahn geht auf seine Initiative zurück.

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Nach dem gewaltsamen Tod des Münchners Dominik Brunner, der bedrohten Jugendlichen zu Hilfe gekommen war, initiierte Nagel das Zivilcourage-Training "mit Herz und Verstand". Mit Unterstützung der Polizei, der Dominik-Brunner-Stiftung, des Münchner Verkehrsverbunds und der Feuerwehr finden seither jeden Monat kostenfreie Kurse im Verkehrszentrum des Deutschen Museums statt. Tausende Münchner haben sie schon absolviert, um im Notfall besser reagieren zu können.

Mit Politikern wusste Nagel, der auch durch seine Statur und seine Stimme Eindruck machte, öffentlichkeitswirksam zu verhandeln. Dem damaligen Oberbürgermeister Christian Ude verlieh er den "Goldenen Schienennagel" für seinen Trambahn-Ausbau, wogegen CSU-Fraktionschef Hans Podiuk für seine Blockadepolitik den "Goldenen Hemmschuh" verliehen bekam.

Mehr als 22 Jahre lang war Nagel, im Hauptberuf Eisenbahningenieur, als Mitglied von David gegen Goliath im Bezirksausschuss Bogenhausen aktiv. "Wir sind alle fassungslos", sagte dessen Vorsitzende Angelika Pilz-Strasser (Grüne) auf der Sitzung am Dienstagabend. "Wir haben ihn als sehr authentischen Menschen erlebt, der streiten konnte, aber immer auch versöhnliche Worte fand. Wir alle werden Andreas Nagel sehr vermissen." Am Donnerstag, 26. Januar, um 19 Uhr soll in St. Ludwig eine Trauerfeier für Andreas Nagel stattfinden.

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