Von Beate Wild

Asylbewerberheime, Dönerbuden und morbide Straßenzüge: 20 Münchner unterschiedlicher Herkunft waren auf Spurensuche nach interkulturellem Leben in der Stadt.

Ein afghanischer Bauingenieur in einem Asylbewerberheim, zwei irakische Mädchen, die in einer Damenschneiderei eine Ausbildung machen, oder Döner-Buden, die sich "Alpen-Imbiss" oder "Alter Hut" nennen. "Zuagroast", also zugezogen, in München kann vieles bedeuten. Was eine Gruppe junger Münchner mit Migrationshintergrund darunter versteht, kann man von Donnerstag an in einer Ausstellung in der Färberei sehen.

Bild vergrößern

Junger Asylbewerber in einer Unterkunft in Großhadern: "Zuagroast" in München hat viele Facetten. (© Foto: Andrea Huber)

Anzeige

Unter der Anleitung der Filmemacherin Andrea Huber und des Fotografen Loc Nguyen waren die 20 Münchner unterschiedlicher kultureller Herkunft auf der Spurensuche nach interkulturellem Leben in München. Herausgekommen ist ein bunter, abwechslungsreicher Reigen an Fotografien und Videos, die die Stadt aus den unterschiedlichsten Winkeln betrachten. "Uns war wichtig, wie jeder Einzelne die Dinge sieht", sagt Huber.

Da gibt es etwa Suli Kurban, eine Jugendliche aus dem chinesischen Uiguren, die mit ihren Eltern seit zehn Jahren in Deutschland lebt. Sie hat einen Film über ihre Mutter gedreht, die darin aus ihrem Leben plaudert, während sie traditionelle chinesische Nudeln kocht. In der Ausstellung sieht man Fotos aus den Asylbewerberheimen der Stadt. Aussagekräftige Porträts der Menschen, die dort in einer Art Warteschleife geparkt sind.

Alp Tigli, ein Münchner mit türkischen Wurzeln, hat sich als Fotoobjekt die Feilitzschstraße in Schwabing vorgenommen. "Mich hat dort der Gegensatz zwischen den beiden Straßenseiten fasziniert", erzählt er. Die eine Seite besteht aus Neubauten, adretten Büros, teuren Shops und schicken Restaurants - ein Hochglanz-München sozusagen.

Genau gegenüber ist der morbide Charme der Stadt zu Hause. Dort gibt es alte Münchner Institutionen wie die "Schwabinger 7" und "Mama's Kebap Haus" sowie diverse Skaterläden, in denen ausschließlich Verkäufer mit Migrationshintergrund arbeiten.

Ein weiteres Projekt der Exposition nennt sich "Yes we can't". Schüler einer Hauptschule in Berg am Laim haben ihre Umgebung fotografiert und erzählen, was sie an München ändern würden. Die Antworten der Jugendlichen reichen von "mehr Spielplätze" über "man soll Häuser für die Obdachlosen bauen" bis zu "meine Eltern sollen mehr Geld verdienen".

Über 100 Exponate sind in der Ausstellung "Zuagroast" in der Färberei, Claude-Lorrain-Straße 25, zu sehen. Bis 6. August ist dazu Gelegenheit.

Weitere Informationen unter www.diefaerberei.de und uebungsraum.eu.

Leser empfehlen 

(sueddeutsche.de/sonn)