Zoll kontrolliert Limousinen vor Arena An der Strafraumgrenze abgefangen

Der Zoll kontrolliert im großen Stil VIP-Limousinen vor der Allianz-Arena. Er interessiert sich allerdings nicht für die Wichtigen auf den Rückbänken, die Zöllner befragen die Fahrer. Ihr Verdacht: Sind die Chauffeure etwa scheinselbständig?

Von Florian Fuchs und Bernd Kastner

Die wichtigen Menschen, die "very important people", hatten die Arena schon vor Augen, wo wenig später der "Audi Cup" angepfiffen wurde. Die Fahrer bogen am Mittwochabend gerade von der Autobahn in Fröttmaning ab, als sich ein Polizeimotorrad ihnen anschloss. Das diente aber keineswegs der Sicherheit der VIPs, es geleitete deren Fahrzeuge zu einer Kontrollstelle. Dort warteten Menschen in T-Shirts mit der Aufschrift "Zoll" und hatten ein paar Fragen. Allerdings nicht an die Wichtigen auf den Rückbänken der Limousinen, etwa wegen Steuervergehen oder ähnlicher Unannehmlichkeiten. Die Zöllner befragten die Fahrer. Und nachdem sie über Stunden zahlreiche Autos kontrolliert hatten, hegten sie einen Verdacht: Sind die Fahrer etwa scheinselbständig?

Im Visier der Fahnder ist dabei nicht der FC Bayern München und auch nicht Audi. Organisator des VIP-Shuttles zum Stadion ist eine Berliner Firma. Ob sie Auftraggeber der Fahrer oder deren Arbeitgeber ist, wird jetzt ermittelt. Denn nach SZ-Informationen sind zumindest auf dem Papier zahlreiche Chauffeure selbständig tätig. Doch ob sie das auch während der Tage des Audi Cups sind, an dem der FC Bayern, AC Mailand, Manchester City, und der FC São Paulo teilnehmen, bezweifelten die Kontrolleure. Die Fahnder macht wohl misstrauisch, dass die Fahrer offenbar nach Stundenlohn bezahlt werden, nicht ihr eigenes Arbeitsgerät, sprich: Fahrzeug, benutzen und während des Mini-Turniers weisungsgebunden sein sollen. Gegen die Berliner GmbH jedenfalls richtet sich der Anfangsverdacht der Fahnder. Sollten die Chauffeure tatsächlich nur zum Schein selbständig sein, könnten Steuern und Sozialabgaben hinterzogen worden sein. Ein Zollsprecher bestätigte die Kontrollaktion, äußerte sich aber nicht zu Details.

Das Unternehmen teilte auf Anfrage am Donnerstag mit, dass Zollkontrollen gerade bei größeren Events nichts Neues seien. "Das haben wir fünf- bis zehnmal im Jahr, nicht nur in Bayern, auch in anderen Bundesländern", sagte ein Sprecher. Bisher hätten die Kontrolleure noch nie etwas zu beanstanden gehabt. Die Firma betreut zahlreiche Kunden aus der Autobranche, so zum Beispiel auch VW, BMW, Lamborghini und Jaguar. Von Weisungsgebundenheit und Scheinselbständigkeit der Chauffeure könne keine Rede sein. Auch dass Audi eigene Fahrzeuge für den Shuttleservice zu seinem eigenen Turnier zur Verfügung stelle, sei logisch, sagte der Sprecher. "Die möchten ja einen Werbeeffekt erzielen."

Am Mittwoch seien etwa 120 Fahrer im Einsatz gewesen, die ihre Gäste in den Limousinen von Hotels, Flughafen oder anderen Orten zur Arena gefahren hätten, teilt das Unternehmen mit. "Die VIPs sind nicht nur Prominente, sondern zum Beispiel auch Medienpartner oder Mitarbeiter von Audi." Die Gäste mussten während der Kontrolle auf der Rückbank des Autos sitzen bleiben - zu spät zum Turnier sei niemand gekommen.