Zivilcourage Kellner rettet Frau in der Münchner S-Bahn

André Mrakic rettete eine Frau vor einem pöbelnden Betrunkenen.

(Foto: Robert Haas)

Ein Betrunkener bedrohte und beschimpfte die Frau. Doch mit André Mrakic, einem ehemaligen Marinesoldaten, hatte der Angreifer nicht gerechnet.

Von Susi Wimmer

Wenn eine Frau angegriffen wird, "das geht gar nicht", sagt André Mrakic. Das kann er nicht mitansehen, da muss er dazwischengehen. Und so stellte sich der 40-Jährige am Montagnachmittag in der S-Bahn auf dem Weg zum Hauptbahnhof einem Betrunkenen in den Weg und rettete eine Frau vor dessen Attacken. Eine mutige Tat, vor allem wenn man bedenkt, dass der Kellner aus München schon einmal einer Frau helfen wollte und daraufhin von einer Gruppe Jugendlicher verprügelt und schwer verletzt wurde.

André Mrakic ist kein Muskelprotz, kein Bodybuilder-Typ, eher ein drahtiger Mann, der in einem Traditionswirtshaus in der Innenstadt als Kellner arbeitet und auch schon auf der Wiesn bedient hat. "Dass man auf dem Oktoberfest mal einschreiten muss, das ist aber ganz selten", versichert er. Am Montag nun stand der Pasinger gegen 14 Uhr an der S-Bahnstation Hackerbrücke und wartete auf den Zug.

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"Ich wollte etwas in der Stadt erledigen", erzählt er. Da fiel ihm ein augenscheinlich betrunkener Mann auf, der am Bahnsteig eine Frau belästigte. Laut Bundespolizei soll der 55-Jährige die Frau an Arm und Schulter gepackt und die Hand drohend erhoben haben. Die Frau trug einen Arm in Gips und einen Augenverband. Sie soll den Betrunkenen gebeten haben, sie in Ruhe zu lassen. Doch das war dem Mann egal.

Was in der S-Bahn passiert ist

Etwa 30 Meter stand André Mrakic von der Szene entfernt, beobachtete das Geschehen und bewegte sich auf den Mann zu. Dann fuhr die S 7 in den Bahnhof ein und Mrakic und die Frau stiegen ein. "Ich dachte, der Typ bleibt draußen, aber er stieg im letzten Augenblick dann doch zu", erzählt er.

Und der Betrunkene machte weiter: Immer wieder stänkerte er die Frau an. Schließlich sprach Mrakic sie an und fragte, ob sie den Mann kenne. Nein, antwortete sie und dann schritt der Pasinger ein. Er baute sich vor dem Betrunkenen auf, die Frau schützend im Rücken, und sagte laut: "Jetzt ist Schluss!"

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Da ging der 55-Jährige auf Mrakic los, schlug nach ihm und traf ihn mit der Faust am Kinn. "Aber Gott sei Dank nicht richtig", sagt der Pasinger. Am Hauptbahnhof packte er den aggressiven Schläger am Schlafittchen und bugsierte ihn aus dem Zug. Da sich der Betrunkene weiter heftig wehrte, drückte Mrakic ihn zu Boden und hielt ihn fest. "Ich habe in jungen Jahren mal Judo gelernt und ich war Marinesoldat", erzählt der 40-Jährige.

Angreifer hatte 1,78 Promille

Andere Reisende hatten in der Zwischenzeit die Bundespolizei verständigt. Die Beamten waren schnell zur Stelle und nahmen den Schläger fest. Er hatte laut Alkomat 1,78 Promille. Die angegriffene Frau verblieb in der S 7 Richtung Kreuzstraße und fuhr weiter. Mrakic schätzt sie auf Mitte bis Ende 40. Sie hatte laut Polizei schulterlanges, dunkles Haar und trug eine Daunenjacke. Sie wird gebeten, sich bei der Polizei zu melden, die Ermittler brauchen ihre Zeugenaussage.

"Wir werten noch die Bilder aus der Überwachungskamera aus, vielleicht hilft uns das weiter", sagt Wolfgang Hauner, Pressesprecher der Bundespolizei. Er lobt das couragierte Verhalten des Pasingers, sagt aber auch, dass jeder selbst einschätzen müsse, was er sich in so einem Fall zutraue. "Generell ist es schon einmal gut, wenn man andere Leute anspricht, um Mithilfe bittet und über die Notrufeinrichtungen Polizei oder Zugführer verständigt", sagt er.

Ja, meint auch André Mrakic, die Sache hätte auch anders ausgehen können, er hat das ja selbst schon einmal erlebt. Vor 20 Jahren, da wurde er Augenzeuge, als ein junger Mann seine Freundin schlug. Mrakic griff ein, und plötzlich war er von drei Männern umringt, die ihn zusammenschlugen. "Am Ende hatte ich den Fuß in Gips", sagt er. Und trotzdem: Wenn eine Frau in Not ist, "dann würde ich es jederzeit wieder so machen".