Von Sebastian Gierke

"Wie Bayern gegen 60": Das türkische Derby zwischen SV Istiklal und dem SV Kermelikspor in der Kreisklasse ist das Duell zweier Philosophien von Fußball.

Die SZ begleitet eine Saison lang die Kreisklasse 2. Am Vergangenen Wochenende stand das türkische Münchner Derby zwischen dem SV Istiklal und dem SV Kermelikspor auf dem Programm.

Man kennt sich. "Aber während des Spiels, keine Freunde! Wie Bayern gegen 60." (© Foto: Christina Pahnke)

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Die drei kommen aus einem kleinen Ort in der Nähe von Graz. Groundhopper, so nennt man sie. Oder einfach Fußballfans. Ein wenig verrückte Fußballfans, zugegeben. In den Iran und nach Island, durch über 100 verschiedene Ländern sind die drei schon gereist - um sich Fußballspiele anzuschauen. Auch heute haben sie nicht irgendein Spiel ausgesucht.

David, Andreas und Roman, alle knapp über 20, sind nach München gekommen. In den Münchner Norden, den Stadtteil Am Hart, um sich ein Derby anzusehen. Es spielen der SV Istiklal gegen den SV Kermelikspor in der Kreisklasse. Zwei türkische Mannschaften gegeneinander, das ist kein Spiel wie jedes andere. Die Groundhopper werden nicht enttäuscht.

"Während des Spiels, keine Freunde!"

Vor dem Spiel wird noch ein gemeinsames Mannschaftsfoto gemacht. Man kennt sich. "Aber während des Spiels, keine Freunde! Wie Bayern gegen 60." Zeki Findik, Fußball-Abteilungsleiter bei Kermelikspor, ist angespannt. Und Serdar Kilitci, Vorstand und Interimstrainer bei Istiklal sagt: "Das ist mehr als ein Derby. Es geht um..." Kilitci überlegt: "...nein, nicht um die Ehre, aber um etwas Ähnliches wie die Ehre."

Es geht auch darum, die eigene Vereinsphilosophie bestmöglich zu präsentieren. Istiklal hat drei Männermannschaften und in jeder Altersklasse eine Jugendteam. Die ersten beiden Männermannschaften spielen in verschiedenen Kreisklassen, beide gegen den Abstieg. Man hat sich dafür entschieden, die Mannschaften gleich stark, man könnte auch sagen, gleich schwach, aufzustellen. Kein Spieler soll ins zweite Glied abgeschoben werden.

Kermelikspor dagegen hat nur zwei Seniorenteams, der Verein holt ständig neue Spieler, zur Rückrunde sollen sechs oder sieben neue kommen, "echte Kaliber", wie der Trainer sagt. Der Erfolg steht im Vordergrund, das Ziel ist der Aufstieg. Deshalb bekommen manche im Team einen Vertrag und jedes Spiel etwas Geld, andere erhalten nur eine Siegprämie. Unter diesen Voraussetzungen ein funktionierendes Team zu bilden, ist für jeden Trainer eine Herausforderung.

Der Schiedsrichter ist froh

Gespielt wird das Derby auf Kunstrasen. Die Heimmannschaft Istiklal verspricht sich davon einen Vorteil, sie kennt den Platz. Auf dem schönen Gras nebenan darf Istiklal 3 gegen Kermelikspor 2 ran. Die beiden ersten Mannschaften rutschen derweil über den grünen Kunstteppich. Doch auch die Spieler von Kermelikspor haben schnell raus: Wer hier grätscht, blutet. Der Schiedsrichter ist froh. So wird wenig gefoult.

Kermelikspor hat von Beginn an leichte spielerische Vorteile, geht verdient 1:0 in Führung. Als kurz vor der Pause die Nummer sieben allein vor dem Tor auftaucht und abgeklärt sogar das 2:0 macht, muss der Schiedsrichter die ersten beiden gelben Karte ziehen. Mehmet Guelsever und Erkan Gültekin, beide von Istiklal, beschimpfen sich, bezichtigen sich, Schuld zu sein am Rückstand, können von Mitspielern gerade noch davon abgehalten werden, aufeinander los zu gehen.

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