Von Jürgen Schmieder

Beim Auftakt seiner Tour zeigt sich Xavier Naidoo in München nur bedingt politisch - er beweist dem Publikum lieber, dass er über die schönste deutsche Stimme verfügt.

Dieser Mann, das muss nun einmal gesagt werden, also dieser Mann, der da oben auf der Bühne in der Münchner Olympiahalle steht, dieser Mann ist ein idealer Politiker. Stets freundlich, immer gut angezogen (mehrere Magazine wählten ihn zum bestgekleideten Mann Deutschlands). Er hat sogar einen eigenen Wahlslogan: "Alles kann besser werden" ist der Titel der neuen CD, die nicht weniger als 35 Songs enthält.

Xavier Naidoo in der Olympiahalle

Vor 8.500 Zuhörern hat Xavier Naidoo am Donnerstag in München seine Tournee begonnen. (© Foto: AP)

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Keine Frage: Würde Xavier Naidoo bei der nächsten Bundestagswahl gegen Angela Merkel antreten, dann hätte die Bundeskanzlerin härter zu kämpfen als in diesem Jahr.

Naidoo freilich ist kein Politiker, auch wenn er bei der Generalprobe am Tag vor dem Konzert über den Wandel bei seinen Songtexten sagt: "Karl-Theodor zu Guttenberg ist jetzt 37 Jahre alt, der ist so alt wie ich. Es gibt da langsam einen Generationswechsel, dem kann man sich nicht verschließen." So würden seine Texte nun eben politischer. Naidoo ist einer der besten deutschen Sänger - und es ist ein gewagtes Experiment, das da am Donnerstagabend in der Münchner Olympiahalle seinen Anfang genommen hat: Zwei Konzerte an jeweils aufeinanderfolgenden Abenden gibt er in 15 deutschen Städten. An einem Abend präsentiert er sein Soloprogramm, am anderen ist das Bandkollektiv Söhne Mannheims dabei.

Zu Beginn des Konzerts tritt er allein auf die Bühne. Er trägt Jeans, braune Schuhe, schwarzes Sacko, dazu eine Schirmmütze und eine Brille. A capella singt er die ersten Takte seines Liedes "Mut zur Veränderung", beinahe regungslos steht er da. Plötzlich kracht es - und schon wird sichtbar, was sich ein Politiker-Sänger unter einer gigantischen Show vorstellt: Über Naidoo erscheint eine überdimensionale Kugel, darin wird sein Gesicht live als verpixelte Schwarz-Weiß-Version gezeigt.

Zwölf Musiker spielen im Hintergrund, sie interpretieren die Songs von Naidoo so, dass sie weniger melancholisch klingen als in der Studiofassung. Es hört sich ein wenig nach Reggae an, dann sind wieder einfache Folk-Elemente herauszufiltern, schließlich wird es orientalisch. Und plötzlich ist selbst eine Schnulze wie "Ich kenne nichts" ein beschwingtes Live-Erlebnis, weil Naidoo gerade bei Live-Konzerten seine musikalischen Fühler in scheinbar alle Richtungen ausstreckt.

Der Mann, auch das wird an diesem Abend deutlich, benutzt Musik nicht nur zur Verarbeitung persönlicher Erlebnisse, auch wenn er sagt: "Ich habe durch die Musik das beste Ventil, das es gibt." Xavier Naidoo ist ein Verbesserer. Er will nicht nur jammern, sondern sich engagieren - und so gibt er den aufrüttelnden Mahner (der Song "Mut zur Veränderung" etwa mit Martin-Luther-King-Sample), mit den Liedern "Gib' Dich nicht auf" und "Hör' nicht auf zu träumen" aber auch den hoffnungsfrohen Mutmacher. Auf die Songs mit den anklagenden Texten - auf der aktuellen Veröffentlichung auf CD Nummer drei zu finden - verzichtet er. "Das ist zu düster für ein Konzert", sagte er am Tag zuvor.

Recht hat er - denn ein Verbesserer muss ja nicht jeden Tag auf Missstände hinweisen, den Glauben predigen und die Ablösung der amtierenden Regierung fordern. Es reicht bisweilen, dem Volk eine großartige Show zu bieten.

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