Max Mutzke auf dem Flussfestival Heiße Nacht an der Loisach

"Can't wait until tonight": So war's wohl einem Großteil des Publikums in Wolfratshausen auch gegangen.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Max Mutzke und das Trio "monoPunk" bringen beim Flussfestival das Publikum mit einer einzigartigen Mischung aus Jazz, Soul und Funk in Wallung.

Von Petra Schneider

Der Dienstag war ein heißer Tag, der Abend beim Flussfestival wird noch heißer: Denn Max Mutzke und das Trio monoPunk fluten die Alte Floßlände in Wolfratshausen mit einer elektrisierenden Musik. Nur die Loisach bleibt gemächlich in ihrem Bett, die Leute am Ufer können nicht lange still halten: Sie wiegen und wogen, zappeln und zucken. "Ihr müsst heute komplett ausrasten", sagt Mutzke, und das tun sie. Denn diese Musik lässt niemanden kalt: eine aufregende Mischung aus Jazz, Soul und Funk mit deutschen und englischen Texten. Ein Schlagzeug (Tobias Held), das den Puls vorgibt, der Bass (Danny Samar), der noch in der tiefsten Magengegend grummelt, und ein Keyboard (Maik Schott), dessen fantastische Improvisationen schwindlig machen.

"Eines der besten R&B-Trios in Europa", so stellt Mutzke die Band vor. "Und das sage nicht nur ich, das sagen sie selbst." Mit seiner Stimme, die locker einige Oktaven nimmt, sich zu Prince-haften Höhen aufschwingt um dann wieder in soulige Tiefen zu sinken, entwickelt sich ein vielschichtiges, dynamisches Geflecht.

Max Mutzke, Casting-Show Gewinner bei Stefan Raab, Eurovision-Song-Contest-Teilnehmer - da geht gleich eine Schublade auf. Die kann man getrost wieder schließen. Denn Mutzke, der nach seinem respektablen achten Platz beim Contest in Istanbul 2004 erst einmal das Abitur nachgemacht hat, ist kein kurzlebiges Castingshowprodukt. Im April hat er sein aktuelles, siebtes Album "Experience", das er mit der NDR-Radiophilharmonie aufgenommen hat, bei einem gefeierten Konzert in der Elbphilharmonie vorgestellt. Das Jazzalbum "Durch Einander", bei dem als Gastmusiker unter anderem Klaus Doldinger, Götz Alsmann und Cassandra Steen mitspielen, wurde vor vier Jahren mit einen Jazz-Award in Platin ausgezeichnet. Mutzke war mit Katie Melua unterwegs, spielte im Vorprogramm ihrer Tournee. Sein Song "Let it Happen" wurde Titellied der ZDF-Sendung "Durchgedreht".

Der 36-Jährige ist ein musikalischer Tausendsassa. Auf seinen ESC-Hit "Can't wait until tonight" müssen die Fans am Dienstag nicht lange warten: gleich im ersten Drittel spielen sie ihn, und da hält es einige nicht mehr unter dem Zeltdach. Sie bahnen sich einen Weg durch die ausverkauften Sitzreihen und tanzen neben der Bühne. "Come on Wolfratshausen", feuert Mutzke an, der sich selbst nicht stillhalten kann. Geschmeidig bewegt er sich zur Musik, präzise und reduziert, ein lässiger Typ mit Schiebermütze. Er animiert das Publikum zum Mitsingen ("Die Frauen jetzt ein bisschen hysterischer"), freut sich über das schöne Ambiente am Fluss, wirbt für die geplante Surfwelle und lobt die Veranstalter, die "gerade hier in Bayern" trotz strenger Auflagen eine Flussbühne durchgesetzt haben.

Viel Seele ist in dieser Musik, die trotzdem leicht und unangestrengt wirkt. Mutzke spielt mit seiner Stimme. Etwa beim Song "Charlotte", in dem sich ein minutenlanger Dialog zwischen Stimme und Instrument entwickelt: Der Sänger gibt lautmalerische Silben vor, schmatzt, schnarrt, quäkt, jault - und das Keyboard spielt sie nach. Mit Songs wie dem dynamischen "Marie", "Welt hinter Glas" oder "IOU (I owe you)", dem Alicia-Keys-Song "Empire state of mind" oder dem sexy "Schwarz auf Weiß" bringt der Mann aus dem Schwarzwald die Wolfratshauser in Wallung.

Zwei Stunden ohne Pause spielen die Musiker, nach drei Zugaben ist Schluss. Auch Mutzkes Plädoyer für Buntheit, Vielfalt und eine offene Gesellschaft wird heftig beklatscht. "Vielfalt bedeutet Reichtum", ruft er. Seine Botschaft hat er in einen Song verpackt: "Unsere Nacht" - und das ist sie, Dienstagnacht an der Loisach.