Landwirtschaftsschule Wolfratshausen Ein Zentrum zieht um

An diesem Donnerstag schließt die Wolfratshauser Landwirtschaftsschule mitsamt den dortigen Ämtern für immer ihre Pforten. Ende des Jahres soll der Betrieb dann in einem Neubau des Bauernverbands in Holzkirchen weitergehen

Von Felicitas Amler, Wolfratshausen/Holzkirchen

Das viel strapazierte Wort von der angeblich "staden Zeit" trifft für das Wolfratshauser Landwirtschafts- und Forstamt, die dortigen Schulen und Verbände ganz gewiss nicht zu: "Wir sind mitten im Umzug", sagt Amtsleiter Stefan Gabler. An diesem Donnerstag wird die Tür an der Bahnhofstraße 12 dann endgültig geschlossen. Von Montag, 29. Dezember, an sind fast alle, die mit den Themen Landwirtschaft und Forsten zu tun haben, im neuen Grünen Zentrum in Holzkirchen vereint.

Dieser Standort war, nicht zuletzt bei den Wolfratshausern, lange Zeit umstritten. Gabler aber nennt ihn optimal: Die Abläufe und der Informationsfluss würden wesentlich einfacher, wenn alles unter einem Dach sei, sagt er. "Das sind sehr große Vorteile." Dazu zählt er auch die Anbindung an die Salzburger Autobahn. Die wiederum sei vor allem für die Bildungseinrichtungen - Landwirtschaftsschule, Hauswirtschaftsschule und Alm-Akademie - günstig. Natürlich müssten sowohl Mitarbeiter als auch Landwirte aus Wolfratshausen und Umgebung jetzt etwas weiter fahren. Aber schließlich werde auch in bäuerlichen Betrieben immer mehr per EDV abgewickelt - wenigstens sollte das so sein, meint Gabler.

Im neuen Gebäude des Bayerischen Bauernverbands in Holzkirchen hat der Freistaat seine Ämter und die Landwirtschaftsschule eingemietet.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Amtsleiter hat allerdings in dem knappen halben Jahr, seit er die Leitung innehat, festgestellt, dass die Landwirte hier sehr froh sind über einen direkten Kontakt. Die beiden Landkreise, für die er zuständig ist, Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach, hätten noch eine relativ klein strukturierte Landwirtschaft. Gabler würdigt das: "Die erbringen noch eine Vielzahl an Gemeinwohlleistungen, im dörflichen Leben und in Vereinen." Der häufigste Anlass für die Bauern, das Amt aufzusuchen, sind Förderanträge, etwa jene für das bayerische Kulturlandschaftsprogramm. Die zuständige Abteilung ist im neuen Haus in Holzkirchen mit Bedacht im Erdgeschoss untergebracht, damit Landwirte auf kurzem Weg direkt dorthingelangen.

Das etwa 13 Millionen Euro teure Grüne Zentrum besteht aus zwei Flügeln und wurde außen wie innen mit viel Holz gestaltet. Bauherr ist der Bauernverband. Das Amt für Landwirtschaft und Forsten ist Mieter. Es vereinigt dort fünf Abteilungen mit etwa 50 Mitarbeitern. Im ersten Stock sind Bildung und Beratung angesiedelt, im zweiten die Amtsverwaltung und der Forstbereich. Dieser ist der einzige, der weiterhin auch dezentral vertreten ist - mit neun Revieren in den beiden Landkreisen, eines davon in Wolfratshausen.

Stefan Gabler leitet das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten für die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und Miesbach.

(Foto: Manfred Neubauer)

Einige Einrichtungen sind bereits nach Holzkirchen umgezogen, darunter die regionalen Gliederungen des Bauernverbands. Besonders wichtig für das Grüne Zentrum seien die Bildungseinrichtungen, sagt Gabler. Die Landwirtschaftsschule in Wolfratshausen habe eine Klasse mit 18 Schülern, in Holzkirchen sollen es von Herbst 2015 an zwei Klassen sein. Die Schüler werden in drei Semestern zu staatlich geprüften Wirtschaftern des Landbaus ausgebildet, die meisten schließen dann mit der Meisterprüfung ab. Die Anzahl der Studierenden sei stabil, "mit dem Trend einer Mehrung". Im Grünen Zentrum wird es außerdem eine Vollzeitschule für Hauswirtschafterinnen geben mit einem eigenen Internat mit 23 Betten - alles bereits ausgebucht. Bei den hiesigen Strukturen habe schließlich auch die Alm-Akademie große Bedeutung, die kompakt innerhalb von sechs Wochen zum Berufsabschluss als Landwirt führt für alle, die dies als Zweitberuf ausüben, sagt Gabler. Häufig seien dies Zimmerer oder Landmaschinenmechaniker.

Für Amtsleiter Gabler ist derzeit alles auf gutem Weg. Einzig der zu niedrige Milchpreis mache ihm zu schaffen: "Ich habe ein bisschen Sorge, dass wir dadurch wieder einen beschleunigten Strukturwandel bekommen." Er appelliere daher an die Verbraucher, regional einzukaufen und sich bewusst zu machen: "Die Landwirtschaft, die wir haben, kann man nicht zu Weltmarktpreisen erhalten."

Grünes Zentrum, Rudolf-Diesel-Ring 1a, Holzkirchen, Telefon 08024/46039-0, E-Mail: poststelle@aelf-hk.bayern.de. Feierliche Eröffnung mit Minister Helmut Brunner und einem Tag der offenen Tür ist erst am 22. März 2015.