Mahler in Wolfratshausen Schluss, aus, Möbelhaus

Möbel Mahlers Abverkauf in Wolfratshausen neigt sich dem Ende zu, am 6. Februar sollen nun die Türen geschlossen werden, dann übernimmt XXXLutz.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Ära Mahler in Wolfratshausen geht zu Ende - nach 34 Jahren. Ein letzter Rundgang durch den Laden und die Geschichte.

Von Claudia Koestler, Wolfratshausen

Ein rot-weißes Absperrband markiert die Abteilungen, die bereits leergeräumt sind. Auf Paletten in den Ecken warten Stühle und Polster, dick mit Folie umwickelt, auf ihre Abholung. Hie und da wartet in den weiten Fluren noch ein Restposten auf Käufer, seinen letzten Preis auf einem handgeschriebenen Zettel proklamierend. Selbst das Inventar ließe sich mitnehmen und kaufen, von der Restaurantbank bis zur Werbesäule - zu je 25 Euro.

Die letzten Tage einer Ära sind angebrochen: Um noch die letzten Posten an den Mann zu bringen, geht Mahler in die Verlängerung. Wie Juniorchef Michael Mahler bestätigt, werde das Haus seine Pforten statt an diesem Samstag, 30. Januar, voraussichtlich erst am nächsten Samstag, 6. Februar, schließen. Dann wird Möbel Mahler in Wolfratshausen endgültig Geschichte sein - nach 34 Jahren. Die Stadt verliert ein Aushängeschild, die Angestellten stehen vor dem Nichts.

Die Mitarbeiter

260 Beschäftigte verlieren mit der Schließung des Hauses in Wolfratshausen ihren Job. Weil eine zu XXXLutz gehörende Gesellschaft nur die Immobilie erwarb, werden sie nicht übernommen. Die Gewerkschaft Verdi vermutet darin allerdings einen verschleierten Betriebsübergang, damit XXXLutz später das Möbelhaus mit neuem, billigerem Personal wiedereröffnen kann.

Manche der Mahler-Mitarbeiter, die nun vor dem Aus stehen, waren über 25 Jahre dabei, so wie Betriebsrat Thomas Kohlert. Doch auch wer erst kürzlich mit an Bord kam, trifft es hart. Zum Beispiel Hans Glagla, Leiter der Abteilung Teppich und 64 Jahre alt. Vor eineinhalb Jahren übernahm er den Posten in Wolfratshausen und war sich sicher, bis zur Rente bleiben zu können. Jetzt verliert er seinen Arbeitsplatz zum denkbar ungünstigen Zeitpunkt und muss, sofern er keine eine Anschlussarbeitsstelle erhält, mit Abzügen in der Rente rechnen. Außerdem sei er zu kurz im Unternehmen, um eine Abfindung zu erhalten: "Das ist das Üble an der Sache."

Erst den Job verloren, dann die Bleibe

Petr Skuhra und seine Lebensgefährtin Petra Andraschkova trifft die Schließung von Möbel Mahler gleich doppelt. Von Claudia Koestler mehr ...

Dass ausgerechnet Möbel Mahler schließt, damit habe er nicht gerechnet: "Ich hatte mich gerade deshalb hier beworben, weil das Haus überregional bekannt war und einen guten Ruf hatte", sagt er . Er bedaure die Schließung sehr, betont Glagla, zumal das Geschäft mit den Teppichen gut gelaufen sei, dank eines großen Einzugsgebiets und Kundenstammes. Nun müsse er sich eben der Herausforderung Arbeitsmarkt mit 64 stellen: "Ich habe jedenfalls noch Lust zu arbeiten", motiviert sich der Fachverkäufer.

Elf Jahre lang war der 32-jährige Daniel Hüttinger bei Möbel Mahler beschäftigt, zuletzt in der Lampenabteilung. Auch der gelernte Einzelhändler dachte, "dass hier ist eine Lebensstellung". Nun zieht er für sich Konsequenzen: "Jetzt langt's", sagt Hüttinger und will die Verkäuferbranche gänzlich verlassen, auch wenn die Kollegen bei Mahler "wie eine Familie" zusammenhielten, wie er betont. "Aber als Verkäufer ist man immer der Depp", sagt der Tölzer und spielt auf die immer schlechteren Konditionen an, die die Branche biete, insbesondere XXXLutz. Er strebt nun eine Umschulung an, zum Steuerfachangestellten. "Da ist man wenigstens gefragt", sagt Hüttinger.

Der Abverkauf

Die letzten Tage seien "eine absolute Ausnahmesituation und sehr stressig" gewesen, sagt Hausleiter Martin Ziegler. Denn die Kunden hätten in ihrer Gier nach Schnäppchen die Verkäufer stark beansprucht, die im Akkord beraten und Preise auszeichnen mussten. "Zum Teil wurden sie auch hart angegangen von den Kunden", sagt er. Etwa, weil sie immer weitere Nachlässe forderten. Bis zuletzt aber habe das Team den Ansturm sehr gut bewältigt. Die Stimmung der letzten Tage unter den Kollegen im Haus beschreibt Kohlert hingegen nur mit: "Galgenhumor."

Die Geschichte des Hauses

Gerhard Mahler leitet das Familienunternehmen in dritter Generation. Im Jahr 1900 begann sein Großvater, der Schreinermeister Georg K. Mahler, in Kirchheim am Ries eigene Möbel zu fertigen. Das Unternehmen wuchs, der Sohn des Gründers übernahm und baute den Betrieb weiter aus. In den 70er-Jahren errichtete Gerhard Mahler das Möbelhaus in Bopfingen, doch damit nicht genug: "Um die zahlreichen Kundenwünsche weiterhin in der gewohnten Qualität erfüllen zu können, blieb nur eine Lösung: Eine weitere Filiale", schreibt das Unternehmen auf seiner Homepage. 1982 wurde deshalb in Wolfratshausen das zweite Möbel-Einkaufszentrum eröffnet.

Bis 1991 betrieb der Unternehmer das Einrichtungshaus in der Loisachstadt. Dann verkaufte er das Geschäft an Möbel Unger, behielt jedoch die Immobilie. Das Unternehmen Unger geriet 1998 in finanzielle Schwierigkeiten. Mahler kaufte deshalb den Wolfratshauser Betrieb zurück und stellte das Haus konkurrenzfähig auf: 2002 erweiterte Mahler die Verkaufsfläche in Wolfratshausen auf knappe 40 000 Quadratmeter. Rund sechs Millionen Euro kostete damals der Neubau, drei Millionen die Inneneinrichtung. Ein besonderes Augenmerk legte Mahler bei diesem Neustart auf die Mitarbeiter: Während es bei Unger nur 78 waren, stellte Mahler nach der Erweiterung rund 350 ein.

Ein Foto aus besseren Tagen: 2006 warb Gerhard Mahler persönlich für das Haus.

(Foto: Manfred Neubauer)

Auf ihrer Homepage beschreiben Mitarbeiter auch "das eine oder andere denkwürdige Erlebnis", das in dem Wolfratshauser Einrichtungshaus vorkam. Martin Ziegler, seit 2009 für den Standort als Hausleiter verantwortlich, erinnert sich etwa, dass einmal während der Oktoberfestzeit morgens drei junge Männer alkoholisiert und in Tracht erschienen und sich in Betten der Schlafzimmerabteilung legten: "Bei der Kundschaft führte das den ganzen Vormittag zu heftigen Heiterkeitsausbrüchen, bis schließlich die besseren Hälften der Missetäter auftauchten, um sie laut schimpfend ihren süßen Träumen zu entreißen."