Wolfratshausen Rettung für das alte Krankenhaus

Dank eines neuen Bebauungsplans ist die Abrissgefahr für das historische Gebäude endgültig abgewendet. Das markante Dirrigl-Haus allerdings wird einem Wohn- und Geschäftskomplex weichen.

Von Matthias Köpf

Ein neuer bebauungsplan ssichert das denkmalgeschützte Haus an der Sauerlacher Straße.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Stadt Wolfratshausen wird ihr denkmalgeschütztes altes Krankenhaus aus der Biedermeier-Zeit endgültig vor dem Abriss bewahren. Der Bauausschuss des Stadtrats hat dazu am Mittwochabend beschlossen, den Bebauungsplan für das Areal zwischen Sauerlacher Straße, Floßkanal und Hammerschmiedweg zu ändern. In dem neuen Plan soll das alte Krankenhaus ausdrücklich als zu erhaltendes Baudenkmal aufscheinen. Die noch immer gültige Abrissgenehmigung für das vergleichsweise unscheinbare, aber sozialhistorisch bedeutsame Gebäude an der Sauerlacher Straße läuft in einigen Monaten aus.

Das Haus schien vor zwei Jahren schon dem Abriss geweiht, als die Stadt das Grundstück an einen privaten Bauträger verkaufen wollte. Allerdings hatte die Räte am Ende just dieser Bebauungsplan von dem Verkauf abgehalten, den sie nun ändern wollen. Denn bisher sieht der aus dem Jahr 1982 stammende Plan anstelle des alten Krankenhauses zwingend massive, vier- und fünfgeschossige Neubauten vor, die einem Investor viel vermarktbare Fläche geboten hätten, den Räten aber schließlich doch als zu klobig erschienen.

Für den neuen Plan gibt es noch keinen Entwurf und auch noch nicht viele klare Vorgaben. Fest steht bisher nur, dass das alte Krankenhaus bestehen bleiben und zum Floßkanal hin ein maximal viergeschossiger Neubau entstehen soll. Ob die historische Substanz und die Neubauten miteinander direkt verbunden werden können, müssen die Planer nach Angaben von Bauamtsleiter Dieter Lejko mit dem Landesamt für Denkmalpflege aushandeln.

Zusammen mit dem Historischen Verein und weiteren Bürgern hatten die staatlichen Denkmalpfleger massiv gegen die städtischen Abriss-Pläne protestiert und die Abrissgenehmigung durch das Landratsamt als rechtswidrig bezeichnet. Landratsamt und Stadt hatten bisher argumentiert, dass das Gebäude längst zum Abriss vorgesehen war, als es das Landesamt 1984 auf die Denkmalliste gesetzt hat. Die Abrissgenehmigung wurde vom Landratsamt bereits einmal erneuert, läuft aber laut Lejko im April ohnehin wieder aus. Eine nochmalige Erneuerung betreiben demnach weder die Stadt noch das Landratsamt. Momentan ist das Haus in keinen guten Zustand, die Stadt hat es als einfaches Wohnhaus vermietet.

Zum Floßkanal hin soll der künftige Bebungsplan mehr Platz zum Aufweiten der viel befahrenen Kreuzung mit der Sauerlacher Straße bieten. Gleiches gilt für den unmittelbar östlich angrenzende Bebauungsplan, der schon etwas weiter fortgeschritten ist und neben einem Neubau anstelle des jetzigen Dirrigl-Hauses auch einige benachbarte Grundstücke umfasst, die seit langem bebaut sind und auf denen sich zumindest kurzfristig noch nichts verändern soll. Dieser Plan sieht etwas mehr Platz für die Kreuzung vor, anstelle des Dirrigl-Hauses darf die Sparkasse demnach einen an den beiden Straßenkanten orientierten L-förmigen Neubau mit maximal vier Geschossen errichten. Für das Erdgeschoss sind Läden vorgesehen, für die oberen Etagen Wohnungen.

Neben dem Platz für die Kreuzung hatten die Stadträte für die Planung bisher eine weiteren Wunsch formuliert, nämlich eine Fuß- und Radwegunterführung für den Bürgermeister-Grünwald-Weg vom Bahnhof her unter dem Floßkanal hindurch Richtung Altstadt. Dieser Wunsch lässt sich nach Angaben des städtischen Bauamtes jedoch praktisch nicht erfüllen, da die nötige Rampe Richtung Bahnhof der Länge nach kaum Platz habe und in der Breite überhaupt nicht unterzubringen sei - es sei denn, die Stadt werde sich mit den Grundeigentümern einig und kaufe ihnen den nötigen Grundstreifen zu den hohen Baulandpreisen ab.

Auf Initiative von Josef Praller (BVW) hin soll die Stadtverwaltung diese Möglichkeit zumindest weiter prüfen und die Kosten schätzen. Der Ausschuss billigte den aktuellen Verfahrensschritt für diesen Bebauungsplan ebenso einstimmig wie den Beginn der Planung für das alte Krankenhaus.