Wolfratshausen Protest gegen Abriss

Nachdem bekannt wurde, dass das Haus Alpenstraße 14 (Längsbau hinten) abgerissen werden soll, hat der Historische Verein spontan am Sonntag zur einer Protestaktion geladen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Historische Verein möchte ein denkmalgeschütztes Haus in der Wolfratshauser Alpenstraße bewahren und wendet sich an den Landrat

Von Thekla Krausseneck, Wolfratshausen

Der Historische Verein Wolfratshausen ist auf den Barrikaden: In der Alpenstraße soll ein denkmalgeschütztes Haus abgerissen werden, das zu einem historischen Ensemble gehört. Die Genehmigung dazu sei möglich geworden durch eine Lücke im Denkmalschutzgesetz, sagte die Vereinsvorsitzende und Historikerin Sybille Krafft bei einer spontanen Protestaktion am Sonntag. Dem Historischen Verein ist die Erhaltung des Ensembles ein besonderes Anliegen: In den Häusern an der Alpenstraße lebten zu Zeiten der Geretsrieder NS-Rüstungsbetriebe deren leitende Angestellte. Somit gebe es eine direkte Verbindung zwischen dem Gebäude und dem Lager Föhrenwald, in dem auch das alte Badehaus steht, das derzeit in eine Gedenkstätte umgebaut wird.

Der Verein hatte sehr spontan zum Protest aufgerufen: Von der Abrissgenehmigung habe sie erst am Freitag erfahren, sagte Krafft. Nur zwei Tage später versammelten sich rund 25 Mitglieder und Anwohner der Alpenstraße vor dem Wohnhaus des ehemaligen Wolfratshauser Stadtrats Ludwig Gollwitzer - nicht direkt vor dem akut abrissbedrohten Haus also, der Hausnummer 14, denn das ist Privatgrund. "Da blutet einem schon das Herz", sagte der gebürtige Wolfratshauser Gollwitzer, der von dem geplanten Abriss selbst erst am Wochenende erfahren hatte. Wolfratshausen sei in den vergangenen Jahren "mau mit seinen Altbauten umgegangen"; die Bauunternehmen stellten nur noch Blöcke in die Landschaft, wie etwa an der Sauerlacher Straße geschehen. "Wolfratshausen verliert seinen Liebreiz", sagte Gollwitzer. "Warum sollte dieses Haus aus dem Stadtbild verschwinden?" Gegen den Abriss müsse man sich auflehnen.

In einem Brief an Landrat Josef Niedermaier, der am Montag verschickt werden soll, bitten die Mitglieder des Historischen Vereins um die Rettung des Gebäudes. Ein Abriss würde "eine schmerzliche Lücke" in das Viertel reißen, las Gollwitzer vor. Die Anlieger schätzten den historischen Wert ihrer Häuser sehr und hätten in den vergangenen Jahrzehnten finanzielle Opfer und Einschränkungen in Kauf genommen - etwa bei der Fassadengestaltung. Landrat Niedermaier solle "nicht zulassen, dass unsere jahrzehntelangen Bemühungen zunichte gemacht werden".

Annekathrin Schulz, Vorstandsmitglied im Historischen Verein und Kunsthistorikerin mit Erfahrungen in der Denkmalpflege, äußerte Befürchtungen dahin gehend, dass auf den ersten Abriss ein Dominoeffekt folgen könnte - und "wenn eins fällt bald auch andere fallen". Eines der Argumente, mit denen der Abriss gerechtfertigt werde, sei die NS-Vergangenheit der Häuser, erklärte die Kreisheimatpflegerin Maria Mannes, "doch dann müsste man auch das Haus der Kunst abreißen". Die Vergangenheit lasse sich nicht auslöschen, indem man Häuser aus der Nazi-Zeit dem Erdboden gleichmache. Nach einem Eintrag aus der Bad Tölz-Wolfratshauser Ausgabe von "Denkmäler in Bayern" spiegeln die Häuser in der Alpenstraße die NS-Ideologie wider: Ihre traditionelle, landschaftstypische Bauweise sollte den Angestellten der Rüstungswerke ein Gefühl von "ländlich kleinstädtischer Heimatlichkeit" suggerieren, zitierte Schulz. Im nationalsozialistischen Wohnungsbau entspreche das Raumangebot einem gehobenen Standard.