Wolfratshausen Sparkasse soll Flüchtlinge als Mieter abgelehnt haben

"Asylanten und andere Hilfsbedürftige" kämen als Bewohner eines Neubaus der Sparkasse in Wolfratshausen nicht in Frage, erfährt eine Helferin auf Nachfrage.

Von Felicitas Amler, Wolfratshausen

Können Flüchtlinge nach ihrer Anerkennung eine Wohnung in einem Neubau der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen beziehen? Nein, sagte eine Mitarbeiterin der Immobilienabteilung des öffentlich-rechtlichen Kreditinstituts einer Wolfratshauser Flüchtlingshelferin am Telefon: Für "solche Leute" komme das Sparkassen-Haus an der Sauerlacher Straße in Wolfratshausen nicht in Frage. Es wird im Internetportal Immobilienscout beworben. Nach dem ersten Versuch vergewisserte sich die Flüchtlingshelferin am Montag mit einem zweiten Anruf - und erhielt präzise diese Auskunft: "Asylanten und andere Hilfsbedürftige" kämen in diesem Gebäude der Sparkasse nicht zum Zug.

Dem Pressesprecher der Sparkasse, Willi Streicher, ist dies so peinlich, dass er sich, wie er sagte, "nicht traute", die Frage, ob es eine derartige Anweisung gebe, dem Sparkassen-Vorstand zu stellen. Sein Bestreben sei es vielmehr, dass die Immobilienabteilung Kontakt mit der Flüchtlingshelferin aufnimmt, um die Angelegenheit zu bereinigen, erklärte Streicher auf SZ-Nachfrage.

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Er habe sowohl mit dem Vorstand als auch mit Kollegen gesprochen, erklärte Streicher. Man sei sich einig, der Flüchtlingshelferin ein Gespräch anzubieten. Die direkte Frage, ob es die Sparkasse ablehne, Wohnungen an anerkannte Flüchtlinge zu vermieten, beantwortete der Pressesprecher so: "Wenn es so gelaufen ist, können wir uns nur entschuldigen." Er könne sich jedenfalls nicht vorstellen, dass es dazu eine Anweisung von oben gegeben habe.

Die Wohnung wäre für zwei Syrerinnen geeignet - Suche für Flüchtlinge schwierig

Die Sparkasse hat im Immobilienscout mehrere Wohnungen in ihrem Neubau an der Sauerlacher Straße, Ecke Floßkanal, inseriert. Darunter ist eine Zwei-Zimmer-Wohnung, die nach Ansicht der vermittelnden Flüchtlingshelferin für zwei Syrerinnen in Frage käme. Wer das Angebot im Internet anklickt, gelangt zu den Mitarbeitern, die es bearbeiten.

Das für die Unterbringung von Asylsuchenden zuständige Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen legt in seinen Statistiken immer auch dar, wie viele sogenannte Fehlbeleger es gibt: Menschen, deren Asylverfahren positiv abgeschlossen wurde, die sich daher selbst um eine Bleibe kümmern müssen. Der Bedarf an Wohnungen für diesen Personenkreis ist groß, von den rund 1600 Flüchtlingen, die aktuell im Landkreis beherbergt werden, sind 105 Fehlbeleger. Die Suche nach Wohnungen für sie ist auf dem freien Markt jedoch schwierig.

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Die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen ist ein öffentlich-rechtliches Kreditinstitut. Vorstandsvorsitzender ist Walter Obinger, Vorsitzender des Verwaltungsrats Landrat Josef Niedermaier (FW).