Asyl in Wolfratshausen Hier ist nicht Köln

Der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung Martin Neumeyer beim CSU-Stammtisch in der Flößerei.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Der Integrationsbeauftragte der Staatsregierung, Martin Neumeyer, spricht beim CSU-Stammtisch von einer neuen Diskussionskultur. Eine Helferin berichtet, dass die Silvester-Vorfälle auch für Flüchtlinge unbegreifbar seien.

Von Claudia Koestler, Wolfratshausen

Es gebe, sagt der Integrationsbeauftragte der Bayerischen Staatsregierung Martin Neumeyer, inzwischen "ein Deutschland vor Köln und ein Deutschland nach Köln". Gemeint waren damit die Ausschreitungen in der Silvesternacht, die nach Ansicht von Neumeyer eine neue Diskussionskultur in der Gesellschaft eröffnet haben: "So schlimm es für die Frauen dort auch war - aber so offen konnten wir vorher nicht reden", sagte er am Donnerstag im Rahmen des Stammtisches der Wolfratshauser CSU.

Offen reden wollten auch die rund 30 Anwesenden in der Flößerei. Während Neumeyer sein Referat zum Thema Asyl mit den Worten "ich kann keine Lösung anbieten" schloss, legten lokale Mandatsträger und Gäste ausführlich ihre Sicht zu Ursachen und Auswirkungen der Asylproblematik dar. Sie forderten zudem vehement eine neue Politik und klare Grenzen, sowohl wörtlich wie auch sinnbildlich.

Kriege, Diktaturen und Hungerkatastrophen hatte Neumeyer zuvor als Ursachen für den kulminierten Andrang von Asylbewerben genannt, genauso aber auch, dass die UNHCR zum Teil kein Geld mehr habe, um Flüchtlinge in den Camps auf den eigenen Kontinenten und Kulturkreisen versorgen zu können.

Ines Lobenstein von der Wolfratshauser Asylhilfe brach die Diskussion auf die lokale Ebene runter. Was in Köln passiert sei, sei für die Wolfratshauser Helfer "unfassbar", erklärte Lobenstein. "Wir besprechen die Vorfälle natürlich mit unseren Asylbewerbern, und auch für die war das unbegreifbar." Sie selbst habe es im Rahmen ihrer ehrenamtlichen Arbeit bislang nicht einmal erlebt, dass sie von einem Asylbewerber respektlos behandelt worden sei.

Köln ist also nicht Wolfratshausen und umgekehrt, aus den Vorfällen in der Domstadt dürfe - soweit waren sich alle einig - nicht pauschal auf andere Asylbewerber geschlossen werden. Und dennoch forderte ein Anwesender: "Wir wollen live im TV Abschiebungen sehen, zur Abschreckung." Vor allem bewegte die Anwesenden jedoch die deutsche Asylpolitik im Hinblick auf die Zukunft eines gemeinsamen Europas. Neumeyer sprach vom derzeitigen "deutschen Sozialimperialismus", Peter Plößl davon, dass mit der Grenzöffnung und der unlimitierten Einladung "nach guter alter Tradition der deutschen Großmannssucht versucht wurde, anderen Ländern unsere Sichtweise aufzudrücken". Für Ewald Kailberth war klar: "Europa ist gescheitert, wir sind nur noch ein Wirtschaftsverbund." Heiko Arndt aber warnte davor, mit der Diskussion "in eine Pegida-Falle zu tappen" und schlug eine andere Herangehensweise vor, nämlich eine Obergrenze der Integrationsfähigkeit in den einzelnen Kommunen und Unterkünften: "Erst, wenn wir eine bestimmte Anzahl in Arbeit und Wohnungen gebracht haben, dann kann diese Zahl nachkommen". Wenn das gelinge, "haben wir eine Chance, die europäische Kultur zu stabilisieren, sonst gleiten wir zurück in nationale Strukturen, und da wird Deutschland als größter Verlierer herausgehen", schloss er.