"Windradfreies Voralpenland" Das Trommeln der Rotorengegner

Initiativen ausDietramszell, Icking und Eurasburg haben sich überregional zum "Windradfreien Voralpenland" vereinigt. Sie fordern, die Energiewende mit anderen Formen der regenerativen Stromerzeugung zu bewerkstelligen.

Von Wolfgang Schäl

"Wir sind keine Floriansjünger, sondern schließen uns zusammen, um einen drohenden wirtschaftlichen Unsinn und eine Industrialisierung der Landschaft zu verhindern": Wenige Wochen bevor in der Planungsregion 17 Entscheidungen über Windkraft-Standorte fallen, trommeln die Gegner solcher Anlagen, die sich unter der Rubrik "Windradfreies Voralpenland" zusammengeschlossen haben, zum Angriff gegen eine Entwicklung, die sie für falsch und fatal halten. Der Vereinigung gehören auch Initiativen in Dietramszell, Beuerberg, Berg/Eurasburg, Feldafing und Ebersberg an.

Einige Mitglieder sind schon überregional bekannt, unter ihnen Melani Suckfüll, die Vorsitzende des Vereins zum Schutz der Wadlhauser Gräben, der Maler und Bildhauer Matthias Gangkofner und Peter Pelz, vormals Chef des gleichnamigen, ehemaligen Geretsrieder Zulieferers für den Autobau. Gemeinsam mit Hans Geisberger aus Benediktbeuern haben sie am Mittwoch - mitten im idyllisch gelegenen Königsdorfer Boschhof - vereint und gebündelt die Argumente vorgetragen, die aus ihrer Sicht gegen diese Form der Energiegewinnung im Oberland sprechen. Über den Zwang des Planungsverbandes der Region 17 schon bald befinden zu müssen, seien nicht einmal die Entscheider selber froh, versicherte Gangkofner, auf Regierungsebene sehe man sich schon gezwungen, "langsam zurückzurudern".

Im Zentrum der Einwände steht die Aussage, dass die Energiewende mit anderen Formen der regenerativen Stromproduktion zu bewerkstelligen sei als mit der Windkraft. Die zerstöre am Alpenrand wertvollste Landschaft, ohne sich dabei wirtschaftlich zu rechnen. Wenn man alle verfügbaren Ressourcen wie die reichlich zur Verfügung stehende Wasserkraft, die Geothermie, Kraft-Wärmekopplung, Biomasse und Solarenergie konsequent nutze, dann seien die Ziele der alternativen Energieversorgung jederzeit auch ohne Windkraftanlagen (WKA) jederzeit erreichbar.

Bestes Beispiel dafür ist nach Gangkofners Worten die reichlich zur Verfügung stehende Wasserkraft. Hierzulande könnten moderne Turbinen, mit denen sich auch kleine Kraftwerke nachrüsten ließen, eine doppelt so hohe Stromausbeute erzielen als zuvor. Gegen die Windkraftnutzung im oberbayerischen Raum spreche vor allem, dass hier, anders als in Norddeutschland, nicht genügend Luftbewegung herrsche. Nur zwei Prozent Strom könnten nach Rechnung der Bürgerinitiative im Oberland aus WKAs geliefert werden, selbst im gesamten Alpenvorland komme man auf nicht mehr als 12 Prozent. Pelz formulierte es so: "Die an der Ostsee haben den Wind, wir am Alpenrand haben das Gefälle für die Wasserkraft."

Für die Windkraftnutzung, so die einhellige Überzeugung der Bürgerinitiative, lohne es sich einfach nicht, Landschaften wie die Murnauer Moore, die Benediktbeurer Wiesen, und das Fünfseenland mit all seinen Biosphären zu zerstören, Regionen, die Anspruch hätten, zum Weltkulturerbe gezählt zu werden. "Die 60 Millionen Touristen, die jedes Jahr Bayern besuchen, kommen nicht, um sich Winderäder anzuschauen", so Pelz. Um nachzuweisen, dass die Rotoren auch wirtschaftlich unsinnig sind, will die Bürgerinitiative jetzt erst einmal Zeit gewinnen, wie Pelz sagte.

Suckfüll prangerte die Nachteile für die unmittelbar neben den Anlagen wohnenden Menschen an - die gesetzliche Mindestabstandsfläche von einem Kilometer sei viel zu gering. In England beispielsweise sei der Mindestabstand auf drei Kilometer festgelegt. Da müsse man sich fragen, "ob die Menschen hier weniger wert sind".

Ihre vielen Argumente haben die Windkraftgegner unter www. Windradfreies-Voralpenland.de dargestellt.