Weg zur Rappinalm Vorläufiges Ende einer Dauerfehde

Jahrelang sorgte der Weg zur Rappinalm für Streit. Erst im Sommer rutschten Böschungen ab - noch vor der Abnahme. Jetzt ist er repariert, doch über die Kosten will keiner sprechen.

Von Suse Bucher-Pinell

Eigentlich hätte der Wirtschaftsweg zur Rappinalm zwischen Kochel am See und Jachenau schon längst fertig sein und ein Schlussstrich unter einen jahrelangen Streit zwischen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz gezogen werden sollen.

Die Erschließung der Rappinalm durch eine Wirtschaftsstraße sorgte jahrelang für Streit zwischen Landwirtschaft, Forstwirtschaft und Naturschutz. Nun sind die Nachbesserungen abgeschlossen.

(Foto: Dieter Appel)

Doch ehe die Trasse im Sommer überhaupt abgenommen werden konnte, rutschten Böschungen ab und es stellte sich heraus, dass die Kurven teilweise zu eng geraten waren. Der Jachenauer Landwirt Anton Lippert, der seit sieben Jahren eisern für den Weg kämpfte, damit er sein Vieh mit Schlepper und Anhänger auf seine bis dato nur zu Fuß erreichbare Alm fahren kann, hätte ihn nur schwerlich nutzen können.

Seit einigen Tagen sind nun die Nachbesserungen und Reparaturen abgeschlossen. "Der Weg ist fertig und abgenommen", sagt Johannes Hütz, Chef des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten in Miesbach. Eigentlich würde er es gerne dabei belassen. Stattdessen ist er vom Tölzer Landratsamt beauftragt, Presseanfragen in der heiklen Angelegenheit zu beantworten, obwohl nicht sein Bereich Landwirtschaft mit dem Bau befasst war, sondern der selbständige Bereich Forsten. Der hatte auch die Bauleitung inne - eine Entscheidung, die laut Hütz "so nicht mehr vorkommen wird".

Denn spätestens seit Sommer ist allen klar, dass der Bau des Wegs viel komplizierter ist als angenommen. "Die Hanglabilität stand wie eine Drohung im Raum", blickt Hütz auf diese Zeit zurück. Gerade auf dem letzten Drittel des Wegs zur Alm hin, das Stück mit den zu engen Kurven, hätte viel stärker in die Natur eingegriffen werden müssen als gewollt.

Um den Weg nutzen zu können, wurde dieses letzte Stück noch einmal neu in Angriff genommen und eine veränderte Trassenführung gewählt. Die führt nun über festeren Untergrund, ist etwas länger und dafür nicht so steil. Andernfalls hätte man die Trasse mit ihren engen Kurven durch weitere Stützmauern stabilisieren müssen. Nach langer Abwägung habe man das so entschieden, sagt Hütz.

Zugleich wird das schwer reparable und kaum befahrbare Stück zurückgebaut, was trotz aller Sorgfalt Narben in der Landschaft zurück lasse. Vorhersehbar sei die Entwicklung nicht gewesen: "Nach jedem Bau ist man klüger." Friedl Krönauer vom Bund Naturschutz, von Anfang an Gegner der Erschließung der Rappinalm, überrascht die jüngste Entwicklung dagegen nicht. "In dem ganzen Gebiet besteht starke Erosionsgefahr", sagt er. Lokale Starkregen täten ihr Übriges. "Nicht der Weg ist das Problem, sondern die Böschungen."

Dass die Trasse nun auch hält, davon ist Hütz überzeugt. Ebenso Almbauer Anton Lippert, der das neue Stück Trasse in Eigenregie hat machen lassen: "Das ist jetzt fachmännisch sauber gemacht." Schon dieses Jahr hat er eine "Riesenerleichterung" gespürt, als er sein Vieh mit dem Hänger holen konnte. Im nächsten Frühjahr will er seine Almhütte richten, was er bisher hinausgeschoben habe.

Denn die Materialien hatte er weder mit der Kraxe noch mit dem Hubschrauber auf die knapp 1000 Meter hoch gelegene Alm bringen wollen. Ob es bei den früher genannten 180 000 Euro abzüglich staatlicher Zuschüsse geblieben ist, darüber möchte keiner reden. Wolfgang Neuerburg von der Forstverwaltung hat noch keine Zusammenstellung. Auch Anton Lippert bleibt unverbindlich und spricht von "mehr als angedacht."