Volksmusik reloaded Die Stubenrocker

Sie singen Gstanzl, die grooven, und spielen Rock, der griabig klingt: Auf ihrer ersten CD verbinden Sepp Mü und "D'Housemusi" zünftige Alpenmusik mit Metall-Klängen.

Von Frederik Obermaier

Den "Mü" kennen sie alle - entweder als Mitglied der "3luschdigenZwoa", im Duett mit Wolfgang Krebes in der "Stoiberschau" oder als Leiter des Musikzentrums Trommelfell in Tölz. Mit Martin Regnat und Toni Fischer tritt Sepp Müller - wie der "Mü" im bürgerlichen Leben heißt - zudem als "D' Housemusi" auf. Mit der Süddeutschen Zeitung sprach der 39-Jährige über Gstanzl bei den Preußen, Heavy Metall auf dem Seniorengeburtstag und Rockfans mit Trachtenhut.

Sepp Mü, Martin Regnat und Toni Fischer (von links) von "D' Housemusi" spielen groovige Landler und griabigen Stubenrock.

(Foto: Privat)

"Groovige Landler und griabigen Stubenrock" - so beschreiben Sie die Musik Ihrer Band "D' Housemusi". Aber wie passt der Groove zum Landler und das Griabige zur Rockmusik?

Ganz einfach: Die Rocknummern sind griabiger geworden, weil wir sie mit Ziach und Zither spielen, und der Landler wird groovig, wenn das Schlagwerk und die Percussion dazukommt.

Das hört sich aber erstmal an, wie Nutellabrot mit Essiggurke...

Naja, aber es funktioniert. Zum Beispiel bei "Final Countdown" von "Europe": Gespielt mit Ziach und Zither, ist das richtig tangomäßig geworden. Das erkennt man fast nicht wieder.

Einen Eighties-Klassiker mit Volksmusik-Instrumenten zu spielen, darauf muss man aber auch erstmal kommen. Wie kam es dazu?

Durch puren Zufall: Vor zwei Jahren haben Toni Fischer und Martin Regnat beim 60. Geburtstag von meiner Tante auf der Zither und der Kontragitarre "Nothing else matters" von Metallica gespielt. Da war ich einfach baff - das war noch viel intensiver als das Original. Sogar die ganz Boarischen waren begeistert. Die hatten sicher noch nie was von Metallica gehört.

Ein Senioren-Geburtstag war also die Geburtsstunde von "D' Housemusi"?

Wenn man so will, ja. Ich hatte an dem Tag zufällig meine Kanun, also meine orientalische Zither, im Auto. Die hab ich geholt und wir haben gespielt und es hat gepasst. Bis heute ist das ein reines Gaudi-Projekt.

Das Repertoire Ihrer Band reicht ja mittlerweile von Metallica bis zum "Glöckl ausm Isartal". Wer soll das denn hören? Der langhaarige Rocker in Lederkutte oder der gemütliche Oberländer in Lederhose und mit Trachtenhut?

Das Interessante ist, dass unsere Musik beiden Seiten gefällt. Den Trachtlern vermitteln wir den Groove und den Metaller-Fans das Zünftige. Wir waren vor Kurzem auf einem Festival in Nördlingen und da waren sogar die eingefleischten Dark- und Deathmetall-Anhänger baff. Die Leute haben heute halt weniger Scheuklappen als früher. Nur die ganz eingefleischten Volksmusiker oder Metallheads werden nie zu Fans werden, die würden sich unsere Musik nie im Leben anhören.

Viele Ihrer Lieder sind ohnehin auf Bairisch. Das verstehen außerhalb Bayern die wenigsten...

Ja, Sprachbarrieren gibt es. Wir haben 2010 mal auf einem alternativen Oktoberfest in Koblenz gespielt. Da haben wir für ein Gstanzl, das normalerweise vier Minuten dauert, zehn Minuten gebraucht - einfach weil wir nach jedem Satz erstmal übersetzen mussten. Wir haben aber daraus gelernt: Nach der Pause haben wir nur noch Instrumentalstücke gespielt. Davon wollten die dann sogar noch eine Stunde lang Zugaben.

Mittlerweile haben Sie sich sogar für den Fraunhofer Volksmusikpreis beworben, spielen Konzerte in Süddeutschland und der Schweiz Was kommt als nächstes?

Wir werden schon bald eine zweite CD nachschieben. Und in Berlin oder Hamburg würden wir gerne auftreten. Der Traum wäre aber, mit Metallica-Sänger James Hetfield eine bayerisch-griabige Version von "Nothing else matters" aufzunehmen.

"D' Housemusi" stellen am Samstag, 22. Januar, in der "Lust" ihre erste CD "In da House" - auf Bairisch: "In da Stubm" - vor. Das Konzert beginnt um 20 Uhr, ist allerdings bereits ausverkauft.