Tölzer Stadtklinik Rettungsaktion für die Geburtshilfe

In Bad Tölz gibt es einen Babyboom, und die Geburtsabteilung der Stadtklinik ist beliebt. Gegen die Schließung regt sich nun Widerstand. Politiker fordern ein Soforthilfeprogramm zur Rettung solcher Stationen im ländlichen Raum.

(Foto: Waltraud Grubitzsch /dpa)

Alexander Hofmann aus Gaißach initiiert eine blitzartig erfolgreiche Online-Petition. Der Landtagsabgeordnete Florian Streibl fordert Sofort-Programm der Staatsregierung

Von Claudia Koestler, Bad Tölz

Für Bürger wie für Politiker ist das drohende Aus der Geburtshilfe an der Tölzer Stadtklinik ein Schock, doch nun folgen Taten, um die Schließung noch abzuwenden. So hat der Gaißacher Alexander Hofmann eine Petition im Internet gestartet mit dem Ziel, die Abteilung zu retten. Innerhalb eines Tages unterschrieben bereits an die 1200 Unterstützer die Petition, die noch 60 weitere Tage lang laufen soll. Zugleich hat der Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) aus Oberammergau einen Dringlichkeitsantrag gestellt. Darin fordert er die bayerische Staatsregierung auf, ein Soforthilfeprogramm aufzulegen, das eine flächendeckende Geburtshilfe in ganz Bayern sicherstellen soll. Denn er fürchtet, das Tölzer Beispiel zeige, dass die klassische Geburtshilfe "ernstlich gefährdet" ist.

Weil es nach Ansicht Streibls für werdende Eltern aber unerlässlich ist, in angemessenem Zeitraum den nächsten Kreißsaal erreichen zu können, soll das Soforthilfeprogramm drei Punkte umfassen: Damit eine flächendeckende Versorgung gewährleistet werden kann, sollen Krankenhäusern mit kleineren Geburtshilfeabteilungen finanzielle Unterstützung vom Bund erhalten. Langfristig müsse das Problem niedriger Vergütung und hoher Beiträge zur Berufshaftpflichtversicherung gelöst werden, etwa mittels eines Haftungsfreistellungsfonds. Drittens sollten konkrete Anreize für freiberufliche Hebammen zur Praxisgründung im ländlichen Raum geschaffen werden.

Die Petition im Internet wurde im Namen einer Initiative aus "Eltern, werdenden Eltern und Angestellten" verfasst, wie Initiator Hofmann schreibt. Denn obwohl es in der Kurstadt Bad Tölz und Umgebung einen Babyboom gibt, steht die Geburtshilfe der Asklepios Stadtklinik Bad Tölz vor dem Aus. Alle Bemühungen neue Gynäkologen zu finden, waren bislang vergeblich, wie Geschäftsführer Joachim Ramming bei einem Pressegespräch in der vergangenen Woche mitgeteilt hatte.

Bis Mitte nächsten Jahres soll die Abteilung zwar noch im gewohnten Umfang weiterlaufen. "Doch was geschieht danach? Wo sollen die Frauen entbinden?", fragte sich Hofmann. Als Alternativen gebe es nur Agatharied, Wolfratshausen, Starnberg, Garmisch oder gar München. "Das sind alles Kliniken, die nicht um die Ecke liegen", betont der Gaißacher. Ungeklärt sei auch, wie beispielsweise alleinerziehende Mütter in diese Kliniken kämen. Kinder aber "warten nicht darauf, bis das nächste Klinikum erreicht ist. Oftmals entscheiden Minuten, ob ein Baby gesund zur Welt kommt", sagt Hofmann.

Rund 500 Geburten gibt es in der Tölzer Klinik im Jahr. Doch die zwei gynäkologischen Belegärzte Florina Rummel und Stephan Krone hatten erklärt, dass sie den enormen Arbeitsaufwand unter den gegebenen Umständen nicht auf Dauer leisten könnten. Sie betreiben neben ihren Schichtdiensten im Krankenhaus auch noch eigene Praxen. Die beiden Belegärzte machten zwar deutlich, dass sie durchaus gewillt seien, weiter in der Geburtshilfe zu arbeiten - wenn sie Unterstützung erhalten. Doch bislang ist es der Klinik nicht gelungen, weitere Fachmediziner anzuwerben. Kein einziger Interessent meldete sich auf persönliche Anschreiben, Annoncen, Internet-Werbung oder über Personalagenturen.

Die Petenten wollen nun den Druck in der Öffentlichkeit erhöhen, um die Geburtshilfe in Bad Tölz dennoch "am Leben zu erhalten", wie Hofmann betont. Schließlich wolle man sich nicht vorstellen, dass Frauen "hochschwanger, mit geplatzter Fruchtblase und Wehen im Drei-Minuten-Takt vor der Tür abgewiesen werden".

Die bisherigen Unterstützer der Petition, von denen viele aus dem Landkreis kommen, betonen vor allem die gute Betreuung, die sie selbst in Bad Tölz stets erfahren hätten und für kommende Generationen von Tölzern nicht missen wollten. Die Kommentare reichen von "haben beim ersten Kind die beste Hilfe erhalten" bis hin zu Sorgen über eine Überlastung der umliegenden Kliniken.

Die mögliche Schließung der Abteilung bewegt selbst Menschen, die nicht in unmittelbarer Nähe wohnen: Auch aus München haben sich schon etliche Bürger an der Petition beteiligt, sogar bundesweit unterstützen Menschen die Forderung nach der Rettung: "Ich würde verzweifeln, würde dies in meinem ausgewählten Krankenhaus passieren. Deshalb unterschreibe ich mit für die Mütter und werdenden Mütter, wo diese Klinik das ausgewählte Krankenhaus ist", kommentiert ein Petent aus Rieste. Und eine Krefelderin fordert: "Bad Tölz braucht seine Hebammen." Sie selbst hätte beinahe im Rettungswagen unter den Augen zweier völlig überforderter Sanitäter entbunden. Der Grund: "Auch hier schloss das Geburtshaus, welches ich in zehn Minuten hätte erreichen können." Situationen wie diese seien aber "kein haltbarer Zustand für ein Land wie unseres".

Bis Redaktionsschluss am Sonntagabend hatten bereits rund 1200 Unterstützer die Petition zum Erhalt der Tölzer Geburtsabteilung online unterschrieben. 1400 Stimmen sind nötig, um das Quorum zu erreichen. Ist dies geschafft, holt die Internet-Plattform "openPetition" von den zuständigen gewählten politischen Vertretern eine Stellungnahme zur Petition ein.

Nähere Informationen über die Petition und eine Beteiligung daran sind online möglich unter www.openpetition.de/petition/online/rettet-die-geburtshilfe-in-bad-toelz