Tölzer Bahnhof Vermüllte Visitenkarte

Der Tölzer Bahnhof wirkt, als stünde er im Nirgendwo eines osteuropäischen Landes. Und die Beteiligten? Schieben sich lediglich den Schwarzen Peter zu.

Ein Kommentar von Klaus Schieder

Es ist schon oft beschrieben worden: Bad Tölz hat eine pittoreske Marktstraße, der Bahnhof wirkt dagegen eher, als stünde er irgendwo im Nirgendwo eines osteuropäischen Landes. Eine Visitenkarte ist diese Station für die Kurstadt nicht, die jedes Jahr von Zehntausenden Touristen besucht wird. Auf den Gleisen liegt meist Müll herum, in der Unterführung wird's schon mal düster, wenn wieder eine Lampe kaputt ist, die Bahnhofstoiletten sind am Wochenende zu, das Gebäude selbst ist mit seinen gefährlichen Eingangsstufen und dem ramponierten Dach arg sanierungsbedürftig.

So sieht das Entrée seit vielen Jahren aus. Und seit vielen Jahren passiert nichts, weil sich die Beteiligten bloß den Schwarzen Peter zuschieben.

Für die Sauberkeit auf den Schienen und den Bahnsteigen ist die Bahn-Tochter "DB Station und Service" zuständig, die dafür wiederum ein Subunternehmen beschäftigt, das einmal pro Woche die Bahnsteige reinigt. Also nicht gerade häufig angesichts der Zahl der Reisenden, die in Tölz zu- oder einsteigen. Aber dort fährt ja auch nicht die Deutsche Bahn, sondern die Bayerische Oberlandbahn, die diese Station lediglich nutzt, aber nicht Geld fürs Müllaufklauben ausgeben muss.

Die Stadt wiederum hat es aufgegeben, mit dem privaten Eigentümer des Bahnhofgebäudes über eine Sanierung zu reden, das dieser seit Jahren herrichten will, aber nicht kann, darf oder doch nicht möchte. Irgendwie wird man bei alledem den Eindruck nicht los, dass sich jeder gerne als Saubermann gibt, aber keinem der Zustand des Tölzer Bahnhofs sonderlich am Herzen liegt.

Eine Lösungsansatz gäbe es, diesen gordischen Knoten zu durchtrennen: Die Stadt sollte versuchen, den Bahnhof zu kaufen - wie Stadtrat Willi Streicher (SPD) mit Recht vorschlug. Auch wenn dies kostspielig werden dürfte, bestünde damit doch die Chance, wieder Leben in das Gebäude zu bringen. Vieles wäre dort nach einer Renovierung denkbar, vom gediegenen Restaurant über Geschäfte bis hin zu einer Kunstgalerie. Als Besitzer hätte die Kommune auch mehr Druckmittel, die Sauberkeit der Station zu verbessern. Aber der Wille dazu ist bislang so wenig zu erwarten wie die Ankunft eines Zugs, der im Depot steht.