Skilifte im Umland Hoffen auf weiße Weihnachten

"Letztes Jahr um diese Zeit waren wir schon in Betrieb": Sehnsüchtig warten die Betreiber kleiner Skilifte rund um München auf Schnee. Doch selbst für eine komplette Kunstschneedecke ist es derzeit noch zu warm. Dennoch: Sie wollen weitermachen, was oft schon die Eltern angefangen haben.

Von Silke Bigalke

Niemand wünscht sich weiße Weihnachten so sehr wie die Skilift-Betreiber. Denn sie machen in den Ferien den größten Umsatz. Vor allem für die kleineren Skigebiete im Landkreis ist der Schnee zum Jahresende wichtig. Ihre Hauptkundschaft sind die Familien, und die kommen nun einmal meist in den Schulferien.

"Letztes Jahr um diese Zeit waren wir schon in Betrieb", sagt Michael Fischhaber, Liftbetreiber am Reiserhang in Gaißach. "Alle sind bereit, der TÜV ist gemacht, wir warten nur auf den Schnee." Die Schneekanonen haben schon den ersten Testlauf hinter sich. Jetzt leuchteten vier große weiße Flecken vom Hang, sagt Fischhaber. Für eine komplette Kunstschneedecke aber ist es noch zu warm.

Doch in den letzten Jahren sei es nie ohne künstlichen Schnee gegangen. "Das Wetter wird immer extremer, immer wärmer", sagt Fischhaber. Er betreibt Lift und Schneekanonen mit einem Diesel-Generator, der 40 bis 45 Liter pro Stunde schluckt. Für einen kompletten Hang müssen die Maschinen zehn Tage durchschneien. Trotzdem ist Fischhaber glücklich, solange er überhaupt Schnee hat. "Es muss schließlich weitergehen", sagt er. Den Reiserlift hat schon sein Vater betrieben, seit 1968.

Leonhard Burger, der den Lift in Peretshofen, Gemeinde Dietramszell, betreibt, glaubt nicht mehr an weiße Weihnachten. "Da wird heuer nicht mehr viel los sein", sagt er, obwohl er natürlich das Gegenteil hofft. Wenn der Schnee ausbleibt, bleibt Burger auf den Kosten für TÜV und Versicherung sitzen. Dass es auch über Weihnachten grün ist, habe er schon öfter erlebt. Dietramszell liegt relativ tief. Der Vorteil dieser Lage ist die Nähe zu München, der Preis dafür ist die große Schneeunsicherheit. "Wir haben eine alte Anlage, so lange sie läuft, läuft sie", sagt Burger. Einen neuen Lift würde er nicht mehr anschaffen. "Dafür ist das Risiko hier zu hoch."

Um unabhängiger vom Wetter zu werden, hat sich der Liftbetreiber in Beuerberg vor drei Jahren eine Schneekanone zugelegt. "Sie ist unser Rückhalt", sagt dessen Tochter Claudia Mannheim, Besitzerin der Skischule in Beuerberg. Als ihr Vater den Lift vor genau 40 Jahren eröffnet hat, gab es im ersten Jahr keine einzige Schneeflocke, erzählt sie. "Das war also auch schon früher unsicher", sagt sie.

Sobald es kälter wird, bringt jetzt die Maschine Stabilität. "Der Kunstschnee hält viel mehr aus als natürlicher", erklärt Mannheimer. Denn er bestehe nicht aus Kristallen, sondern habe eine kompakte Kugelform. Doch vor Weihnachten schießt die Kanone nicht, weil sowieso nichts los ist. Im Advent seien die Leute im Stress, sagt Mannheim. "Und bei vielen liegen die Kinderski erst unterm Weihnachtsbaum."

Bisher denke noch niemand ans Skifahren, sagt auch Michael Krinner von den Kochler Ötzliften. "Aber wenn der Wintereinbruch kommt, kann das schnell umschlagen." Solange es finanziell machbar ist, will er den Lift laufen lassen. Wie viele Betreiber ist er nebenher berufstätig und arbeitet im Wolfratshauser Vermessungsamt. Wenn in den Ferien alles passt, viel Schnee liegt und die Sonne scheint, fahren 300 bis 400 Gäste täglich mit seinem Lift.

Am Brauneck wünscht man sich den Schnee schon vor den Ferien: Kommendes Wochenende ist das große Ski-Opening mit vielen Aktionen geplant. In den nächsten Tagen werde man entscheiden, ob es stattfinden könne, sagt Peter Lorenz, Betreiber der Brauneck-Bergbahn. Dann wäre es schön, wenn auch Schnee von oben dazu kommen würde, denn ein Kubikmeter Kunstschnee koste etwa drei Euro. "Wir brauchen schon einige Tausende", sagt Lorenz. Er sei zuversichtlich, dass spätestens Weihnachten Schnee liegt.

Freie Fahrt auf den Pisten

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