"Sehr enttäuschend" Mini-Pauschale für Tierheime

Das Tierheim beherbergt und versorgt Tiere, die herrenlos und oft verletzt aufgefunden werden.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Bürgermeister zwischen Icking und Lenggries einigen sich auf Zuschüsse von lediglich 25 Cent pro Einwohner

Von Felicitas Amler, Bad Tölz-Wolfratshausen

Die Tierheime in Gelting und Bad Tölz sind womöglich ernsthaft in ihrem Bestand gefährdet. Die Hoffnung, dass sich die Bürgermeister der 21 Landkreis-Kommunen auf eine jährliche Fundtier-Pauschale von einem Euro pro Einwohner einigen, hat sich zerschlagen. Bürgermeistersprecher Michael Grasl (FW) meldete nach der Dienstbesprechung am Dienstagabend, es sei eine Pauschale von 25 Cent je Einwohner festgelegt worden. Mehr sei einfach nicht konsensfähig gewesen.

Grasl wertet dies "zumindest als Anfang einer hoffentlich positiven Entwicklung und Zusammenarbeit". Denn, so seine Begründung, viele Jahre lang wurde bisher unter den Bürgermeistern ohne Ergebnis über das Thema diskutiert. Bernhard Wahler, Vorstandsmitglied im Wolfratshauser Tierschutzverein, ist dagegen völlig deprimiert: "Das ist sehr enttäuschend", sagt er. Dabei hätte doch jedem Bürgermeister klar sein müssen, dass man mit 17 000 Euro - so viel ergibt die Pauschale für die Nord-Kommunen rund ums Geltinger Tierheim - und 10 000 Euro Mitgliedsbeiträgen kein Tierheim betreiben könne.

Wahler erinnert noch einmal daran, dass die Tierschutzvereine mit ihrer Arbeit in Tierheimen eine kommunale Pflichtaufgabe tragen. Sie verlangten von den Gemeinden keine Förderung, sondern die Bezahlung dessen, was sie ihnen abnehmen. "Der Tierschutzverein bräuchte ja kein Tierheim", sagt er, "die Kommunen brauchen ein Tierheim."

Der Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen steht mit der nun beschlossenen Regelung deutlich hinter anderen zurück. So zahlt im Landkreis Dachau die Mehrheit der dortigen Gemeinden die vom Tierschutzbund empfohlene Pauschale von 1,50 Euro pro Einwohner; in Starnberg und Garmisch-Partenkirchen sind es 60 Cent pro Einwohner plus Zuschüsse der Landkreise in Höhe von 13 000, beziehungsweise 21 000 Euro.

Bürgermeistersprecher Grasl betont, die Tierschutzvereine hätten nun zumindest eine Sicherheit, mit der sie verbindlich rechnen könnten. Sie müssten nicht mehr als Bittsteller auftreten. "Wenn sich nach einem Jahr beziehungsweise zwei Jahren herausstellt, dass dieser Schlüssel den ungedeckten Bedarf nicht deckt, sollten beide Tierheime eine Aufstellung ihrer aktuellen Zahlen vorlegen, die dann ein Überdenken dieser Pauschale bedeuten kann. Dabei sollte auch der Blick auf vergleichbare Landkreise gehen."

Ein solches Abwarten wäre aus Sicht der Vereine vermeidbar, wenn man sie beim Wort nähme: "Die Ein-Euro-Regelung wäre das, womit ein Tierheim leben könnte", sagt Wahler. Der Vorstand werde nun beraten, wie es - und ob es überhaupt - weitergehen kann. Der Verein, der das Josefa-Burger-Tierheim in Gelting unterhält, hat nach eigenen Angaben jedes Jahr ein Defizit von 40 000 bis 70 000 Euro. Ohne Schenkungen, Nachlässe und Vermächtnisse wäre dies nicht zu bewältigen, sagt der Vorsitzende Manfred Fleischer. Der Verein stellt aber auch fest, dass die Spendenbereitschaft nachgelassen habe. Auf Dauer lasse sich so mit dem Tierheim jedenfalls nicht arbeiten.