Sachsenkam Bettelbriefe und ein Kalender

Kreisheimatpfleger Martin Englert, Josef Beheim, Schwester Faustina, Gerald Ohlbaum und Helmut Rührmair mit dem neuen Klosterkalender ( v.l.).

(Foto: Manfred Neubauer)

Noch 200 000 Euro fehlen für die Sanierung von Kloster Reutberg. Jetzt bittet der Förderverein die Firmen im Landkreis um Spenden und hofft auf Einnahmen im Advent

Von Petra Schneider, Sachsenkam

Stattlich thront das Kloster Reutberg auf einem Hügel, ein weithin sichtbares, spirituelles Zentrum und ein beliebter Ausflugsort mit Gastwirtschaft und Klosterbrauerei. Im Jahr 1735 wurde die barocke Klosterkirche in ihrer heutigen Form eingeweiht, vor 50 Jahren zuletzt renoviert. Die Zeit hat ihre Spuren hinterlassen. Am Kirchturm blättert die Farbe ab, an einigen Stellen ist die Bausubstanz mürbe. Auch im Kircheninneren sind Schäden an Fresken und Heiligenfiguren unübersehbar: Ein Riss zieht sich durch die Gottvaterfigur an der Ostwand hinter dem Hochaltar, an manchen Stellen ist der Stuck mit einer dicken Staubablage bedeckt.

Vor zwei Jahren hat das Erzbischöfliche Ordinariat untersuchen lassen, wie viel eine Sanierung der gesamten Kirche kosten würde. Das Ergebnis: rund zwei Millionen Euro. Die eine Hälfte übernimmt das Ordinariat für die Außenrenovierung, rund eine Million müssen die Franziskanerinnen vom Reutberg selbst aufbringen. Erst wenn das Kloster Eigenmittel von 70 Prozent, also rund 700 000 Euro, zusammen hat, will das Ordinariat mit der Sanierung beginnen. Weil das für die Franziskanerinnen ohne Spenden nicht zu schaffen ist, hat sich vor vier Jahren der "Verein der Freunde des Klosters Reutberg" gegründet, dem inzwischen 230 Mitglieder angehören. Wie Vorsitzender Gerald Ohlbaum sagt, sind wieder einige Aktionen geplant, um Spenden zum Erhalt der Kunstschätze in der Kirche zu sammeln: So gibt es heuer wieder einen Jahreskalender.

Auf großformatigen Bildern sind Motive der Kirche und Außenansichten des Klosters samt vieler wissenswerter Informationen zusammengestellt. Den Kalender kann man für 15 Euro im Klosterladen oder bei der Tourist Info in Bad Tölz kaufen. Ohlbaum will zudem einen "Bettelbrief" an Unternehmen im Landkreis schicken und eine Präsentationsmappe erstellen, in der alle Kunstwerke zusammengestellt sind, für die Patenschaften übernommen werden könnten. Zum vierten Mal wird am 6. Dezember wieder der Reutberger Adventsmarkt stattfinden, bei dem 29 Stände im Klosterhof und im Garten des Bräustüberls kunsthandwerkliche Produkte anbieten. Eine Alpenländische Adventsandacht, Kutsch- oder Schlittenfahrten und der Besuch des Nikolauses ist angekündigt. Außerdem sollen beim Adventsmarkt zwei Ölgemälde aus Privatbesitz mit Motiven des Klosters versteigert werden. Am 20. Dezember liest Kreisheimatpfleger Martin Englert die Weihnachtslegende von Ludwig Thoma, unterstützt wird er von den Piesenkamer Sängern. Am 31. Januar gibt es ein besonderes Konzertereignis auf dem Reutberg: Die weihnachtliche lauretanische Litanei von Zacharias Zolle aus dem 18. Jahrhundert wird aufgeführt. Gespielt wird nach Noten, die im Musikarchiv des Reutberger Klosters gefunden wurden.

Auf einem "Spendenturm" in der Kirche, den Martin Englert maßstabsgetreu aus Holz gefertigt hat, ist der aktuelle finanzielle Stand abzulesen: 50 000 Euro hat der Verein gesammelt, 350 000 das Kloster aus Erlösen des Verkaufs des Klosters Spielberg bei Fürstenfeldbruck beigesteuert, 100 000 Euro sind aus Klosterführungen oder anderen Spenden eingegangen. Insgesamt 500 000 Euro also. Fehlen noch 200 000 Euro, damit mit der Außensanierung begonnen wird. Bisher wurde lediglich die einsturzgefährdete Empore saniert und vom Ordinariat bezahlt, "eine Notmaßnahme", wie Ohlbaum sagt.

Seit 1651 leben Franziskanerinnen auf dem Reutberg. In der Blütezeit waren es 40, heute wohnen noch zwei Schwestern dort. Eine weitere kümmert sich in Sachsenkam um die Landwirtschaft und die 40 Kühe, eine Schwester lebt im Altenheim. Auch Spiritual Josef Beheim, Priester im Ruhestand, lebt auf dem Reutberg. Die Veranstaltungen seien nicht nur eine Gelegenheit zum Spenden sammeln, sagt er. "Wir wollen zeigen, dass Leben im Kloster ist".