S-Bahn-Verlängerung von Wolfratshausen nach Geretsried "Super Kompromiss"

Einen Bahnübergang soll es an der Sauerlacher Straße zwar weiterhin geben, aber nur für das spärlich befahrene Industriegleis.

(Foto: Hartmut Pöstges)

Die Landtagsabgeordneten loben das Ergebnis des zweiten Runden Tischs zum S 7-Projekt. Der Wolfratshauser Roland Dautenhahn hatte die Lösung allerdings schon viel früher angesprochen.

Von Matthias Köpf

Die neuesten Pläne der Deutschen Bahn für eine S 7-Verlängerung mit zweigleisigem Bahntunnel in Wolfratshausen gibt es schon seit 2007. Damals hatte der Wolfratshauser Roland Dautenhahn im Grundsatz genau die Lösung vorgestellt, mit der die Bahn und die Politik nun die S 7-Verlängerung bis Geretsried retten wollen. 2007 wurde Dautenhahns Vorschlag noch als zu teuer verworfen, nun sollen alle Beteiligten einschließlich beider Städte und des Landkreises zusammen zusätzlich 44 Millionen Euro dafür aufbringen. Dass das gelingen kann, sehen die örtlichen Landespolitiker mit Zuversicht.

Zum zweiten Runden Tisch zur S 7 vor einer Woche hatte Innenminister Joachim Herrmann (CSU) neben dem Landrat und Lokalpolitikern aus Wolfratshausen und Geretsried sowie vielen Bahnvertretern und Ministerialen auch Abgeordnete aus allen vier Landtagsfraktionen eingeladen. Wirklich teilgenommen haben der Heilbrunner Stimmkreisabgeordnete Martin Bachhuber (CSU) und sein Münchner SPD-Kollege Florian von Brunn, der fraktionsintern den Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen mitbetreut. Die Grüne Claudia Stamm war zu dem Treffen nicht gekommen, Florian Streibl (FW) hatte sich von einem Mitarbeiter vertreten lassen. Während Bachhuber und auch der SPD-Mann von Brunn den Innenminister für das Gesprächsklima und für die nun gefundene Lösung loben, mischen sich bei Streibl unter das Lob auch etwas kritischere Töne.

So dritteln sich Bund, Freistaat und Bahn einen Mehrkosten-Anteil von 27 Millionen Euro, was Herrmann, Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) und Bahn-Vertreter laut Bachhuber schon im August 2014 vereinbart haben. Der Kreis und die Städte sollen - möglichst per Beschluss vor der Sommerpause - zusammen 17 Millionen Euro aufbringen, die wie alle anderen Zahlen nach dem Preisstand von 2009 kalkuliert sind und daher bei weitem nicht reichen dürften. Der FW-Politiker Streibl äußerst ein gewisses Verständnis für die Forderung an die Kommunen. Andererseits hätte aus seiner Sicht auch der Freistaat die fehlenden 17 Millionen übernehmen können. "Das wäre dann ein starkes Signal gewesen", sagt Streibl und kritisiert, dass mit der geforderten Summe nicht auch die Verantwortung für das Gelingen des ganzen Projekts auf die Kommunen abgewälzt werden dürfe.

Dem hält Bachhuber entgegen, dass die Stadt München die bis zu 500 Millionen Euro teure Tieferlegung beim S-Bahn-Ausbau Richtung Daglfing komplett selbst bezahlt. Der Wolfratshauser Gleistunnel galt bisher von Gesetzes wegen als unbezahlbar. Dass die Mehrkosten nun nicht mehr das äußerst knapp kalkulierte Nutzen-Kosten-Verhältnis für öffentliche Infrastrukturprojekte sprengen sollen, begründen Bahn und Ministerium mit den Vorteilen, die ein Tunnel auch für den Straßenverkehr hat.

Die Wolfratshauser Roland Dautenhahn und Hans Gärtner, die beide Vorschläge für einen Tunnel gemacht haben, zeigen sich da etwas verwundert. Gärtners 2013 lancierten Vorschlag hatte Herrmann zum Anlass für den ersten Runden Tisch und für die dann bestellte Neuplanung der Bahn genommen. Gärtners eigener Entwurf schied aus, weil er nur einen eingleisigen Tunnel vorsah, mit dem sich laut Bahn kein 20-Minuten-Takt halten lässt. Die Bahn selbst habe bis 2013 aber gar keine zwei Gleise gefordert, sagt Gärtner, der seine Vorschläge zudem extrem auf den Preis hin ausgerichtet hat, weil er annahm, die Mehrkosten würden in die Nutzen-Kosten-Kalkulation einfließen. Mit den Ergebnissen des Runden Tischs zeigt sich gleichwohl auch Gärtner zufrieden, die aktuelle Lösung sei ein "super Kompromiss".

Im Detail soll die S 7 ab der Unterführung des Mühlpointwegs abtauchen, südlich der Sauerlacher Straße an einem zweigleisigen Tiefbahnhof mit Mittelbahnsteig halten und jenseits der Königsdorfer Straße wieder an die Oberfläche kommen. Das Industriegleis nach Geretsried bleibt an der Oberfläche, weil sonst längere Rampen und eine Abzweigung im Tunnel nötig wären. Just so hat es sich Dautenhahn 2002 erstmals zurechtgelegt und 2007 öffentlich und auch der Bahn vorgestellt. Die habe seine Ideen aus Kostengründen zurückgewiesen, und auch von den Kommunen habe es keine Bereitschaft gegeben, selbst Geld auszugeben. Das sei nun offenbar anders, sagt Dautenhahn. "Manchmal mahlen die Mühlen eben etwas langsamer."