Pro Bahn-Sprecher "Der Fahrplan ist Makulatur"

Thomas Weißenborn listet eine Litanei von Ärgernissen auf der Strecke München-Kochel auf. Bahnsprecher Lindemair erklärt. "Wir fahren genau so wie bestellt".

Von Wolfgang Schäl

In Kochel komme die Bahn eher selten pünktlich an, sagen die Kritiker.

(Foto: Manfred Neubauer)

Murrende Kunden und eine Bahn, die nur bedingt nachvollziehen kann, warum die Fahrgäste auf der Strecke München-Tutzing-Kochel unzufrieden sind - die Diskussion reißt nicht ab. Zu Wort gemeldet haben sich jetzt der Landtagsabgeordnete Florian Streibl (Freie Wähler) und Thomas Weißenborn, der für die Kocheler SPD und die Vereinigung Pro Bahn spricht.

Es ist eine lange Litanei, die insbesondere Weißenborn nach dem Inkrafttreten des neuen Fahrplans am 15. Dezember auflistet: Nach wie vor müsse im Spätverkehr von 20.30 Uhr an in Tutzing umgestiegen werden, und die angekündigte Fahrzeitverkürzung zwischen München und Kochel auf 70 Minuten werde nicht eingehalten, beschwert sich Weißenborn. Noch immer seien Fahrgäste zwischen 80 und 90 Minuten unterwegs, denn das An- und Abkuppeln der Waggons in Tutzing dauere zu lang.

Weitere Kritikpunkte: Die zahlreichen Langsamfahrstellen seien nicht beseitigt worden und veraltete Signal- und Schrankentechnik nicht ausgewechselt worden, was allein schon Verspätungen von fünf bis zehn Minuten verursache. Auf der Strecke Seeshaupt-Kochel seien nur zwei Ausweichstellen vorgesehen, sodass sich Verspätungen sofort auch in Gegenrichtung auswirkten, was nach Weißenborns Worten "den Fahrplan zur Makulatur macht".

Weitere Kritikpunkte: Verwirrende Anzeigen in den jeweiligen Zugteilen, keine Hinweise auf die geänderten Abfahrtszeiten, Verstärkerzüge, die nur bis Penzberg fahren statt bis Kochel, fehlende Hinweise auf Verspätungen, falsche Zugbeschriftungen und Busfahrpläne, die nicht auf den neuen Zugfahrplan abgestimmt seien. Letztere allein verursachten Wartezeiten von bis zu 30 Minuten. "Das verwirrt und verärgert die Fahrgäste, die sich dann überlegen werden, ob sie nochmal mitfahren oder doch lieber das Auto benutzen", zürnt Weißenborn.

Ergänzend dazu fordert der Landtagsabgeordnete Streibl Verbesserungen auf dem Streckenast in Richtung Garmisch. Zwischen Tutzing und Murnau, besser noch bis Garmisch-Partenkirchen müsse zweigleisig gefahren werden. Und zwischen Tutzing und Kochel müsse es mehr Begegnungsmöglichkeiten geben, damit dort an allen Bahnhöfen ein zuverlässiger Halbstundentakt gewährleistet werden könne.

Bahnsprecher Franz Lindemair räumt ein, dass die Gesamtfahrzeiten zwischen München und Kochel noch zu lang sind und es zu Verspätungen kommt. Als Ursache dafür nennt er technische Probleme an den Stromabnehmern, an denen der Hersteller Bombardier arbeite. "Wir sind dabei, Lösungen zu finden", versichert Lindemair, der zugibt, dass auch das "Flügeln", also das Zusammenfügen und Trennen der Zugteile in Tutzing, noch zu lange dauert. Die Lokführer würden aber geschult.

Sobald diese beiden Fehlerquellen beseitigt sind, wird nach Erwartung der Bahn alles wesentlich besser werden. Wenn die technischen Probleme behoben sind, könne der Fahrplan eingehalten werden, und deshalb benötige man weder ein zweites Gleis noch mehr Ausweichstellen, versichert Lindemair. Auch die Aussage, wonach die Signalanlagen veraltet seien, weist er zurück - dies sei schlicht nicht der Fall. Über die vermeintlich falsche Beschriftung der Züge kann sich Lindemair nur wundern. Dass es Langsamfahrstellen gibt, bestätigt der Bahnsprecher zwar, aber die seien bereits "in den Fahrplan eingearbeitet".

Auch ein drohendes Auseinanderbrechen des Taktgefüges kann er nicht erkennen. "Wenn ein Zugteil mal eine halbe Stunde Verspätung hat, dann wartet der andere nicht, sondern fährt allein weiter." Was die schlecht koordinierten Busabfahrzeiten betrifft: Da sei die Bahn nicht zuständig, hier müssten die kommunalen Aufgabenträger entsprechende Anweisungen an die privaten Busunternehmen geben.

Alles in allem ist für Lindemair "nicht nachvollziehbar, dass der neue Fahrplan schlechtgeredet wird" - auf kaum einer anderen vergleichbaren Bahnstrecke sei der Zugverkehr so dicht wie zwischen Tutzing und Kochel. Und noch auf etwas Grundsätzliches möchte der Bahnsprecher verweisen: Der aktuelle Fahrplan gehe auf die Bestellung der dem Innenministerium unterstehenden Bayerischen Eisenbahngesellschaft zurück, "und wir fahren genau so wie bestellt".