Penzberg Die Bäume vor der Stadthalle sind gerettet

Zwei alte Bäume umsägen, weil sie nicht symmetrisch vor der Stadthalle stehen? 120 Penzberger demonstrierten am Samstag, was sie davon halten.

(Foto: Manfred Neubauer)

Nach massiven Protesten hebt der Penzberger Stadtrat den Beschluss zur Fällung einer Ulme und einer Kastanie auf.

Von Alexandra Vecchiato, Penzberg

Die Kastanie und die Ulme vor der Penzberger Stadthalle bleiben. Der Stadtrat hat in seiner Sitzung am Dienstag den Beschluss des Bauausschusses aufgehoben. Die Fällung der Bäume ist damit vom Tisch. Man sei damals der fachlichen Sicht des Denkmalschutzes gefolgt, sagte Bürgermeisterin Elke Zehetner (parteifrei). Nun habe man "das Echo" wahrgenommen, wie auch, dass die Fällung der Bäume dem Geschichtsbewusstsein vieler Bürger entgegengestanden hätte. Das Umschneiden sei auch deshalb im Bauausschuss befürwortet worden, weil man 1,8 Millionen Euro Zuschuss für die Stadthallen-Sanierung von der Regierung von Oberbayern bekomme. Es herrschten Zweifel, ob diese Mittel noch fließen würden, sollte man sich nicht an den Wunsch der Denkmalschützer halten, sagte Zehetner.

Diesen Punkt stellte Johannes Bauer (Grüne) klar. Bündnis 90/Die Grünen hatten sich gemeinsam mit dem örtlichen Bund Naturschutz und dem Denkmalpflegeverein vehement für den Erhalt der Bäume eingesetzt und kurzfristig eine Protestaktion organisiert, zu der etwa 120 Bürger zur Stadthalle gekommen waren. Er zitierte aus einem Schreiben des zuständigen Referenten aus dem Landesamt für Denkmalpflege in München. Dieser erklärt darin, dass das Amt gar keine Anordnungen diesbezüglich treffen, sondern lediglich Anregungen geben könne. Bauer, selbst Mitglied im Bauausschuss, verwies darauf, dass in jener Sitzung der Eindruck vermittelt worden sei, bei der Fällung handle es sich um eine Auflage. "Das war missverständlich", sagte der Grünen-Stadtrat.

Vor Beginn der Diskussion trug Geschäftsleiter Roman Reis die beiden Anträge der Grünen-Fraktion vor, was bei dieser Unmut hervorrief. Stadtrat Klaus Adler sagte, es sei Usus im Gremium, dass die Antragsteller ihr Begehren selbst erläuterten. Was wiederum Bürgermeisterin Zehetner zu der Retourkutsche veranlasste, sie finde hingegen, es sei schlechter Stil, ihre E-Mail-Adresse öffentlich zu machen. Adler hatte bei der Demonstration vor der Stadthalle die Anwesenden gebeten, der Bürgermeisterin in aller Sachlichkeit zu mailen - allerdings nicht an ihre private Adresse, sondern an ihre Dienst-Mail, die jedermann jederzeit auf der Homepage der Stadt finden und nutzen kann.

Nachdem sich alle Fraktionen gegen eine Fällung aussprachen, und sich die vormaligen Befürworter im Bauausschuss entschuldigt hatten, wurde der Beschluss aufgehoben. Bauer gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass den beiden Bäumen während der Bauarbeiten nichts zustoße. Was wiederum Stadtbaumeister Justus Klement von sich wies, schließlich herrschten in Penzberg keine Wild-West-Methoden.

Die Stadthalle beschäftigte den Stadtrat auch in einem weiteren Tagesordnungspunkt. Lange hatte man gehadert, das denkmalgeschützte Gebäude zu sanieren wegen der Kosten. Für die Renovierung sind gute sieben Millionen Euro eingeplant. Jetzt muss die Stadt nochmals knapp eine halbe Million Euro drauflegen, und zwar für die Küche. Diese ist zu klein, um die Stadthalle sinnvoll gastronomisch bewirtschaften zu können. Das ergab ein Gespräch mit der möglichen Pächterin, der "Hogastro Ostheimer und Hanemann", die sich eine Erweiterung und Umplanung der Küche wünscht. Damit es auf der Baustelle keinen Stillstand gibt, bat Klement das Gremium um eine schnelle Entscheidung, auch wenn mit der Pächterin noch kein endgültiger Vertrag geschlossen wurde. Die Umbauten seien auch für andere Pächter der Gastronomie erforderlich. Richard Kreuzers (CSU) Nachfrage, woher die Stadt diese fast halbe Million hernehme, blieb unbeantwortet. Gegen seine Stimme befürwortete der Stadtrat die Mehrausgabe.