Ostermarsch in Bad Tölz Großfamilie mit bunten Fahnen

Die Münchner Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung und die lokale Friedensinitiative wandern zum Sitz der Firma "Sitec Aerospace".

(Foto: Manfred Neubauer)

Rund 30 Teilnehmer protestieren bei einer Wanderung der Friedensbewegung gegen einen Luftfahrt-Zulieferer

Von Alexandra Vecchiato, Bad Tölz

Es mutet wie ein Familienausflug an, wenn auch wie der einer Großfamilie, die sich mit bunten Fahnen ausgestattet hat: Etwa 30 Frauen, Männer und Kinder jeden Alters steigen am Ostermontagmittag aus der BOB am Tölzer Bahnhof aus, beäugt und belächelt von anderen Fahrgästen. Höchstens die Anwesenheit von zwei Polizisten lässt erahnen, dass die Gruppe keine gewöhnlichen Ausflügler sind. Es sind Mitglieder der Münchner Bürgerinitiative für Frieden und Abrüstung (BIFA), die sich gemeinsam mit Vertretern der Friedensinitiative Bad Tölz-Wolfratshausen zum "Ostermarsch draußen" treffen. Ihr Weg führt sie zur Firma "Sitec Aerospace", die nicht nur Präzisionstechnik für die zivile Luftfahrt liefert, sondern auch Produkte für Kampfhubschrauber oder Tornados.

Es ist der 24. Ostermarsch den die Münchner Initiative ins Umland des Landeshauptstadt organisiert. An diesem Montag mag allerdings das Wetter nicht mitspielen, sonst "wären wir sicher dreimal so viele", sagt Franz Iberl von der BIFA. Etliche Absagen hätten ihn in München vor der Abfahrt erreicht. Dieses Mal führe der Marsch nicht zu einem einschlägig bekannten Rüstungsbetrieb. Die Firma Sitec sei ein Sonderfall, sagt Iberl, da sie eben auch die zivile Luftfahrt wie Airbus beliefert. Wenn sich allerdings die Geschäftsführung darauf herausrede, sei dies "eine schöne Verharmlosung". Denn Sitec sei Mitglied im Bundesverband der Deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie.

Auf das Tölzer Unternehmen aufmerksam wurde die BIFA durch eine Ausstellung des Künstlers Franz Wanner im Münchner Lenbachhaus im vergangenen Jahr. Wanner thematisierte in seiner Video-Installation "Dual Use" auch die Rolle der Firma Sitec. Sie wolle nicht als Rüstungsproduzent gesehen werden, heißt es, da ihre Produkte zivil eingesetzt werden könnten - eben "Dual Use". Doch verdiene Sitec Millionen mit der Zulieferung für den Eurofighter und andere Kampfflugzeuge und -hubschrauber. Der Begriff "Dual Use" beschönige und verniedliche diese Tatsache.

Es sei ein wichtiges Zeichen in diesen Zeiten, sich für Abrüstung und Frieden einzusetzen, sagt Andreas Wagner von der lokalen Friedensinitiative. Die Nato rüste massiv auf, Konflikte würden anscheinend bevorzugt militärisch gelöst werden. "Aber das ist keine Lösung, sondern bringt nur unsägliches Leid." Daher sei es wichtig aufzuzeigen, wie die militärische und zivile Wirtschaft verzahnt seien. "Wir wollen keine Arbeitsplätze abschaffen, sondern fordern, dass Firmen wie Sitec ihre Produktion umstellen", betont Wagner.

Auf das Firmengelände von Sitec dürfen die Friedensaktivisten nicht. Darüber hatte Iberl die Teilnehmer bei der Ankunft informiert. Es wird nur ein kurzer Stopp, um die mitgebrachten Fahnen mit Friedenstauben oder dem "Pace"-Schriftzug zu schwingen. Einige Teilnehmer nutzen die Gelegenheit, etwa gegen den Bundeswehr-Einsatz in Somalia zu protestieren. "Lieber Pirat als Soldat" ist auf einem Banner zu lesen. Oder "Krieg ist Terror". Dann setzt der Regen ein. Geplant war eine Wanderung im Ellbach-Moos. "Was wir weiters machen, entscheiden wir spontan beim nächsten Stopp", sagt Iberl, ehe die Gruppe weitermarschiert.