Neuer Orden in Sachsenkam? Gesucht: Schwestern für Kloster Reutberg

"Ein leeres Kloster ist nur ein Gebäude", sagt Gerald Ohlbaum. So weit soll es mit dem Kloster Reutberg in Sachsenkam nicht kommen.

(Foto: Harry Wolfsbauer)

Der Unterstützer-Verein möchte, dass die beiden betagten Franziskanerinnen in ihren Räumen bleiben können. Es wäre aber Platz für einen weiteren Orden.

Von Klaus Schieder, Sachsenkam

Das Innere der Klosterkirche in Reutberg ist eingerüstet. Ein sichtbares Zeichen dafür, dass so langsam die Sanierung des Gotteshauses beginnt, für die sich Gerald Ohlbaum und seine Mitstreiter im Verein "Freunde des Klosters Reutberg" schon seit Jahren einsetzen. Damit ist für den Verein, den Pfarrgemeinderat und die Gemeinde Sachsenkam aber noch längst nicht alles aufs Gleis gesetzt. Sie sorgen sich auch um die Zukunft des Klosters selbst. Vor allem möchten sie erreichen, dass die betagten Schwestern Faustina und Augustine vom Franziskanerorden bis zu ihrem Lebensende in Reutberg bleiben können, ohne in ein Pflegeheim umziehen zu müssen. Der Orden solle in das Konzept einer künftigen Nutzung des Klosters eingebunden werden, fordert Ohlbaum. "Wir wollen, dass die Schwestern nicht rausgeschmissen werden."

Zwei Mal war die Sachsenkamer Gruppe mit Ohlbaum, seinem Stellvertreter Helmut Rührmair, Spiritual Josef Beheim, dem Vorstand des Pfarrgemeinderats und Bürgermeister Hans Schneil (CSU) heuer schon zu Gesprächen im Ordinariat. So trete man geschlossen auf, sagt Ohlbaum. "Es wird deutlich, dass da nicht nur ein paar Klosterfreunde auf verlorenem Posten sind, sondern dass dies eine Angelegenheit der ganzen Gemeinde ist." Der Vereinsvorsitzende könnte sich vorstellen, dass möglicherweise ein zweiter Orden in das Kloster einzieht. Mit dem müssten sich die Franziskanerinnen dann eben arrangieren. Mit dem Konvent solle es weitergehen, "ein Kloster ohne Orden ist nur ein Gebäude". Darüber hinaus wäre Ohlbaum zufolge auch noch "eine zusätzliche Nutzung" denkbar, etwa als geistliches Zentrum.

Das Ordinariat möchte, dass vom Kloster aus Seelsorger tätig werden

Im Erzbischöflichen Ordinariat gehen die Pläne in eben diese Richtung. Vorgesehen sei, "eine priesterliche, apostolisch tätige Gemeinschaft für das Kloster Reutberg zu gewinnen", teilt Pressesprecherin Bettine Göbner mit. Die Geistlichen sollen von dort aus in der Seelsorge in der Region mitarbeiten. Derzeit werde nach einer entsprechenden Gemeinschaft gesucht. "Das Kloster soll ein pastorales Zentrum werden", erklärt die Sprecherin des Ordinariats. Das heißt, dass Räume im Kloster von Pfarreien und anderen kirchlichen Trägern genutzt werden können. Als Beispiele nennt Göbner Klausuren von Pfarrgemeinderäten, Treffen von Firmlingen und Ministranten, Fortbildungsseminare und Begegnungsangebote. Das sei schon klar und auch notwendig, erklärt Ohlbaum. Allerdings geht es ihm um die Ordensschwestern, die im Kloster bleiben sollten. "Man kann das eine tun, ohne das andere zu lassen", findet er. Deshalb tritt er dafür ein, "andere Schwestern herzubekommen - als ein Art Keimzelle, aus der wieder etwas werden kann".

Die Kosten für die Sanierung der Klosterkirche sind mit rund 2,1 Millionen Euro veranschlagt. Rund 1,1 Millionen werden für die Außenrenovierung fällig, die von der Erzdiözese getragen werden. Derzeit laufen detaillierte Untersuchungen am Gotteshaus. Die Innenarbeiten für gut eine Million Euro muss das Kloster selbst bezahlen. Dazu galt es zunächst einmal die Hürde von 70 Prozent dieses Eigenanteils zu nehmen, damit das Ordinariat seinerseits die Zusage für die Außensanierung gab. Mittlerweile sind Ohlbaum zufolge zwischen 900 000 und 950 000 Euro beisammen. 22 5 000 Euro stammen davon aus einem Denkmalschutz-Sonderprogramm des Bundes, circa 150 000 Euro sammelte der Verein "Freunde des Klosters Reutberg", hinzu kamen weitere Spenden. Ob die Summe reicht, wird sich erst zeigen. Im Innenraum der Kirche werden Gerüste aufgestellt, um "tiefer gehende Unterwuchungen" vorzunehmen, wie Ohlbaum sagt: "Es geht um die Putzschichten, es geht um Kunstwerke." All dies müsse erst einmal analysiert werden.

Weil zwischen geschätzten und tatsächlichen Kosten oftmals eine erhebliche Lücke klaffen kann, sammelt der Verein auch weiterhin Geld. Auch heuer veranstaltet er am Sonntag, 10. Dezember, einen Adventsmarkt im Kloster, organisiert die Lesung der "Heiligen Nacht" nach Ludwig Thoma, verkauft den Reutberg-Kalender für 2018 zum Stückpreis von 15 Euro und denkt über ein Benefizkonzert mit dem Zither Manä  nach.