"Negatives Image" Heute kein König

Patrick Karch bewarb sich vergeblich um die Nachfolge Lena Hochstraßers als Bierkönigin.

(Foto: Patrick Karch/dpa)

Warum der Brauerbund einem Mann die Krone verweigert

Von Astrid Becker, Münsing

Es mag gut sein, dass sich so manch ein Kerl wie ein Bierkönig fühlt. Vielleicht, weil er schon immer im Masskrugstemmen ganz vorne dabei war. Vielleicht, weil er viel Bier verträgt, und sogar ein India Pale Ale von einem Stout unterscheiden kann. Im Zeitalter des ständig wachsenden Craft-Beer-Segments in der Branche ist Letzteres sogar tatsächlich eine wichtige Voraussetzung für denjenigen geworden, der sich Bierkenner nennen will. Das sieht auch der Bayerische Brauerbund so, und erwartet das auch von seinen Bierköniginnen. Wohlgemerkt von den Damen. Denn Männer werden auch in absehbarer Zeit nicht als Bewerber für das repräsentative Amt in Frage kommen.

Das zeigt der Fall des Franken Patrick Karch. Seit Mitte Januar kann man sich um die Nachfolge Lena Hochstraßers bewerben, um von Mai 2018 an ein Jahr lang bayerische Bierkultur im In- und Ausland zu vermitteln. Als Karch davon hörte, war er sofort davon überzeugt, alle dafür nötigen Voraussetzungen zu besitzen. Er ist in Bayern, genauer gesagt im unterfränkischen Miltenberg, geboren, älter als 21 Jahre, kontaktfreudig, kommunikativ und begeistert von bayerischem Bier. Zwar wohnt er mit Frau und Kindern mittlerweile ein paar Kilometer weit hinter der bayerischen Grenze auf baden-württembergischer Flur. Aber dieser Umstand hätte den Bayerischen Brauerbund nicht gestört, wie dessen Geschäftsführer Lothar Ebbertz sagt.

Es ist einzig und allein die Tatsache, dass Karch keine Frau ist. Doch genau darum ging es dem 40-Jährigen: "Als glühender Verfechter der Gleichberechtigung und überzeugter Feminist bin ich der Meinung, dass es 2018 an der Zeit für eine männliche bayerische Bierkönigin ist", so ist es seinen Posts auf Facebook zu entnehmen. Es ist nun nicht so, dass der Brauerbund nicht über einen Bierkönig oder gar ein Königspaar in diesem Amt nachgedacht hat. Doch diese Ideen wurden verworfen. Ein Königspaar klinge nach Fasching, sagt Ebbertz dazu. Und ein Bierkönig? Zu negativ besetzt, meint er, und verweist in diesem Zusammenhang auf den "Ballermann" auf Mallorca und auf ein gleichnamiges Party-Lokal dort. Zwar tränken Männer gern Bier und auch mal Massen davon, aber genau das spreche gegen eine männliche Bierkönigin: "Wir machen uns nicht für zügellose Gelage stark, sondern für den maßvollen Genuss eines hochwertigen Produkts", sagt Ebbertz. Und um das richtige Maß zu vermitteln, scheinen dem Brauerbund Frauen offenbar besser geeignet.