Mitten in Münsing Stilles Glück

Das Ambacher Erholungsgelände trägt seinen Namen eigentlich nur in der kalten Jahreszeit zu Recht.

Von Felicitas Amler

Das Ambacher Erholungsgelände trägt seinen Namen eigentlich nur in der kalten Jahreszeit zu Recht. Wer wollte es schon erholsam nennen, wenn im Sommer die Parkplätze am Ostufer die aus München herangerollte Blechlawine nicht fassen können; wenn sich (Sonnen-)Badende auf den Liegewiesen wie die Ölsardinen nebeneinanderzwängen; wenn die köstliche Ruhe, die ein See atmet, durch den Lärm einer ratschenden, spielenden, tobenden Menschenmasse gestört wird.

Wie wunderbar dagegen, an einem Tag zwischen Oktober und März, am besten frühmorgens, am See zu flanieren. Die meditative Stille wird allenfalls durch ein sanftes Plätschern untermalt, und auf der ganzen, rund einen Kilometer langen Strecke zwischen Campingplatz und Buchscharner Seewirt kein anderer Mensch. Fast! Einer ist beinahe immer da. Ein sportlicher Mann, der sich auf dem Steg reckt und streckt, um dann die tausend Meter zweimal hin- und herzujoggen. Selbst in den eisigen Zeiten, die dieser Winter wahrlich zu bieten hatte, ist er gelegentlich im Neoprenanzug auch in den See gestiegen - allerdings nur an Wochenenden, da er anschließend zwei bis drei Stunden zum Wiederaufwärmen braucht. Warum man sich so etwas antut? Aus purer Freude, und weil der Kopf frei werde. Ein anderer früher Gast ist der Dauercamper, der sein Glück, genau da zu sein, wo er ist, jedes Mal aufs Neue preist. Sein Wohnwagen steht direkt an dem schmalen Fußweg am See, und sein Vorgarten ist auf liebevolle Weise kitschig dekoriert - wobei ein Gartenzwerg natürlich nicht fehlen darf. Ein bisschen zahnluckert ist der Mann. Aber stets lächelt er versonnen, erzählt, dass er 25 Jahre lang in München gearbeitet und gelebt hat und dass er damals nicht geahnt habe, wie wenig er die Großstadt vermissen würde. Weil das Leben am See einfach so wunderschön sei. Andere müssten da erst ins Auto steigen und herfahren. Er aber öffne morgens die Tür seines Wohnwagens und blicke auf den See vor der Bergkulisse: "Ein Traum." Wer wollte mehr?