Ludwig II. Theorien und Ansichten

Gesicherte Aussagen zur Todesursache gibt es nicht. Die Experten-Meinungen gehen auseinander

Über den Tod des Märchenkönigs scheiden sich auch heute noch die Geister. Eine Gesamtschau der vielen Theorien und Ansichten war 2011 bei der Landesausstellung des Hauses der Bayerischen Geschichte zu König Ludwig II. in Schloss Herrenchiemsee zu betrachten. Als Fazit kann festgehalten werden: Die Todesursache kann nicht mit Sicherheit benannt werden. Verschiedene Exponate stellten die unterschiedlichen Theorien dar.

Es wurde beispielsweise die Version thematisiert, der König sei ermordet worden. Dafür gebe es aber keine stichhaltigen Beweise, heißt es im Katalog zur damaligen Ausstellung. Auch der Obduktionsbericht war aufgeführt, der ein Vorhandensein von Verletzungen verneinte und weder die Möglichkeit eines Selbstmordes durch aktives Einatmen von Wasser noch ein Ertrinken etwa wegen eines Kreislaufkollapses oder Herzinfarktes ausschloss. Diverse Verschwörungstheorien fehlten in der Ausstellung ebenso wenig. Eine besagt beispielsweise, dass der Fischer Lidl dem König bei einem Fluchtversuch helfen wollte, dem Monarchen aber dabei in den Rücken geschossen worden sein soll. Der Fischer soll seine Erinnerungen in ein Schulheft geschrieben haben. Dieses gilt als verschollen.

Die Süddeutsche Zeitung hat bei Menschen im Raum München nachgefragt, die sich schon intensiv mit dem Märchenkönig befasst haben: Wie glauben Sie, dass er umgekommen ist?

Selbstmord aus Kränkung

Gabriel von Seidl.

(Foto: Manfred Neubauer)

Der Historiker Hermann Rumschöttel bleibt bei der Bewertung in seiner Biografie "Ludwig II. von Bayern": "Auch nach den umfangreichen wissenschaftlichen Untersuchungen insbesondere von Historikern und Kriminalisten kann man bis heute seriös nichts anderes sagen, als dass die genauen Umstände von König Ludwigs Tod weiterhin ungeklärt sind. Aber es spricht viel dafür, dass der knapp 41-jährige Monarch mit seinem hochgesteigerten Majestäts- und Herrschergefühl seine aussichtslose, kränkende, entwürdigende und demütigende Lage in Schloss Berg erkannt hat und - innerlich tief verletzt - im Starnberger See verzweifelt in den Tod gegangen ist und dabei seinen Arzt mitgerissen hat. ,Von der höchsten Stufe des Lebens hinabgeschleudert zu werden in ein Nichts - das ist ein verlorenes Leben; das ertrage ich nicht.' - sagte er am 11. Juni 1886, zwei Tage vor seinem Tod."

Ein Staatsverbrechen

Peter Gauweiler.

(Foto: Uli Deck/picture alliance/dpa)

Der Anwalt Peter Gauweiler hat für den Sammelband "Bernhard von Gudden" einen Beitrag zur juristischen Sicht der Entmündigung des Königs geschrieben: "Was wir heute sicher wissen, ist, dass die von fünf Ministern am 10. Juni inszenierte Entmündigung des Königs willkürlich war und gegen die damals geltenden Gesetze verstieß. Was wir auch wissen, ist, dass sich Ludwig dieser Situation, nachdem er am 12. Juni unter Zwang nach Berg verbracht worden war, am Abend des 13. Juni entziehen wollte und dass es am Seeufer zum Kampf zwischen ihm und seinem obersten Bewacher gekommen sein muss. Wer den staatlichen Machtapparat für illegale Handlungen einsetzt, besitzt für den Fall, dass sein Opfer zu Tode kommt, juristische "Tatherrschaft" - egal ob der Betreffende wegen der Ausweglosigkeit seiner Situation Selbstmord begeht oder auf der Flucht erschossen wird."

Ein Unfall

Wolfgang Eisenmenger.

(Foto: Carmen Wolf)

Rechtsmediziner Professor Wolfgang Eisenmenger nahm für ein Buch des ehemaligen Oberstaatsanwalts Wilhelm Wöbking zum ärztlichen Befund über die Leiche des Königs Stellung: "Das Sektionsprotokoll beschreibt keinerlei Verletzungen des Königs. Der Sektion wohnten mehrere Menschen bei, so dass es ungewöhnlich wäre, wenn die Vertuschung eines Verbrechens nicht aufgedeckt worden wäre. Da bleibt erstaunlich, dass der relative großgewachsene Mann in dem flachen Bereich des Sees ertrunken sein soll. Es wird berichtet, der König sei ein guter Schwimmer gewesen. Es bleibt zu diskutieren, dass er mit dem Psychiater Professor Gudden gerungen hat - dieser wies Kratzer und Abschürfungen auf - und dann infolge einer Kreislaufstörung im kalten Wasser des Sees zu Tode gekommen ist. Also ein Ertrinkungstod nach vorangegangener Bewusstseinsstörung."